https://www.faz.net/-gqe-169kv
 

Griechenlands Schuldenkrise : Im Sumpf

  • -Aktualisiert am

Bald soll das Geld fließen: darum bitten jedenfalls die Griechen Bild: ddp

Nur wer die griechische Staatsschuld zur Systemfrage erhebt, muss jetzt dem Land aus dem Schuldensumpf helfen. Wer hingegen fragt, ob auch für Griechenland ein Austritt aus der Währungsunion besser wäre, muss kein schlechter Europäer sein.

          1 Min.

          Die Griechen brauchen doch gar keine Hilfe von Deutschland. Die Beschlüsse der Euro-Gruppe über Kreditvolumen und Zinshöhe dienten nur dazu, die Märkte zu besänftigen. Die Hellenen zögen sich am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf. Mit diesem Märchen zieht Finanzminister Wolfgang Schäuble durchs Land. Zu dumm, dass am Kapitalmarkt gerade das Gegenteil passiert. Weil die Griechen wieder einmal ihre Schuldenstatistik nach oben anpassen müssen, sie abermals streiken und jetzt auch noch deutsche Produkte boykottieren, springt die Rendite für kurzfristige Staatstitel aus Athen erstmals seit vielen Jahren in den zweistelligen Bereich.

          Nicht einmal die eigene Fraktion kann Schäuble überzeugen. Die CDU-Fraktionsspitze hat ihn auflaufen lassen, als der Finanzminister das Gesetz für fragwürdige Milliardenkredite an Griechenland an ein anderes Gesetzgebungsverfahren anhängen und den womöglichen Bruch des Maastrichter Vertrags (Nichtbeistandsklausel) so schnell und unbemerkt wie möglich durch den Bundestag schleusen wollte. Die Liberalen sollten das Manöver nicht mitmachen. Zum Glück pocht auch die SPD auf ein eigenes Gesetz, weil nur so eine ordentliche Beratung und Diskussion möglich ist. Das Parlament sollte nicht noch einmal unter Verweis auf eine angebliche Ultima Ratio von ungezählten Rettungsmilliarden überrollt werden. Um wie viel Geld geht es eigentlich? Soll Griechenland von den Euro-Partnerländer mit 30 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen werden, wie das Finanzministerium verbreitet, oder kann das 80 Milliarden kosten, wie die Bundesbank vorrechnet, oder droht gar die Übernahme der kompletten Staatsschuld von rund 300 Milliarden Euro?

          Mit einem flüchtigen Blick auf die Kosten haben die Staatschefs der EU beschlossen, den Griechen müsse geholfen werden, angeblich lauere in deren Schuld ein systemisches Risiko für den Euro-Raum. Schon bei der Rettung der Banken wurde das System beschworen. Ein Schelm, wer jetzt daran erinnert, dass die größten Gläubiger der Griechen dieselben Banken sind, die der Steuerzahler vor kurzem erst herausgehauen hat. Nur wer die griechische Staatsschuld zur Systemfrage erhebt, muss jetzt helfen. Wer hingegen fragt, ob auch für Griechenland ein Austritt aus der Währungsunion besser wäre, muss kein schlechter Europäer sein. Denn der Euro scheitert sicher, wenn aus der Währungsunion eine Haftungsgemeinschaft und Transferunion würde, die selbst Deutschland nicht bezahlen könnte.

          Weitere Themen

          Putin umgarnt den Westen

          Weltwirtschaftsform : Putin umgarnt den Westen

          Vom Streit über Nord Stream 2 oder dem inhaftierten Kritiker Nawalnyj ist keine Rede. Dafür reicht der russische Präsident vor allem Europa die Hand. Und beruft sich dabei auf Helmut Kohl.

          Es knistert zwischen Astra-Zeneca und der EU Video-Seite öffnen

          Streit um Impfstoff-Lieferung : Es knistert zwischen Astra-Zeneca und der EU

          Das schwedisch-britische Pharmaunternehmen Astra-Zeneca weist die Vorwürfe zurück, es habe bei der Lieferung seines Impfstoffs Nicht-EU-Staaten bevorzugt. Unternehmenschef Pascal Soriot versichert, das Vakzin werde nicht „anderswo für Profit“ verkauft.

          Topmeldungen

          Republikaner und Trump : Nicht gegen das Idol der Basis

          Auch aus diesem Amtsenthebungsverfahren wird Donald Trump mutmaßlich als Triumphator hervorgehen. Die Republikaner sind noch lange nicht enttrumpifiziert – zu groß ist die Angst vor dem Zorn seiner Anhänger.
          Machen sich das Leben auch nicht gerade einfach: Connell (Paul Mescal) und Marianne (Daisy Edgar-Jones) als „Normal People“

          Beziehungskolumne : Warum wir gemein sind, wenn wir lieben

          Woran liegt es, dass man seine Partner oft boshafter behandelt als andere Menschen, die einem viel weniger bedeuten? Eine soziologische Spurensuche in der Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“
          6 aus 49: Korkenzieher gibt es ziemlich viele.

          Korkenzieher im Vergleichstest : Nur was für Flaschen

          Irgendwie muss der Korken raus aus der Flasche. Nur wie? Es gibt Dutzende unterschiedliche Korkenzieher. Einige davon sind Statussymbole. Will man den Überblick behalten, dreht sich einem der Kopf. Eine nüchterne Auswahl.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.