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Schuldenkrise : Wirtschaftsweise: „Grexit“ könnte Euroraum stärken

Angesichts dieses Gesamtbilds gab es nur eine Möglichkeit: Griechenland musste das Haushaltsdefizit schließen und einen Leistungsbilanzüberschuss erzielen, um die aufgelaufenen privaten und öffentlichen Schulden bedienen zu können. Auch ein Schuldenschnitt hätte zum damaligen Zeitpunkt Griechenland nicht vor dieser Anpassung bewahrt, weil das laufende Haushaltsdefizit auch ohne Schuldendienst enorm groß war.

In dieser Situation zeigten sich die europäischen Partner solidarisch mit Griechenland und vereinbarten mit Griechenland ein makroökonomisches Anpassungsprogramm und gewährten Rettungskredite. So konnte Griechenland die notwendigen Anpassungsschritte über einen deutlich längeren Zeitraum strecken (Europäische Kommission, 2012). Die Gewährung der Kredite war dabei an Haushaltskonsolidierung und Strukturreformen geknüpft. Es blieb allerdings der griechischen Regierung selbst überlassen, welche konkreten Reformschritte unternommen und wie die notwendigen Anpassungslasten in Griechenland verteilt werden sollten.
Der Fortschritt und die Einhaltung der mit der griechischen Regierung vereinbarten konkreten Umsetzungspläne wurden von den Euro Partnern überwacht, vertreten durch die sogenannte Troika. Um ein Diktat handelte es sich dabei allerdings nicht, denn es ging vielmehr darum, dass Griechenland die vereinbarten Konsolidierungsschritte und Strukturreformen tatsächlich umsetzt, sodass es auf einen selbsttragenden Wachstumspfad gelangen und die Staatsverschuldung wieder abbauen kann. Aus der Perspektive der (demokratisch legitimierten) Parlamente der Kreditgeber wäre kaum ein anderes Vorgehen denkbar gewesen, als die Kreditgewährung an die Überwachung der Verpflichtungen zu knüpfen.

Wie laufen Anpassungen typischerweise ab?

Für eine Volkswirtschaft in der katastrophalen Situation Griechenlands macht es dem Grunde nach keinen Unterschied, ob sie im Euro-Raum verbleibt: In jedem Fall ist die Anpassung unausweichlich, verbunden mit schmerzhaften Einschnitten und starken sozialen Spannungen. Der Anpassungsprozess, den Länder im Falle von Schulden- und Wechselkurskrisen durchlaufen, folgt typischerweise einem ähnlichen Muster. Dabei spielt es keine große Rolle, ob sie erfolgreich in der Lage sind, den festen Wechselkurs zu verteidigen, oder ob sie abwerten können, um so die preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und die gesamtwirtschaftliche Anpassung zu unterstützen. In allen Fällen kommt es krisenbedingt zu einer abrupten Anpassung der Leistungsbilanz, verbunden mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung, die sich dann nachfolgend wieder erholt (Schaubild). Durchweg steigt die Arbeitslosigkeit sprunghaft an und sinkt erst, nachdem das Wachstum zurückkehrt.

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