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Giannis Varoufakis : „Man hätte auch Schwedens Nationalhymne vorsingen können“

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Giannis Varoufakis Bild: Reuters

Der frühere griechische Finanzminister hat sein erstes Interview nach dem Rücktritt gegeben. Mit einer britischen Wochenzeitung sprach er über Arbeitsbelastung, Schäuble und die deutsche Dominanz.

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          Er fühle sich befreit, hat Giannis Varoufakis der Londoner Wochenzeitung „New Statesman“ in seinem ersten Interview nach seinem Rücktritt erzählt. Sein Terminkalender als Finanzminister sei unmenschlich gewesen. Er habe 5 Monate lang täglich nur 2 Stunden geschlafen. Andererseits habe ihm die Position Einblicke gewährt, die er sonst niemals bekommen hätte.

          Von seinen Euro-Finanzminister-Kollegen fühlt er sich immer noch unverstanden. In den Verhandlungen mit den Geldgebern habe niemand ökonomische Argumente hören wollen. Wenn er „logisch stimmige Argumente“ vorgetragen habe, sei er nur angestarrt worden: „Man hätte auch die schwedische Nationalhymne vorsingen können – man hätte dieselbe Antwort bekommen“, erzählt Varoufakis. Er habe noch nicht einmal für Verärgerung gesorgt. Es sei einfach so gewesen, als habe er nicht gesprochen.

          „Schäuble ist der Dirigent“

          Er lässt durchblicken, dass Wolfgang Schäuble für ihn ein schwerer Brocken gewesen sei. Der deutsche Finanzminister sei aber durchweg beständig gewesen. Schäuble habe darauf bestanden, dass sich die neue griechische Regierung auch an Vereinbarungen halte, die die Vorgängerregierung beschlossen hatte. Auf Varoufakis‘ Argument, das griechische Volk hätte demokratisch aber für etwas anderes plädiert, seiSchäuble wenig eingegangen: „Wir können unmöglich zulassen, dass eine Wahl alles ändert“, soll Schäuble laut Varoufakis gesagt haben, schließlich gäbe es in der EU allenthalben irgendwo Wahlen, da könne man nicht immer die Verträge ändern.  

          Die Eurogruppe sei insgesamt vollständig von Deutschland beherrscht, glaubt Varoufakis. Weniger von der Haltung, mehr von der Person Wolfgang Schäubles: „Es ist wie ein gut gestimmtes Orchester, und er ist der Dirigent“. Alles geschehe im Einklang. Wenn die Töne nicht mehr stimmten, würde sie Schäuble rechtzeitig wieder auf Linie bringen. Nur Frankreichs Finanzminister habe ab und an etwas Abweichendes sagen können, aber auch nur sehr subtil. Letztlich habe immer „Doc Schäuble“ die Linie bestimmt.

          Mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel habe er persönlich nie zu tun gehabt. Bei solchen Verhandlungen sprächen Finanzminister nur mit Finanzministern, und Regierungschefs redeten mit Regierungschefs. Er habe aber den Eindruck, dass sie sehr anders sei als Schäuble.

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