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Im Gespräch: Jonathan Tepper, Variant Percention : „Irland sollte die Bankschulden nicht bezahlen“

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Ich würde die aufgeblähte Bilanz viel schneller kürzen, statt weiterhin geldpolitisch expansiv zu wirken.

Was würde das für die Märkte bedeuten?

Die amerikanische Zentralbank hat offensichtlich das Ziel, die Kurse an den Börsen und die Preise an den Vermögensgütermärkten nach oben zu treiben. Dabei ist das überhaupt nicht ihre Aufgabe. Im Gegenteil. Denn sie legt auf diese Weise die Basis für weitere Instabilitäten.

Wie spielt man als Anleger das Spiel, sofern man Ihre Einschätzung teilt?

Wir setzen schon seit einiger Zeit auf Finanz- und reale Werte. Sie sind die richtigen Instrumente, um von einem Umfeld mit negativen Realzinsen zu profitieren. Dazu zählt unter anderem Gold, welches bei hohen Realzinsen ein schreckliches Investment wäre. Hohe Realzinsen sind jedoch auch in Zukunft nicht absehbar, zumal die Zentralbanken ihre Leitzinsen so tief halten.

Denken Sie, die Preise von Gold und Silber werden weiter steigen und damit den Aufwärtstrend fortsetzen?

Ich denke schon, denn schließlich werden Sparer in einem Umfeld mit negativen Realzinsen enteignet. Sie versuchen auszuweichen in dem sie unter anderem in Gold und andere Vermögenswerte investieren. Genau aus diesem Grund lassen sich im Moment auch Immobilienblasen in China, Indien und anderen Schwellenländern beobachten, wo die Realzinsen extrem tief sind.

Dort werden aber auch die Zinsen erhöht. Ändert das etwas?

Die Frage ist immer, ob die Zinsen so rasch erhöht werden, wie die Preise steigen und wo die Zinserhöhungszyklen beendet werden. Immerhin werden dort die Zinsen angehoben, während die Zentralbanken in den Industriestaaten offensichtlich geldpolitisch nicht restriktiv werden wollen.

Befinden wir uns nach den jüngsten Preissteigerungen in einer Rohstoffblase?

Man muss von Rohstoff zu Rohstoff unterscheiden. Grundsätzlich aber ist die realwirtschaftliche Nachfrage aus den Schwellenländern in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Dieser Effekt wird zusätzlich verstärkt durch die extrem expansiven geldpolitischen Strategien und Währungsmanipulationen der Zentralbanken in aller Welt. Sie befeuern den einmal entstandenen Preisauftrieb zusätzlich. Sollten die Preise zu stark steigen, drohte eine deutliche Korrektur. Angesichts der lockeren Geldpolitiken dürften sie auf Sicht weiter steigen können.

Es gibt viel „Papiergold und -silber“ da draußen in Form von Zertifikaten et cetera. Könnten Gold und Silber nicht richtig knapp werden, wenn die Anbieter zur Wandlung gezwungen würden?

Ich bin in dieser Frage kein Experte, aber ich halte das für möglich.

Wie wird sich die Konjunktur weiter entwickeln?

Am optimistischsten bin ich im Moment für die amerikanische Wirtschaft. Sie wird sich besser entwickeln als jene in den europäischen Peripheriestaaten, beispielsweise. Denn dort sind die vorlaufenden Indikatoren meist negativ. Auf der anderen Seite entwickeln sich die Schwellenländer weiterhin robust. In vielen Staaten hat die Wirtschaftsleistung inzwischen das Niveau wieder überschritten, auf dem sie vor der Krise lag.

Wieso sind sie so optimistisch für die amerikanische Konjunktur?

Der Produktionssektor dort entwickelt sich gut. Der schwache Dollar ist vor allem auch im Export von Vorteil. Selbst die Nachfrage im Binnenkonsum erholt sich stärker vom Rückschlag nach der Krise, als ich erwartet hatte. Die Exportbereiche beflügeln die Volkswirtschaften vieler Staaten weltweit, im Moment.

Wie sieht eine ideale Lösung für die europäische Schuldenkrise aus?

An der Restrukturierung führt kein Weg vorbei. Die Frage ist nur, wann man diese Realität, in Bezug auf Griechenland und Portugal etwa, akzeptieren wird. Spanien ist ein etwas anderer Fall, da dort die Schulden primär im privaten Sektor bestehen. Spanien hat insofern kein Insolvenz-, sondern ein Liquiditätsproblem, da auslaufende Kontrakte refinanziert werden müssen.

Wie sieht es in Irland aus?

Wenn die Iren clever wären, würden sie die Schulden der Banken nicht zurückzahlen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, wieso die Steuerzahler des Landes sie übernehmen sollten.

Sie empfehlen die isländische Lösung?

Im Prinzip schon. Wenn die Briten und die Niederländer - und andere Ausländer - so dumm waren, diesen Banken soviel Geld zu geben, sollten sie die Konsequenzen auch tragen.

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