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Parallelwährung : Kommt in Griechenland jetzt der Geuro?

So sah man sie in der Tagesschau: Thomas Mayer (links), Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, und Giannis Varoufakis, griechischer Finanzminister. Bild: Reuters

Unser Kolumnist Thomas Mayer war bei Finanzminister Varoufakis. Der wollte wissen, ob sein Land eine Parallelwährung einführen kann – und war für alle Überlegungen offen.

          Herr Mayer, man konnte Sie unlängst in der Tagesschau sehen - zusammen mit dem griechischen Finanzminister Varoufakis im Fahrstuhl. Was haben Sie denn in Griechenland gemacht?

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ich wurde da rein zufällig von Fernsehteams aufgenommen, vollkommen unfreiwillig. Die Fernsehleute, die da immer bereitstehen, wollten Varoufakis in einem anderen Zusammenhang befragen. Ich bin aus Versehen aufs Bild geraten und kam so auch in Deutschland in die Tagesschau. Ich war da gerade zu Besuch in Athen - der Finanzminister hatte mich zu einem Brainstorming eingeladen.

          Das klingt spannend. Sie haben vor drei Jahren bei uns in Ihrer Kolumne geschrieben, wenn IWF und Rettungsfonds die Hilfszahlungen für Griechenland einstellen, könnte dort eine Parallelwährung eingeführt werden. Ist es jetzt also so weit?

          Nun, das war schon damals, als ich es zum ersten Mal vorgeschlagen habe, nur als äußerste Notlösung gedacht. Als Notbehelf, kurz bevor es zu einem harten Austritt Griechenlands aus dem Euro kommt. Bevor man diesen letzten harten Schritt geht, den finalen Grexit, sollte man es lieber mit einer Parallelwährung probieren, einer Art zweiten Währung im Land, die es neben dem Euro gibt.

          Warum haben die Griechen Sie denn gerufen?

          Ich hatte Herrn Varoufakis im vergangenen Jahr bei einer Ökonomenkonferenz kennengelernt. Wir standen da zusammen. Er war noch kein Finanzminister und sagte im Scherz: Wenn ich in die Politik gehe und mal Rat brauche, werde ich Sie fragen. Und ich sagte, auch im Scherz: Ja, dann stehe ich bereit. Dann wurde er Minister, und die Sache wurde ernst. Er hat mich eingeladen, um sich anzuhören, was ich zur Lösung der Probleme Griechenlands beizutragen habe.

          Und wie fanden die Griechen den Vorschlag mit der Parallelwährung?

          Sie haben sich das angehört - ich weiß aber nicht, was sie jetzt daraus machen. Ich habe dem Finanzminister in Athen meine Vorstellungen dargelegt, und wir hatten Diskussionen darüber, wie man sie unter Ökonomen hat. Er hat dann gesagt: Es wäre sicherlich ganz sinnvoll, wenn wir einige Dinge davon auch mit dem Ministerpräsidenten aufgreifen. Und dann sind wir über den Syntagma-Platz spaziert zum Büro von Ministerpräsident Alexis Tsipras. Und haben da dann weiterdiskutiert. Das war ein privater Besuch. Die griechische Regierung hat nichts dafür bezahlt.

          Wie kam denn in Griechenland der Name „Geuro“ an, den Sie für die Parallelwährung erfunden haben?

          So in die Details sind wir nicht gegangen, dass man sich Gedanken gemacht hätte, wie man eine Parallelwährung nennen könnte oder wie man sie druckt. Es ging um grundsätzliche Fragen. Da waren die Griechen für alle Überlegungen offen. Ich denke, die versuchen im Moment mehr oder minder verzweifelt, eine Lösung zu finden.

          Wie würde das mit dem Geuro denn funktionieren?

          Ganz praktisch und einfach: Wenn jetzt den Griechen die Euros ausgehen, könnten sie einen Teil ihrer Staatsausgaben über diese Parallelwährung finanzieren. Es geht dabei im Grunde um nichts anderes als um Schuldscheine des Staates. Nehmen wir an, ich wäre ein griechischer Staatsangestellter und ich würde eigentlich 1000 Euro im Monat bekommen. Aber die Regierung kann mir nur 750 Euro zahlen. Den Rest in Höhe von 250 Euro überweist sie mir dann in Form von Schuldscheinen. Die könnte man Geuro nennen.

          Wie geht das die Gehälter an die Beschäftigten in zwei verschiedenen Währungen überweisen?

          Die Bank muss für mich zwei verschiedene Konten einrichten, eines in Euro und ein Unterkonto in Geuro. Die griechische Regierung überweist mir meine 750 Euro und meine 250 Geuro. Davon muss ich meinen Lebensunterhalt bestreiten und verbrauche, sagen wir, die ganzen 750 Euro. Dann muss ich aber auch noch 200 Euro Miete zahlen. Dem Vermieter sage ich: Ich kann die Miete nur in Geuro zahlen oder bleibe sie schuldig. Dann entgegnet der Vermieter vielleicht, da nehme ich doch lieber die 200 Geuro. So ähnlich ist es beim Einkaufen auf dem Markt: Die Marktfrau will auch nicht so gerne Geuros nehmen. Aber wenn viele sagen, sonst kaufe ich gar nichts, wird sie die Geuros mit einem Abschlag auf die Kaufkraft akzeptieren. So verliert der Geuro gegenüber dem Euro an Wert, er wertet ab.

          Geht das dann immer so weiter?

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