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Troika in Athen : Griechenland will keine Entlassungen in Reisesaison

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Urlauber am Strand von Thessaloniki Bild: dpa

Griechenland erwartet in diesem Sommer so viele Urlauber wie noch nie: Um während dieser Zeit Proteste zu vermeiden, will die Regierung in Athen Staatsdiener später entlassen als vereinbart.

          Griechenland steckt weiter in einer schweren Rezession: Die Wirtschaftsleistung des klammen Eurolandes wird voraussichtlich auch in diesem Jahr schrumpfen. Umso wichtiger sind da Branchen, die Geld verdienen und Arbeitsplätze bieten. In Griechenland gehört der Tourismus dazu. Tatsächlich erwarten die Griechen in diesem Sommer so viele Urlauber wie noch nie: 17 Millionen sollen es sein, alleine 2,5 Millionen aus Deutschland - beides wären schon für sich genommen Rekorde.

          Damit die sich wohlfühlen, wenn sie am Strand in der Sonne liegen oder die Akropolis erkunden, will die griechische Regierung ein möglichst friedliches Umfeld garantieren - in Griechenland ist das derzeit vor allem eines ohne Streiks. Später als bisher angekündigt will die Führung Athen darum weitere Staatsbedienstete entlassen, berichtet der „Spiegel“ und verweist auf Berichte griechischer Zeitungen. Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras wolle deswegen persönlich mit den internationalen Geldgeber sprechen.

          Eigentlich hätte Griechenland noch in diesem Juni 2000 Beamte entlassen sollen und bis Ende des Jahres 2000 weitere. Die Regierung fürchtet dem Bericht zufolge allerdings Proteste gerade in der so wichtigen Reisesaison, sollte sie jetzt die lebenslange Jobgarantie für die Beamten des Landes antasten wollen.

          Begeistert wird diese Idee in den europäischen Partnerländern vermutlich nicht aufgenommen werden, da gerade die verabredeten Entlassungen im öffentlichen Dienst dem Vernehmen nach nur schleppend vorankommen. Bloß 99 Staatsdiener seien bisher entlassen worden wegen Korruption, berichtet die griechische Tageszeitung „Kathimerini“ - es hätten viel mehr sein sollen.

          Außerdem möchte Samaras mit der Troika offenbar auch aushandeln, den Mehrwertsteuersatz in der Gastronomie von 23 auf 13 Prozent zu senken - ebenfalls um den Tourismus anzukurbeln. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat im griechischem Fernsehen schon mal vorsorglich gesagt, die Regierung solle in ihren Reformen nicht nachlassen. Noch bis Mitte Juni sind Vertreter der Troika in Griechenland, um den Stand der Reformfortschritte zu begutachten.

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