https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/griechenland/studie-griechenlands-kreditwuerdigkeit-bleibt-schlecht-12891659.html

Studie : Griechenlands Kreditwürdigkeit bleibt schlecht

Die Euroländer haben Griechenland schon mit vielen Milliarden unter die Arme gegriffen. Bild: dpa

Gerade hat sich Griechenland am Kapitalmarkt erstmals seit vier Jahren über eine Staatsanleihe Geld geliehen. Ein Zeichen für Kreditwürdigkeit ist das nicht, analysieren Freiburger Forscher.

          2 Min.

          Die griechische Rückkehr auf den Kapitalmarkt ist kein Hinweis auf eine bessere Kreditwürdigkeit des Landes. Denn seine Fähigkeit, Auslandsschulden zu bedienen, hat sich auch im vergangenen Jahr weiter stark verringert. Zu diesem Schluss kommen die Ökonomen des Centrums für Europäische Politik (CEP) in Freiburg in einer noch unveröffentlichten Analyse unter dem Titel „Ist Griechenland wirklich wieder kreditfähig?“.

          Heike Göbel
          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Darin heißt es: Der erfolgreiche Verkauf der griechischen Staatsanleihe am Donnerstag sei nicht auf erfolgreiche griechische Reformen zurückzuführen, sondern darauf, dass die marktwirtschaftlichen Kräfte durch die finanz- und geldpolitischen Interventionen der vergangenen Jahre außer Kraft gesetzt worden seien. Die Kapitalmärkte rechneten damit, dass die Entscheidungsträger in der Eurozone eine Insolvenz des Landes um jeden Preis verhindern würden – auch deshalb, weil bei einem abermaligen Schuldenschnitt sehr wahrscheinlich auch öffentliche Gläubiger (also letztlich die Steuerzahler) betroffen wären.

          Durch die Anleihe würden wieder Risiken von privaten zu öffentlichen Gläubigern umverteilt, schreiben die Freiburger Wissenschaftler Lüder Gerken und Matthias Kullas. Sie halten die erzielte Verzinsung von weniger als fünf Prozent für die Anleihe angesichts der „weiterhin desolaten Lage des Landes“ nicht für dem Risiko angemessen.

          Irlands, Spanien und Portugal machen Fortschritte

          Wenn Griechenland die Anleihe nicht aus eigener Kraft bedienen könne, werde der Europäische Rettungsfonds ESM oder die Europäische Zentralbank eintreten müssen. Der Zins von knapp 5 Prozent für die Anleihe führe jedoch dazu, dass dann mehr Geld gezahlt werden müsse als für einen Kredit des ESM.

          Das CEP untersucht die Kreditfähigkeit der Euro-Krisenländer regelmäßig an Hand eines selbst entwickelten „Default-Index“. Dieser misst die Fähigkeit einer Volkswirtschaft, ihre Auslandskredite zurückzuzahlen. Sie hängt vor allem an der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf den Weltmärkten. Nach diesem Index ist Griechenland immer weniger in der Lage, seine Kredite zu bedienen, während sich Irland, Portugal und Spanien, die ebenfalls Finanzhilfen bekommen haben, deutlich verbesserten.

          Griechenland verarme zunehmend. Da Investitionen fehlten, schrumpfe der griechische Kapitalstock immer stärker. Damit entferne sich das Land immer weiter von der Möglichkeit, über Wirtschaftswachstum zu gesunden und die Krise zu überwinden. Die Konsumquote sei die höchste in der Europäischen Union: Sie liege seit 2002 ausnahmslos über dem verfügbaren Einkommen, 2013 habe sie den Rekordwert von 119 Prozent erreicht.

          „Eine Wiedererlangung der Kreditfähigkeit ist nur möglich, wenn die Konsumquote drastisch sinkt. Dafür gibt es keine Anzeichen,“ heißt es in der Studie. Das ernüchternde CEP-Fazit lautet: „Angesichts dieser Entwicklung gibt es keine Hoffnung und kein Anzeichen, dass Griechenland in absehbarer Zeit wieder kreditfähig werden könnte.“

          Weitere Themen

          Justiz durchsucht McKinsey-Büros

          Vorwurf des Steuerbetrugs : Justiz durchsucht McKinsey-Büros

          McKinsey ist ins Visier der französischen Steuerfahnder geraten: In dieser Woche haben Beamte die Landeszentrale in Paris durchsucht. Das Unternehmen sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

          Verschuldung behindert Geldpolitik nicht

          Weltwirtschaftsforum : Verschuldung behindert Geldpolitik nicht

          Auch für hochverschuldete Länder ist eine konsequente Inflationsbekämpfung vorteilhaft, sagt der Gouverneur der Bank der Niederlande in Davos. Klaas Knot weist zurück, dass diese Schulden eine zeitnahe Erhöhung der Leitzinsen durch die EZB verhindern.

          Regierung beschließt Mieter-Entlastung bei Klimaabgabe

          Energiekosten : Regierung beschließt Mieter-Entlastung bei Klimaabgabe

          Von 2023 an müssen Mieter die Klimaabgabe nicht mehr alleine tragen. Je nach Zustand und Energieeffizienz des Hauses müssen Eigentümer bis zu 90 Prozent der Kosten tragen. So will die Ampel-Koalition Anreize setzen, alte Heizungen und Fenster auszutauschen.

          Topmeldungen

          Die Strafkolonie im russischen Pokrow. Bisher wird Alexej Nawalnyj hier festgehalten.

          Strengere Haft : Nawalnyj wird noch stärker isoliert

          Alexej Nawalnyj bliebt als politischer Gefangener ein lauter Regime-Kritiker. Die russische Justiz verschärft nun seine Haftbedingungen. Außerdem steht sein Name nun auf einer Terrorliste.
          Eine Frau weint und umarmt ein kleines Mädchen vor dem Leon Civic Center in Uvalde, wo am Dienstag Trauerbegleitung nach dem Attentat angeboten wird.

          Grundschul-Massaker in Texas : Amerikas böse Mär von den bewaffneten Guten

          Nicht der Schock über das Grundschulmassaker vor zehn Jahren hat Amerika verändert, sondern dieser Spruch der Waffenlobby: „Das einzige, was einen bewaffneten Bösen stoppen kann, ist ein bewaffneter Guter.“ Die Wirkung ist verheerend.
          Mitte August 2019: Erdoğan und Putin beim Eisessen in der Nähe Moskaus

          Brief aus Istanbul : Erdogan will mit Putin immer noch Eis essen

          Um wiedergewählt zu werden, zieht der türkische Präsident die letzten Register. Er lässt Oppositionelle weiter ins Gefängnis werfen und löst eine internationale Krise aus. So will er seine Macht sichern.
          Durch steigende Energiepreise erwarten Verbraucherschützer einen „Nebenkostenexplosion“ für Mieter.

          Energiekosten : Regierung beschließt Mieter-Entlastung bei Klimaabgabe

          Von 2023 an müssen Mieter die Klimaabgabe nicht mehr alleine tragen. Je nach Zustand und Energieeffizienz des Hauses müssen Eigentümer bis zu 90 Prozent der Kosten tragen. So will die Ampel-Koalition Anreize setzen, alte Heizungen und Fenster auszutauschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Kapitalanalge
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Zertifikate
          Ihre Weiterbildung im Projektmanagement