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Tsipras : „Wir werden 2017 auf die Märkte zurückkommen“

  • Aktualisiert am

Alexis Tsipras Bild: dpa

Griechenland ist wieder in den Schlagzeilen. Alexis Tsipras gibt sich optimistisch für eine Rückkehr an den freien Kapitalmarkt. Und sein ehemaliger Finanzminister Varoufakis gibt ein Interview, in dem er kräftig austeilt.

          Das hochverschuldete Griechenland will sich ab dem kommenden Jahr wieder Geld auf dem freien Kapitalmarkt beschaffen. „Wir werden 2017 auf die Märkte zurückkommen“, sagte Ministerpräsident Alexis Tsipras der Wochenzeitung „Realnews“. Ein Abkommen mit den Gläubigern zu Entlastungen bei den Schulden solle dem Euro-Krisenland dabei helfen, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Yannis Dragasakis der Zeitung „Naftemporiki“.

          Europäische Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationaler Währungsfonds (IWF) haben Griechenland in insgesamt drei Rettungspaketen im Gesamtvolumen vor mehreren hundert Milliarden Euro vor dem Staatsbankrott bewahrt. Dafür musste sich das Land aber unter anderem zu einschneidenden Sozial-Reformen, Ausgabenkürzungen und Steueranhebungen verpflichten. Sollte sich Griechenland wieder am freien Markt finanzieren, müsste es dafür keine solche Verpflichtungen eingehen. In den vergangenen Jahren konnte Griechenland diesen Weg aber nicht gehen, weil Investoren am freien Kapitalmarkt wegen des hohen Ausfall-Risikos bei Griechenland so hohe Zinsen für länger laufende Anleihen verlangt hätten, dass dies für die Regierung in Athen wirtschaftlich nicht tragfähig gewesen wäre.

          Vor rund einem halben Jahr hatte der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos schon einmal von einer Rückkehr seines Landes an den freien Kapitalmarkt gesprochen. Damals hatte er gesagt, er peile für diesen Schritt die zweite Jahreshälfte 2016 an.

          Weg für neue Hilfen soll noch im Mai frei werden

          Die Euro-Finanzminister hatten vor wenigen Tagen verabredet, möglichst noch im Mai den Weg für die Auszahlung weiterer Milliardenhilfen aus dem dritten Hilfspaket freizumachen. Dragasakis sagte, grünes Licht würde dazu führen, dass die griechischen Banken sich wieder günstiger refinanzieren könnten. Zudem würde das Land wieder in das Anleihen-Aufkaufprogramm der EZB aufgenommen. So könnten noch 2016 neun bis zwölf Milliarden Euro in die griechische Wirtschaft fließen.

          Regierungschef Tsipras sagte der „Realnews“ zudem, sein Land könnte das Rettungsprogramm von EZB, EU und IWF schon deutlich früher endgültig verlassen als zum Auslaufdatum im August 2018.

          Varoufakis: „Schäuble ist ein inkompetenter Mann“

          Deutlich pessimistischer schätzt der ehemalige Finanzminister Yannis Varoufakis die Lage in Griechenland ein: Er hat sich in einem Interview mit der neuen Plattform für freie Journalisten „Athens Live“ zurückgemeldet, das auf Facebook publiziert wurde. Das Land sei „im Moment nicht zukunftsfähig“, sagte er in dem Gespräch. „Die Einsparungen werden in einer neuen Welle der Entrüstung münden“, sagte Varoufakis voraus.

          In dem Gespräch äußert sich Varoufakis auch abfällig über den deutschen Finanzminister. Wolfgang Schäble sei ein „kleiner, inkompetenter Mann“, sagte er. In der Griechenlandkrise habe er „wie ein Dirigent“ agiert, der „in einem Gewirre widersprüchlicher Interessen versucht, einen Sieg über Merkel zu erringen“. Während Varoufakis' eigener Amtszeit sei der „Grexit“ immer eine leere Drohung und niemals eine ernste Gefahr gewesen, sagte der ehemalige Minister weiter.

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