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Ifo-Index : So mies ist die Stimmung in der Wirtschaft

Die Konjunktur – wie hier der Hamburger Hafen – ist in der Dämmerung. Bild: dpa

Deutsche Unternehmen blicken immer pessimistischer in die Zukunft. Neben der Industrie verfinstern sich die Aussichten vor allem für industrienahe Dienstleister. Bleibt die Konjunkturflaute für die Beschäftigten folgenlos?

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          In den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich die Stimmung abermals verschlechtert. Der Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Instituts, der auf der monatlichen Befragung von 9000 Managern basiert und als eines der wichtigsten Konjunkturbarometer gilt, hat seinen Mitte 2018 begonnenen Abwärtstrend im Juni weiter fortgesetzt. Er fiel von 97,9 auf 97,4 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit November 2014. Vor allem die Zukunftsaussichten stuften die befragten Unternehmenslenker als schlecht ein.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das gilt besonders für die Industrie. Versprühten ihre Geschäftserwartungen im Vormonat noch überraschend Hoffnung auf eine Kehrtwende, zeigt der Trend nun wieder klar nach unten. „Man sieht schon sehr deutlich, dass sich die Industrieschwäche fortsetzt“, sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser im Gespräch mit FAZ.NET. Immer deutlicher werde allerdings, dass das auch Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor nicht kalt lasse.

          Tatsächlich blicken auch sie mehr und mehr pessimistisch in die Zukunft. Ihre Geschäftserwartungen sanken laut Ifo-Institut im Juni den nunmehr zweiten Monat in Folge kräftig. Vor allem auf die industrienäheren Dienstleister übertrage sich die schlechte Stimmung aus dem verarbeitenden Gewerbe, berichtet Wollmershäuser. „Wenn die Industrie runterfährt, fahren auch nicht mehr so viele LKW“.

          Doch nicht nur von Transport- und Logistikbetrieben, auch von Unternehmensberatungen und Werbewirtschaft kämen längst nicht mehr so positive Rückmeldungen. Anders das konjunkturelle Lagebild bei bau- und konsumnahen Dienstleistern wie Architektur- und Ingenieurbüros: Ihre Geschäfte laufen weiter prächtig.

          Wie reagiert der Arbeitsmarkt?

          Die Gründe für die anhaltende Konjunkturflaute liegen zuvorderst im Ausland, sind sich Volkswirte einig. „Die Spannungen am Persischen Golf steigen, die USA nutzen Strafzölle inzwischen auch als Druckmittel jenseits der Handelspolitik, wie der jüngste Migrationsstreit mit Mexiko lehrt, und der Ausgang des Brexit-Dramas ist unter dem wahrscheinlichen neuen Premier Johnson offener denn je“, meint Klaus Borger, Konjunkturfachmann bei der KfW-Bank. Es sei „wenig verwunderlich, dass die Wirtschaft nicht in Feierlaune ist“, ergänzt Nord LB-Analyst Stefan Grosse. Denn auch die globale Wachstumsdynamik bleibe gering.

          Offen ist indes, welche Folgen das für die hiesige Beschäftigung hat. Während die Industrie als Ergebnis ihrer rückläufigen Wertschöpfung kaum mehr neue Stellen schafft, hält der Beschäftigungsaufbau im Dienstleistungssektor – wenn auch mit geringerem Tempo – an. Beim Ifo-Institut beobachtet man derweil seit der Finanzkrise eine Entkopplung von Industrie und Binnenwirtschaft.

          Der Fachkräftemangel zögere immer häufiger Entlassungen hinaus, sodass sich eine konjunkturelle Eintrübung langsamer als früher am Arbeitsmarkt bemerkbar macht. Das lasse sich aber in allen Ländern der Eurozone und auch in Japan beobachten, sagt Ifo-Ökonom Wollmershäuser. In jedem Fall dürften die Lohnabschlüsse aber in den kommenden Jahren nicht so kräftig ausfallen wie zuletzt.

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