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Griechische Schuldenkrise : Weiße Rosen aus Athen

Angela Merkel empfängt Griechenlands Premierminister Giorgos Papandreou in Berlin Bild: dpa

Berlin wartet auf den Griechen - im Blick die Gefahr, dass das Euro-Mitglied bankrottgeht. Ein kleines Land wird zu einem großen Problem.

          5 Min.

          Die Welt schaut auf Athen. Ein Bankrott Griechenlands könnte eine ähnlich verheerende Wirkung haben wie seinerzeit die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers. Damals schaute die globalisierte Finanzwirtschaft kurzzeitig in den Abgrund. Nun geht die Sorge um, wenn Athen fällt, reißt es andere Länder mit. Damit wäre Hellas ein "systemisches" Risiko, wie der Dominoeffekt in der Sprache der Märkte heißt. So hält das Defizit und seine Finanzierung nicht nur die Regierung in Athen in Atem, sondern auch die EU-Partner, Deutschland, Angela Merkel. Zur Dramaturgie der Woche passt, dass an ihrem Ende der Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou im Kanzleramt steht.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Das Szenario ist erschreckend: Wenn die Griechen patzen, wird nicht nur das Misstrauen gegen weitere Länder mit hohen Schulden wachsen. Dann müssen auch die Banken und Versicherungen, die viele Euro nach Athen getragen haben, ihre Forderungen kräftig abschreiben - und das in einer Zeit, in der sie die schwerste Finanzkrise seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch nicht verdaut haben.

          Betroffen wären in Deutschland so einige: zuvorderst der Staatsfinanzierer Hypo Real Estate, den die große Koalition verstaatlicht hat, um Schlimmeres in der Finanzkrise für den Staatshaushalt zu verhindern. Neue Ausfälle träfen damit unmittelbar den Bund. Auch die Commerzbank, die sich ebenfalls zu einem Gutteil in Staatsbesitz befindet, hätte weitere Abschreibungen zu verkraften. Dritte im Bunde der Verlierer wäre die Postbank. Dies würde den Mutterkonzern Deutsche Bank treffen.

          Der Plan B liegt in der Schublade

          Das Frankfurter Institut hat daher ein ureigenes Interesse an einer Stabilisierung Griechenlands. Der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann tauchte auf einmal in Athen auf, wo er der Regierung zu Füßen der Akropolis mit Rat und Tat zur Seite stehen wollte, möglicherweise auch in der Hoffnung auf lukrative Emissionsgeschäfte. Er ist jedenfalls nicht im Auftrag der Bundesregierung unterwegs. Nach dem Ärger um sein Geburtstagsessen, das ihm Angela Merkel im Kanzleramt ausgerichtet hat, gilt das Verhältnis als zerrüttet.

          Die Folgen eines Nicht-Helfens sind kaum abzusehen - doch dummerweise sind es ebenso die Konsequenzen des Helfens. So versucht Angela Merkel die Sache auszusitzen, den Druck auf die Griechen aufrechtzuerhalten, damit diese ihr Defizit senken und so die Märkte beruhigen. Das ist das Beste, was sie in der Situation machen kann. Egal, was sie jetzt täte, es wäre verkehrt. Doch droht ihr nach wie vor ein Dilemma: Wenn die Situation eskaliert und sie nicht hilft, dann droht der Dominoeffekt, dann setzt sie sich dem Vorwurf aus, europäische Solidarität vermissen zu lassen. Wenn sie dem gebeutelten Land hilft, werden dagegen die Anstrengungen der Regierung in Athen schnell erlahmen, das Ihre zu tun. Dann muss Merkel den Deutschen erklären, warum alles anders kommt, als ihnen beim Abschied von der D-Mark versprochen worden ist, warum Deutschland die Griechen heraushauen muss - obwohl diese weniger Steuern und Abgaben zahlen, früher in Rente gehen und sich mehr Staatsbedienstete leisten.

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