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Zweifel an Staatsfinanzen : Renditen griechischer Staatsanleihen auf Jahrestief

Die griechische Zentralbank in Athen (Archivbild) Bild: Reuters

Griechische Anleihen sind und bleiben überdurchschnittlich riskante Kapitalanlagen. Trotzdem gibt es eine leise Hoffnung auf eine Gesundung der Banken in Griechenland.

          Die Renditen griechischer Staatsanleihen befinden sich immer noch in einer eigenen Welt, aber sie fallen allmählich. Zum Wochenauftakt erreichten sie mit 7,42 Prozent für die zweijährigen und 7,33 Prozent für die zehnjährigen Papiere neue Jahrestiefststände. Fast schon vergessen sind die Zeiten, als diese Anleihen noch zweistellige Renditen brachten, als die Mitgliedschaft Griechenlands in der Währungsunion auf der Kippe zu stehen schien.

          Die unmittelbare Ursache der Kursgewinne vom Montag, die sich in fallenden Renditen niederschlug, war die Verabschiedung eines Reformpakets durch das griechische Parlament am vergangenen Freitag. Am Markt breitet sich die Überzeugung aus, dass Griechenland nun eine stabile Regierung besitzt. Aber natürlich zeigen Renditen von mehr als sieben Prozent immer noch erhebliche Zweifel an der Nachhaltigkeit der griechischen Staatsfinanzen, selbst unter der Annahme, dass die Regierung eine konsequente Reformpolitik betreibt. Griechische Anleihen sind und bleiben überdurchschnittlich riskante Kapitalanlagen.

          Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer leistungsfähigeren Wirtschaft wäre eine Gesundung der griechischen Banken, die erhebliche Bestände an Krediten fragwürdiger Bonität in ihren Büchern halten. Das Volumen dieser Kredite wird auf etwas mehr als 100 Milliarden Euro geschätzt. Seit einiger Zeit kursieren daher Spekulationen am Markt, mehrere große griechische Banken wollten in dieser Woche Gespräche mit Besitzern von Bankanleihen über einen Tausch ihrer Papiere in Aktien führen. Die Piraeus Bank hat schon in der vergangenen Woche Besitzern von Anleihen im Nennwert von über nahezu 600 Millionen Euro angeboten, diese in Aktien zu tauschen. Alpha Bank und Eurobank gelten als weitere Kandidaten für solche Geschäfte; allerdings liegen bisher keine Bestätigungen vor.

          Sanierungsprogramm mit 25 Milliarden Euro für Kapitalerhöhungen

          Für Besitzer von Anleihen bestehen Anreize, über einen solchen Tausch nachzudenken, auch wenn die Aktien griechischer Banken derzeit nicht sehr viel wert sind. Aber ein Spatz in der Hand mag hier wichtiger sein als eine Taube auf dem Dach: Die Europäische Zentralbank (EZB) prüft derzeit die Bücher der griechischen Geschäftsbanken. Die Ergebnisse sollen spätestens bis zum Jahresende feststehen, und aus ihnen soll sich ergeben, wie viel zusätzliches Eigenkapital die Banken benötigen. Zwar sind im Rahmen des griechischen Sanierungsprogramms 25 Milliarden Euro für Kapitalerhöhungen vorgesehen, allerdings sieht dieser Plan auch eine Belastung von Anleihegläubigern vor, damit nicht die gesamte Rechnung von den europäischen Steuerzahlern beglichen werden muss.

          Da kaum zu erwarten steht, dass die Anleihen allesamt zu 100 Prozent zurückgezahlt werden, sind ihre Kurse stark gefallen. Daher ist es für Besitzer von Anleihen mit einer Fälligkeit in den kommenden Jahren eine Überlegung wert, ihre Papiere in Aktien zu tauschen und im Zweifel mehrere Jahre auf eine Erholung der griechischen Banken zu warten.

          Fachleute erwarten daneben Verkäufe von Paketen mit faulen Krediten an Hedgefonds. Fonds aus Amerika und Großbritannien hatten sich bereits in den vergangenen Jahren in griechischen Wertpapieren engagiert, allerdings haben ihre Hoffnungen auf hohe Gewinne bisher getrogen. Über eine Rückkehr Griechenlands an den Markt für Staatsanleihen lässt sich ebenfalls nur spekulieren.

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