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Varoufakis in „Le Monde“ : „Schäuble hat es auf Frankreichs Wohlfahrtsstaat abgesehen“

  • Aktualisiert am

Giannis Varoufakis mit neuen, steilen Thesen gegen Wolfgang Schäuble Bild: AFP

Der ehemalige griechische Finanzminister Giannis Varoufakis überrascht einmal wieder mit steilen Thesen: Deutschlands Finanzminister Schäuble wolle dem französischen Wohlfahrtsstaat an den Kragen. Griechenland sei lediglich sein „Austeritäts-Versuchslabor“.

          „Das wahre Ziel von Dr. Schäuble ist Frankreich und sein Wohlfahrtsstaat.“ So titelt die französische Zeitung „Le Monde“ über einem aktuellen Interview mit dem ehemaligen griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis. Anlässlich seines Besuchs beim sozialistischen Rosenfest in Frankreich hat die Zeitung den linken Politiker zu dessen Meinung zum dritten Hilfspaket der Gläubigerstaaten für Griechenland befragt. Heraus kam eine steile These, die einmal wieder aufs Neue Erstaunen weckt.

          Wolfgang Schäuble wolle Griechenland aus dem Euro schmeißen, um in Wirklichkeit Frankreich damit zu treffen, so Varoufakis. Wörtlich heißt es in dem Interview: „Der französische Wohlfahrtsstaat, sein Arbeitsrecht, seine Staatsunternehmen sind das wahre Ziel des deutschen Finanzministers. Er sieht Griechenland als Austeritäts-Versuchslabor an.“ Dort werde ausprobiert, was hinterher exportiert werde. „Die Angst vor einem Grexit soll französische Widerstände brechen, nicht mehr und nicht weniger.“

          Varoufakis, der vom 27. Januar bis zum 6. Juli 2015 Finanzminister im Kabinett Alexis Tsipras war, war nach einem Referendum über die Verhandlungen des angeschlagenen Griechenlands mit seinen Gläubigern zurückgetreten. Eigentlich war der Rücktritt nur für den Fall angekündigt gewesen, dass die Mehrheit der Bevölkerung das damalige Angebot der Eurogruppe an Griechenland annehmen wollte. Zwar lehnte die Mehrheit damals ab, Varoufakis erklärte jedoch gleichwohl seinen Rücktritt. Seither hat er sich schon in mehreren Äußerungen mit dem deutschen Finanzminister angelegt.

          Keine Verhandlungen von Angesicht zu Angesicht

          In dem aktuellen Interview mit „Le Monde“ bemägelt Varoufakis auch die Art und Weise, in der während seiner Amtszeit zwischen den Gläubigern und Griechenland verhandelt worden sei. Niemals habe er direkt mit dem französischen oder dem deutschen Finanzminister verhandeln dürfen, immer seien  Institutionen dazwischengeschaltet gewesen. „Das ist die größte Lektion der vergangenen Monate“, sagte Varoufakis. „Die Eurozone ist die mächtigste Wirtschaftszone, aber niemand regiert sie - oder zumindest niemand Gewähltes.“ Sie habe „ein Monster geschaffen“, die Eurogruppe, wo die Finanzminister in Wirklichkeit gar nicht von Angesicht zu Angesicht miteinander sprächen.

          Varoufakis bedauerte abermals, dass Alexis Tsipras dem dritten Hilfspaket zugestimmt hat. Tsipras habe es zuvor selbst harsch kritisiert, seine Zustimmung sei inkonsequent gewesen. Tsipras hat mittlerweile den Weg für Neuwahlen in Griechenland im September frei gemacht - um seine eigene Machtbasis zu stärken, nachdem ihm Abweichler in den eigenen Reihen zuletzt das Leben schwer gemacht hatten.

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