https://www.faz.net/-gqu-86ebw

Eurokrise : Nicht nur die Deutschen wollen den Grexit

Flaggen vor dem griechischen Parlament Bild: Reuters

Eine Umfrage zeigt: In vielen europäischen Ländern gibt es eine Mehrheit dafür, dass Griechenland die Eurozone verlässt. Trotzdem hat sich Deutschland mit seiner Krisenpolitik nicht beliebt gemacht.

          1 Min.

          Griechenland sollte den Euro verlassen: Diese Position hat in vielen europäischen Staaten zumindest eine relative Mehrheit. Und viele Europäer glauben auch, dass es so kommt.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Meinungsforschungsinstitut Yougov hat in sieben Ländern innerhalb und außerhalb des Euros nach der Einstellung der Bevölkerung zur Eurokrise gefragt. Nur in Frankreich und Norwegen sind Befürworter und Gegner eines „Grexit“ ungefähr gleichauf. In Großbritannien, Dänemark, Schweden und vor allem in Finnland gibt es deutlich mehr Befürworter eines „Grexit“ als Gegner.

          Tatsächlich glauben viele Europäer auch, dass es so kommt. Zwar glaubt in den meisten Staaten nur eine Minderheit der Bürger, dass es innerhalb der nächsten sechs Monate einen „Grexit“ geben wird.

          Doch wenn die Befragten über die nächsten fünf Jahre nachdenken, hält auch eine Mehrheit der Briten, Franzosen und Finnen den Euro-Ausstieg Griechenlands für sehr wahrscheinlich oder ziemlich wahrscheinlich.

          Der Umgang mit der Eurokrise hat Deutschland trotzdem kein großes Ansehen gebracht. Schon während der Verhandlungen mit Griechenland war ein Twitter-Sturm auf die deutsche Regierung niedergegangen – jetzt zeigt die Umfrage: Sowohl die Briten und die Franzosen als auch die Finnen finden mehrheitlich, dass die deutsche Regierung mit der Krise schlecht umgegangen ist.

          Leider hat Yougov nicht gefragt, ob die deutsche Regierung härter oder nachgiebiger hätte verhandeln sollen. Während sich in Großbritannien viel Sympathie dafür gezeigt hat, Griechenland mehr Geld zu geben, war Finnlands Regierung – auch unter dem Druck von Umfragen und Wahlergebnissen – immer eher für härtere Reformauflagen.

          Richtig genützt hat die Eurokrise allerdings keinem der beteiligten Akteure. In keinem Land wird irgendein anderer Beteiligter besser beurteilt. Frankreichs Präsident François Hollande kommt überall noch schlechter weg als Angela Merkel, auch in seinem Heimatland. Die griechische Regierung bekommt in allen Umfrage-Staaten die schlechtesten Noten.

          In Griechenland selbst hat Yougov allerdings nicht gefragt. Auch die übrigen Krisenstaaten sind in der Umfrage kaum vertreten. Vom 23. bis zum 29. Juli stellten die Meinungsforscher ihre Fragen in sieben Ländern: in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen. In allen Ländern wurden rund 1000 Menschen befragt, in Großbritannien sogar rund 1700, in Norwegen allerdings nur rund 600.

          Insgesamt ist das Bild von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Ausland positiv. In allen befragten Staaten hat sie mehr Freunde als Gegner – und überall ist der Vorsprung der Freunde größer als in Deutschland.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bei einer Veranstaltung im August 2020 in Ahlen

          Allensbach-Umfrage : Die SPD kann nicht von Scholz profitieren

          Nur eine Minderheit glaubt, dass der Kanzlerkandidat der SPD die Unterstützung seiner Partei hat. Und das ist noch nicht das größte Problem der Sozialdemokraten, wie eine neue Umfrage zeigt.

          Spenden nach Ginsburgs Tod : Die Angst, die großzügig macht

          Kaum war Ruth Bader Ginsburg tot, flossen demokratischen Wahlkämpfern Spenden in Millionenhöhe zu – mehr denn je. Fällt Trumps Supreme-Court-Plan den Republikanern auf die Füße?

          Corona-Pandemie : Trump vor UN: China zur Rechenschaft ziehen

          Amerikas Präsident wirft Peking zum Auftakt der UN-Generaldebatte vor, die Welt über das Coronavirus getäuscht zu haben. Chinas Staatschef weist das zurück und verlangt Mäßigung, während Putin den russischen Impfstoff bewirbt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.