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Gewerkschafter Zitzelsberger : „Es steckt zu wenig Industriepolitik drin“

Roman Zitzelsberger ist Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg. Bild: dpa

Die Mehrwertsteuer-Senkung kann den Kauf von Autos fördern – aber der Anreiz ist ein anderer als erhofft, sagt der IG-Metall-Chef von Baden-Württemberg.

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          Herr Zitzelsberger, was halten Sie als Gewerkschafter von dem nun vereinbarten Konjunkturpaket?

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Es ist richtig, jetzt in die Vollen zu gehen. Das Volumen ist der Situation angepasst und es ist gut, die ganze Breite der Wirtschaft abzudecken.

          Im Autoland Baden-Württemberg, wo Sie die IG Metall anführen, wird man aber nicht so zufrieden sein – es gibt keine Kaufprämie für Autos mit herkömmlicher Antriebstechnik…

          Mein erster Eindruck ist, dass zu wenig Industriepolitik drinsteckt. Es wurde verkannt, dass man zwar eine Elektroprämie ausloben kann – aber mit den Produkten von heute muss das Geld verdient werden, um die Zukunft zu finanzieren. Und das sind eben aktuell überwiegend Autos mit Verbrennungsmotoren. Aber jetzt müssen wir die Debatte um die Kaufprämie beenden.

          Wird die Krise der Autobranche durch die hohe Elektroprämie verschärft? 

          Nein, das glaube ich nicht. Aber sie wird auch nicht gelöst. Jetzt wäre es wichtig, die Arbeitsplätze sicherer zu machen. Ich bin mir unsicher, was vom Konjunkturprogramm bei den Zulieferern und beim Maschinenbau ankommen wird.

          Hilft die Mehrwertsteuersenkung der Branche?

          Ja, bestimmt. Jedenfalls wenn die Mehrwertsteuersenkung durch die Auto-Hersteller weitergegeben wird oder besser noch, wenn die Autoindustrie selbst noch etwas draufsetzt, damit wirklich Kaufanreize entstehen. Die Steuerungswirkung, die entsteht, ist eine andere als die, die wir gern gehabt hätten in Richtung moderner, verbrauchsarmer Motoren. Jetzt ist es so, dass die Einsparung bei  hochpreisigen Autos größer ist. Bei einem Auto von 30.000 Euro sind es 900 Euro, bei einem von 75.000 Euro sind es über 2000 Euro.

          Werden sich also jetzt die Hiobsbotschaften trotz Konjunkturpaket häufen?

          Wir erwarten heftigste Verwerfungen, weil die Krise ja lange vor Corona schon da war. Ein Wanderer durch die Wüste hat es besonders schwer, wenn er zuvor schon den Fuß verknackst und kein Wasser bei sich hat. Die Autohersteller sind in dieser Hinsicht weniger stark betroffen als die Lieferkette davor, wobei es starke Unterschiede geben wird. Meine Befürchtung ist, dass jetzt vor allem die Unternehmen, die ohnehin schon begonnen hatten, Produktion, Forschung und Services in Richtung Osteuropa zu verlagern, diese Bemühungen noch verstärken.

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