https://www.faz.net/-gqe-xroh

Griechenlands Schuldenkrise : Krückstock für den kranken Mann?

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Finanzminister Schäuble will die Deutschen besänftigen. Zwar sei die genaue Höhe der Finanzhilfen für Griechenland noch offen, aber es handle sich ja um Kredite, und die würden zurückgezahlt. Kostet die Hilfe wirklich nichts? Welche Gefahren die Schuldenkrise Griechenlands für Europa birgt - Fragen und Antworten.

          Ist Griechenland noch zu retten?

          Griechenland sieht sich nicht länger in der Lage, Geld an den Finanzmärkten aufzunehmen, und ist damit de facto bankrott. An den Märkten wird die finanzielle Lage des Landes mit seinen rund 300 Milliarden Euro Staatsschulden mittlerweile als aussichtslos angesehen. So stieg die Rendite für zweijährige Staatsanleihen am Mittwoch kurzzeitig auf 25 Prozent. Die Ratingagentur Standard & Poor's klassifiziert griechische Staatsanleihen als Ramschpapiere. Darin drückt sich die Erwartung aus, dass Griechenland seine Schulden lediglich zum Teil zurückzahlen kann. Wie zu hören ist, erhalten die griechischen Banken nur noch von der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld. Andere Banken leihen den Athener Banken offensichtlich nichts mehr.

          Wie hoch ist der Kapitalbedarf Athens?

          Griechenland entwickelt sich zu einem Fass ohne Boden. Die vom Internationalen Währungsfonds und den europäischen Partnern in Aussicht gestellten Hilfen über 45 Milliarden Euro reichen nach neuesten Schätzungen vermutlich nicht einmal bis zum Jahresende. Über den Kapitalbedarf in den darauf folgenden Jahren lässt sich nur spekulieren, da die griechische Wirtschaft in eine Rezession mit zusätzlichem Kapitalbedarf zu stürzen droht und das mit dem IWF und den europäischen Partnern besprochene Sanierungspaket noch nicht vorliegt. Der IWF schätzt den Kapitalbedarf auf rund 120 Milliarden Euro für drei Jahre. Davon dürften auf Deutschland wenigstens 25 Milliarden Euro entfallen, eventuell auch deutlich mehr.

          Wenn das Lächeln gefriert: Griechenlands Premierminister Papandreou ist in Not

          Kommt eine Umschuldung?

          Die Politiker erklären eine Umschuldung öffentlich noch für tabu, um keine Panik zu säen. Tatsächlich gilt eine Umschuldung mit einem Abschlag von 30 bis 50 Prozent auf die griechischen Verbindlichkeiten bei vielen Fachleuten als unumgänglich. Seit dem Jahr 1945 hat es mehrere hundert Umschuldungen von Staaten gegeben, nach denen sich die betroffenen Länder häufig erholt haben.

          Wer wäre von einer Umschuldung betroffen?

          Die Gläubiger Griechenlands, die dem Land über Jahre billig Geld zur Verfügung gestellt haben, ohne sich um die Bonität des Landes zu kümmern. Nach Berechnungen der Londoner Investmentbank Barclays Capital befanden sich Ende September vergangenen Jahres 77 Milliarden Euro Staatspapiere im Besitz griechischer Anleger, darunter 42 Milliarden Euro bei Athener Banken, die diese allerdings überwiegend als Pfand bei der Europäischen Zentralbank deponiert haben, um Geld zu erhalten. Französische Anleger hielten 50 Milliarden griechische Staatspapiere, deutsche Anleger 28 Milliarden Euro. Größter deutscher Einzelgläubiger dürfte die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate mit Anleihen über 7,9 Milliarden Euro sein. Eine Abwertung der griechischen Anleihen um rund 50 Prozent würde zumindest die griechischen Banken, die Hypo Real Estate und eventuell wenige andere Banken in Existenznot bringen. Sie müssten, sofern sie als systemrelevant eingeschätzt werden, durch staatliche Kapitaleinschüsse stabilisiert werden. Einbußen würden auch Versicherer und Fondsgesellschaften hinnehmen, die in griechischen Staatspapieren engagiert sind.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Waldbrand im Naturpark Chapada dos Guimaraes im brasilianischen Amazonasgebiet.

          Vor G-7-Gipfel : Es brennt

          Werden die Tage in Biarritz vom Bemühen um Geschlossenheit geprägt sein oder von Eklat, Zerwürfnissen und Widerlagern? Fest steht schon jetzt: Der Westen hat gerade nicht seine stärksten Tage.
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Asteroid Ryugu : Poröser Schutthaufen in den Tiefen des Alls

          Der Landesonde „Mascot“ blieben im vergangenen Jahr nur wenige Stunden, um die Oberfläche des Asteroiden „Ryugu“ zu erkunden. Die Zeit reichte, um sich ein Bild von dem urtümlichen Himmelskörper zu machen, wie die nun veröffentlichte Daten und Fotos zeigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.