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Griechenland : Varoufakis und die Glaubwürdigkeit

  • -Aktualisiert am

Griechenlands Finanzminister ist nicht glaubwürdig. Mal leugnet er die Geste mit dem Mittelfinger, dann riesige Finanzlöcher. Dabei ist beides unbestreitbar.

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          Die Probleme Griechenlands sind weit dramatischer als die neueste Diskussion um die Biegung des Mittelfingers von Finanzminister Giannis Varoufakis. Doch wie kann Griechenland erwarten, dass Versprechen für Reformen in der Zukunft sofort mit barem Geld vom Rest Europas belohnt werden, wenn der Finanzminister nicht glaubwürdig ist? Wieso sollen Unternehmer aus Griechenland oder gar Ausländer dort investieren? Wieso sollen Anleger griechische Staatstitel kaufen, wenn der Finanzminister selbst immer wieder davon spricht, dass sein Land Pleite sei – und dann wieder riesige Finanzlöcher als „unbedeutende Liquiditätsprobleme“ abtut?

          In diesem schwierigen Moment hat der Finanzminister selbst die Haltung seines Mittelfingers zum Symbol seiner Glaubwürdigkeit gemacht. Er sagte noch am Sonntag, er wäre nie zu einer solchen Geste in der Lage, der Film mit dem gestreckten Finger sei getürkt, und außerdem habe er vor zwei Jahren doch Nettes über die Deutschen geschrieben.

          Leider leugnet Varoufakis innerhalb von zwei Tagen schon zum zweiten Mal das Unbestreitbare: Zuerst muss er zugeben, dass die Geste mit dem Finger echt war. Nun sagt er, das Ganze sei aus dem Zusammenhang gerissen. Tatsächlich meinte Varoufakis, die Griechen hätten im Jahr 2010 die damaligen – privaten – Gläubiger zum Teufel schicken sollen. Der Konkurs wäre besser gewesen als sich damals auf die Rettungsprojekte der europäischen Staaten und Institutionen einzulassen, mit den damit verknüpften Bedingungen, meinte Varoufakis.

          Das zu sagen, wäre statthaft gewesen. Doch die Worte von Varoufakis waren anders: „Zeigen wir den Deutschen den Finger“. Aber schon am Montag kann nun Ministerpräsident Alexis Tsipras beim Besuch in Berlin erklären, warum Deutschlands Bundestag weiterhin für Hilfsgelder an Griechenland stimmen soll – und warum die Beteuerungen und Zukunftsversprechen seines Finanzministers wieder für bare Münze genommen werden können.

          Tobias Piller
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

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