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Im Gespräch: Jim Leaviss : „Griechenland hätte auch ohne CDS-Markt Probleme“

  • Aktualisiert am

Rentenfondsmanager Jim Leaviss Bild: Justin Canning

Es lässt sich debattieren, ob Wetten auf Zahlungsschwierigkeiten von Unternehmen und Staaten zu perversen Anreizstrukturen führen. Sicher hätte Griechenland aber auch ohne die Existenz des CDS-Markt Probleme, so Rentenfondsmanager Jim Leaviss von M&G.

          Der Markt für so genannte Credit Default Swaps hat in den vergangenen Wochen und Monaten im Zusammenhang mit offensichtlichen Finanzierungsschwierigkeiten in Griechenland und Dubai für Schlagzeilen gesorgt. Denn die Kosten für solche Transaktionen, die im Kern zur Absicherung gegen die Zahlungsunfähigkeit eines Marktteilnehmers dienen, sind zum Teil deutlich gestiegen.

          Oft ist jedoch nicht klar, wie solche Instrumente eigentlich funktionieren und von wem sie wie genutzt werden. M&G-Rentenfondsmanager Jim Leaviss sorgt im Gespräch für entsprechende Informationen. Ob Wetten auf Zahlungsschwierigkeiten von Unternehmen oder Staaten zu perversen Anreizstrukturen führten und möglicherweise sogar deren Rettung verhinderten - diese Debatte sei zwar eröffnet. Auf der anderen Seite hätte Griechenland auch ohne die Existenz des CDS-Markt Probleme, erklärt er.

          Was sind eigentlich Credit Default Swaps (CDS)?

          Das sind individuelle Kontrakte zwischen zwei Marktteilnehmern. Sie können mit ihrer Hilfe das Kreditengagement mit Bezug auf einen bestimmten Schuldner entweder gezielt vergrößern oder verringern. Sie werden in Basispunkten oder Hunderstel Prozentpunkten des Nominalwertes gehandelt. Der Preis drückt die Kosten beziehungsweise Prämien aus, die jährlich für die Versicherung gegen ein Kreditereignis entstehen oder kassiert werden.

          Was heißt das genau?

          Verkaufe ich einen CDS, so erhalte ich vom Käufer die Prämie. Dagegen muss ich die Verluste tragen, die entstehen, wenn ein Schuldner, zum Beispiel Griechenland, Zahlungsprobleme hat. Kaufe ich den CDS, so werden mir gegen Zahlung der Prämie jene Verluste ersetzt, die bei Zahlungsunfähigkeit oder einer Restrukturierung des Kredits entstehen würden. CDS gleichen also Versicherungskontrakten, in denen man entweder als Versicherungsnehmer oder -geber auftreten kann.

          Worin besteht ihr Reiz?

          Man kann CDS entweder nutzen, um Rentenportfolios gegen Verluste abzusichern, die bei einer Verschlechterung der Kreditwürdigkeit eines Emittenten entstehen würden. Oder man kann umgekehrt das Kreditrisiko auf sich nehmen, die Prämie kassieren und damit gegebenenfalls die Rendite des eigenen Portfolios steigern. Wie andere derivative Finanzinstrumente kann man CDS also zur Absicherung oder alternativ zur Spekulation verwenden.

          Muss man nach dem Kauf eines Versicherungskontraktes dieser Art warten, bis der Bezogene Zahlungsprobleme hat?

          Nein, die Preise von CDS bewegen sich unmittelbar in Abhängigkeit davon, wie sich die Wahrnehmung seiner Kreditwürdigkeit im Markt verändert. Kommen Zweifel auf, so steigen die Prämien - und umgekehrt.

          Woher weiß ich, dass der Versicherungsgeber, mit dem ich einen CDS abschlossen habe, auch zahlen kann?

          Es handelt sich um so genannte OTC-Kontrakte oder frei ausgehandelte Verträge zwischen zwei Gegenparteien, wie sie schon lange üblich sind. Natürlich ist es wichtig, sie solide und gerichtsfest zu dokumentieren und Sicherheiten entsprechend der Wertentwicklung der Kontakte auszutauschen. Auf diese Weise lässt sich das Gegenparteienrisiko reduzieren.

          Setzen Sie bei der Verwaltung ihrer Fonds CDS ein?

          Die UCITS-Fonds mit erweiterten Handlungsmöglichkeiten können Derivate für verschiedene Zwecke nutzen. Wir setzen unsere Ideen mehrheitlich an den Rentenmärkten direkt um. Wir nutzen jedoch CDS, um Cashflows zu generieren, indem wir etwa Versicherungen auf iTraxx-Indizes verkaufen, bevor wir Unternehmensanleihen physisch kaufen, die wir mögen. Wir spekulieren auch, wenn wir in einem bestimmten Bereich eine ausgeprägte Meinung haben.

          ... auch gegen Staaten?

          Wir handeln nur sehr wenige CDS, die sich auf Staaten beziehen. Mein Kollege Richard Woolnough, der den M&G Optimal Income Fund verwaltet, hat jedoch CDS auf Großbritannien verkauft. Er geht also nicht davon aus, dass Großbritannien in den kommenden fünf Jahren in die Insolvenz geraten wird. Länder-CDS gehören nicht zu unserem Kerngeschäft. Der Markt an sich ist jedoch nützlich, um die Portfolios optimieren und um Marktmeinungen ausdrücken zu können.

          Wie läuft so ein Geschäft konkret ab?

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