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Im Gespräch: Jonathan Tepper, Variant Percention : „Irland sollte die Bankschulden nicht bezahlen“

  • Aktualisiert am

Bild: Privat

Weder die europäischen noch die Vereinigten Staaten haben einen glaubwürdigen Plan, ihre Defizite zu reduzieren, erklärt Jonathan Tepper vom Analyseunternehmen Variant Perception. Er empfiehlt den Iren die „isländische Lösung“.

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          Die europäischen und die Vereinigten Staaten haben keine glaubwürdigen Pläne, ihre Defizite zu reduzieren, erklärt Jonathan Tepper vom Analyseunternehmen Variant Perception.

          Er hält nichts von Ratingagenturen. Schuldenrestrukturierungen in Europa seien unvermeidlich, denkt er und empfiehlt den Iren die „isländische Lösung“.

          S&P warnte die Vereinigten Staaten, die Bonität sei gefährdet. Ist das der Anfang des Endspiels, das Sie in Ihrem Buch Endgame beschreiben und in dem Sie vor den Folgen der hohen Statsschulden weltweit warnen?

          Was die Ratingagentur Standard & Poor's tut, spielt eigentlich keine Rolle. Sie lagen falsch mit dem, was sie davor taten und ob diese Warnung etwas bedeutet, wird sich erst noch zeigen müssen. Sie nehmen lediglich nachträglich wahr, wie die Realität aussieht. Was das Endspiel anbelangt, so führt nichts daran vorbei.

          Wie meinen Sie das?

          Weder die europäischen noch die Vereinigten Staaten haben einen glaubwürdigen Plan, ihre Defizite zu reduzieren. Es wird wohl erst eine noch tiefere Krise nötig sein, um einen entscheidenden Meinungswandel herbeizuführen und um die notwendigen Entscheidungen zu treffen.

          Rechnen sie in nächster Zeit damit?

          Es ist generell schlecht abzuschätzen, wann sie kommen wird. Angesichts der Entwicklung, etwa des Streits zwischen Präsident Barak Obama und dem Kongress um auch nur kleinste Korrekturen des Budgets, jedoch stellt sich nur die Frage der Zeit und der Umstände.

          Was kann die Krise auslösen?

          Der Kurs des Dollars könnte zum Beispiel stark fallen. Kritisch wären auch starke Kursbewegungen oder Renditeänderungen bei den amerikanischen Staatsanleihen. Beide möglichen Phänomene sind letztlich unvermeidlich.

          Ist es kritisch, dass Bill Gross von der Fondsgesellschaft Pimco kürzlich erklärte, er hätte alle amerikanischen Staatsanleihen verkauft und spekuliere sogar auf fallende Kurse?

          Gross ist aufgrund der Größe der von ihm verwalteten Portfolios sicherlich ein wichtiger Marktteilnehmer. Allerdings stellt sich die Frage, ob er mit seinen Äußerungen nicht nur nachträglich die Strategien voranbringen will, die er vorher eingegangen ist. Denn sonst gäbe es keinen Grund, sich zu äußern. Grundsätzlich bieten diese Papiere nur einen geringen Wert für den Preis, zu dem sie gehandelt werden.

          Fürchten Sie in den Vereinigten Staaten eine ähnliche Schuldenkrise, wie wir sie gerade in Europa beobachten können?

          Die Rahmenbedingungen sind nicht vergleichbar. In Europa zeigt sich die Krise in Staaten, die hohe Schulden haben, die aber ihre Geldpolitik beziehungsweise Wechselkurse nicht unabhängig bestimmen können. Länder wie Italien, Spanien oder auch Portugal haben keine Möglichkeit, über Abwertungen ihre Exportwirtschaften zu stimulieren, um auf diese Weise Einnahmen zu generieren, mit denen sie ihre Verbindlichkeiten bedienen könnten. Die Amerikaner dagegen haben sich in der eigenen Währung verschuldet und sie kontrollieren die Entwicklung ihres Wechselkurses. Sie werden dieses Ventil nutzen, um ihre Probleme zu lösen. Der Dollar wird also weiter abwerten.

          Die Vereinigten Staaten werden also ihre Schulden „weginflationieren“?

          Das ist offensichtlich die bevorzugte Strategie, um mit großen öffentlichen und privaten Verbindlichkeiten klar zu kommen.

          … ja aber die amerikanische Inflationsrate scheint sich bisher harmlos zu entwickeln…

          Es kommt immer darauf an, wo man hinschaut. Die Inflationsrate an sich ist nicht sonderlich tief. Die Kerninflationsrate dagegen wird künstlich heruntergerechnet durch Einbeziehung virtueller Mieten bei Eigenheimbesitzern. Die Inflationsrate ist ein nachlaufender Indikator und sagt überhaupt nichts aus über die Zukunft. Wir benutzen bei Variant Conception verschiedene nach vorne gerichtete Indikatoren. Sie zeigen, dass Inflation das Thema ist - und nicht Deflation.

          Hat die amerikanische Zentralbank (Fed) die falsche Politik, indem sie sich an der Inflationsrate orientiert?

          Ach, die Fed hatte schon erklärt, es gebe keine Subprime-Krise und die Wirtschaft entwickle sich robust - und dann schlug sie doch zu. Beinahe alles, was die Zentralbanker in der Vergangenheit erklärten, war falsch. Wieso also sollte man ausgerechnet jetzt darauf vertrauen, sie verfolge die richtige Strategie?

          Was würden Sie an Stelle der amerikanischen Zentralbank tun?

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