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Griechische Staatsanleihen : Kursaufschläge dank Sparmaßnahmen

Verteilungskampf in Griechenland Bild: dpa

Die Ankündigung schmerzhafter Steuererhöhungen und von Gehaltseinschnitten im öffentlichen Dienst in Griechenland wird von den Anleihemärkten begrüßt. Die Renten des Landes verzeichnen deutliche Kursaufschläge.

          5 Min.

          Das Sorgenkind der Anleihenmärkte hat am Mittwoch einen guten Tag. In Reaktion auf geplante Sparmaßnahmen in Griechenland, die Einsparungen über 4,8 Milliarden Euro oder 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bringen sollen, ist der von Anlegern geforderte Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen gegenüber der zehnjährigen Bundesanleihe auf 288 Basispunkte von 305 Basispunkten am Dienstagabend gefallen. Die Kurse griechischer Anleihen legen um 1 Prozent und stärker zu.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Konkret will Athen die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte auf 21 Prozent erhöhen.
          steigen. Auch die Abgaben auf Alkohol und Tabak sollen um 20 Prozent erhöht werden, zudem eine neue Luxussteuer. Auch Besitz und Einkommen der Religionsgemeinschaften sollen besteuert werden. Im öffentlichen Dienst soll der Rotstift angesetzt werden: Die Urlaubs- und Weihnachtsgelder sollen insgesamt um 30 Prozent gekürzt, die Pensionen für 2010 eingefroren werden.

          Maßnahmen begrüßt

          „Diese schmerzhaften, aber notwendigen Maßnahmen werden die Partnerländer in der EU und hoffentlich auch die Märkte zufriedenstellen“, sagte ein Regierungssprecher. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso begrüßte das neue Sparprogramm. Dieser Schritt sei ein starkes Signal. Das ehrgeizige Programm sei nun auf der Spur und müsse nun entschlossen umgesetzt werden. Das sei auch wichtig für die finanzielle Stabilität des gemeinsamen Währungsgebietes.

          Bild: F.A.Z.

          Auch Banken-Volkswirte begrüßten die Ankündigungen, zeigten sich aber skeptischer. Alexander Koch von der Unicredit nannte die Nachrichten kurzfristig positiv. Es werde aber noch einige Zeit dauern, bis man sehe, ob die Vorgaben erfolgreich umgesetzt werden. Es bestehe die Gefahr, dass es durch Streiks zu Behinderungen kommt. Der Widerstand im Beamtenapparat sei sicherlich groß. Die griechischen Gewerkschaften haben schon Proteste gegen die Maßnahmen angekündigt.

          Uwe Angenendt von der BHF-Bank sah in der Marktreaktion einen Beleg, dass dieser die die Sparanstrengungen als ernst gemeint betrachte. Wichtig sei aber vor allem, dass die Schuldendynamik nach oben durchbrochen werde.

          Kein Problem für die kommende Emission

          Nach Dafürhalten der Commerzbank stärken die Maßnahmen das Vertrauen der Märkte in die Zahlungsfähigkeit des Landes. „Die Wahrscheinlichkeit für eine Rettung durch die übrigen Euro-Länder ist gestiegen“, heißt es in einer am Mittwoch vorgelegten Studie. Der „Lackmustest“ sei jedoch die in den kommenden Tagen anstehende Neuemission griechischer Staatsanleihen im Wert von fünf bis acht Milliarden Euro, für den die Analysten aber zuversichtlich sind: „Wir gehen davon aus, das sich genügend Käufer finden werden. Eine Rendite von mindestens 6,75 Prozent muss Griechenland den Anlegern aber wohl schon bieten“, erwartet die Bank. Der Aufschlag zu Bundesanleihen dürfte aber sehr hoch und volatil bleiben, im Trend aber sinken.

          Angenendt zeigt sich noch etwas optimistischer: „Der Markt signalisiert, dass Griechenland beim Plazieren seiner nächsten Staatsanleihen wohl keine Schwierigkeiten haben wird. Auch die Renditeaufschläge dürften nicht ins Unermessliche steigen, ich rechne mit einer Rendite von rund sechs Prozent.“

          Deutschland bleibt zurückhaltend

          Der Weg bleibt dennoch schwierig: Nach den Worten des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou entdeckt die Athener Regierung täglich „neue Löcher“ im Staatshaushalt. Wenn es Griechenland nicht gelinge, so Papandreou weiter, sich zu ähnlichen Bedingungen wie sie für EU-Mitglieder normal seien, Geld zu leihen, hätte das katastrophale Konsequenzen. „Es liegt in unserer Verantwortung, diese Katastrophe zu vermeiden“, sagte er.

          Die Sparmaßnahmen würden „schmerzhaft“ sein und könnten auch das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen. Die Hauptgefahr aber sei „nicht die Rezession, sondern etwas Schlimmeres“, nämlich dass das Land seine Kreditwürdigkeit verliere.

          „Das Treffen mit Frau Merkel ist das entscheidende“, sagt indes Willem Buiter, Chefökonom der Citigroup am Dienstag auf Bloomberg Radio. „Die Deutschen werden zahlen müssen. Das werden sie nur tun, wenn sie überzeugt sind, dass Griechenland
          für seinen Haushalt ausreichend zusätzliche schmerzhafte Einschnitte beschlossen hat.“

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