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Griechenlands Privatisierungen : Athen will OTE-Anteile an Telekom verkaufen

Zerzaust: Der griechische Staat will den Rest seiner Telefongesellschaft verkaufen Bild: dapd

Griechenland will kassieren und die Deutsche Telekom müsste weitere 10 Prozent der OTE-Anteile übernehmen. Die möchte aber nicht, bereitet ihr die Tochtergesellschaft doch nur Schwierigkeiten.

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          Die griechische Regierung erwägt für den Schuldenabbau eine vollständige Privatisierung des Telekommunikationskonzerns OTE, an dem die Deutsche Telekom seit 2008 mit dreißig Prozent beteiligt ist (siehe Griechenland verkauft Anteile an Häfen von Piräus und Thessaloniki ). In einem Schreiben an die Telekom hat das Finanzministerium in Athen um die Aufnahme von Gesprächen zur Einleitung des Verkaufsprozesses gebeten. Der griechische Staat hält noch zwanzig Prozent der OTE-Aktien. Die Hälfte davon ist in einer Verkaufsoption gebündelt. Sie verpflichtet die Telekom, diese Anteile zum durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen zwanzig Handelstage zuzüglich 15 Prozent zu übernehmen. Aktuell errechnet sich daraus ein Preis von rund 400 Millionen Euro.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Wie es aus der Telekom hieß, hat die griechische Regierung ihre Put-Option aber noch nicht gezogen, sondern will nur über das weitere Vorgehen sprechen. Dass die Griechen ihre Option nutzen werden, gilt aber als sehr wahrscheinlich. Die Vereinbarung endet zum Jahreswechsel, und Athen steht unter großem Druck der EU-Partner, zusätzliche Privatisierungserfolge nachzuweisen. Dass die Griechen angesichts des schwachen Kursverlaufs der OTE-Aktie noch lange zuwarten werden, sei kaum anzunehmen, hieß es. Als die Telekom ihren Anteil 2008 kaufte, hatte sie für die dreißig Prozent der Aktien noch fast vier Milliarden Euro bezahlt.

          Von weiteren Kaufinteressenten ist nichts bekannt

          Inzwischen liegt der Kurs nur noch bei rund 7 Euro je Aktie, und das gesamte Unternehmen wird nur noch mit rund 3,5 Milliarden Euro bewertet. Wie es aussieht, wird die Telekom also noch im laufenden Jahr zugreifen müssen. Die Zahlungen würden voraussichtlich innerhalb des Cash-Flow aus Finanzierungstätigkeit ausgewiesen werden. Der Free Cash-Flow und die entsprechende Jahresprognose wären davon also nicht berührt, wie ein Sprecher erläuterte. Offen ist noch, wie die Griechen mit den übrigen zehn Prozent ihrer OTE-Anteile verfahren werden. Die Telekom hat sich dafür ein Vorkaufsrecht gesichert. Von weiteren Kaufinteressenten ist nichts bekannt.

          Mit dem Kauf der OTE wollte sich die Telekom ein Standbein in Südosteuropa sichern. Doch seit gut einem Jahr kämpft sie in Griechenland und Rumänien, wo die OTE mit einer Auslandsgesellschaft vertreten ist, mit sinkenden Umsätzen. Von Januar bis März 2011 sind die Erlöse abermals um etwa ein Zehntel gefallen. Deshalb belastete die sich abzeichnende Aufstockung des OTE-Anteils am Freitag den Kurs der Telekom-Aktien. Dazu trugen auch Meldungen über wachsenden Widerstand gegen den geplanten Verkauf von T-Mobile USA an den Branchenführer AT&T bei.

          Bei einer zweiten öffentlichen Anhörung äußerten Republikaner und Demokraten parteiübergreifend Bedenken, dass der Wettbewerb unter der Fusion leiden könne. Ein Telekom-Sprecher sagte, man schätze die Genehmigungschancen unverändert positiv ein. Bis zur Sommerpause sind noch zwei weitere Anhörungen geplant. Die Stellungnahmen der Kongressausschüsse sind für das Justizministerium und die Regulierungsbehörde aber nicht bindend. Es wird erwartet, dass sie ihre Prüfung Anfang des zweiten Quartals 2012 abgeschlossen haben.

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