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Studie : Griechenlands Kreditwürdigkeit bleibt schlecht

Die Euroländer haben Griechenland schon mit vielen Milliarden unter die Arme gegriffen. Bild: dpa

Gerade hat sich Griechenland am Kapitalmarkt erstmals seit vier Jahren über eine Staatsanleihe Geld geliehen. Ein Zeichen für Kreditwürdigkeit ist das nicht, analysieren Freiburger Forscher.

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          Die griechische Rückkehr auf den Kapitalmarkt ist kein Hinweis auf eine bessere Kreditwürdigkeit des Landes. Denn seine Fähigkeit, Auslandsschulden zu bedienen, hat sich auch im vergangenen Jahr weiter stark verringert. Zu diesem Schluss kommen die Ökonomen des Centrums für Europäische Politik (CEP) in Freiburg in einer noch unveröffentlichten Analyse unter dem Titel „Ist Griechenland wirklich wieder kreditfähig?“.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Darin heißt es: Der erfolgreiche Verkauf der griechischen Staatsanleihe am Donnerstag sei nicht auf erfolgreiche griechische Reformen zurückzuführen, sondern darauf, dass die marktwirtschaftlichen Kräfte durch die finanz- und geldpolitischen Interventionen der vergangenen Jahre außer Kraft gesetzt worden seien. Die Kapitalmärkte rechneten damit, dass die Entscheidungsträger in der Eurozone eine Insolvenz des Landes um jeden Preis verhindern würden – auch deshalb, weil bei einem abermaligen Schuldenschnitt sehr wahrscheinlich auch öffentliche Gläubiger (also letztlich die Steuerzahler) betroffen wären.

          Durch die Anleihe würden wieder Risiken von privaten zu öffentlichen Gläubigern umverteilt, schreiben die Freiburger Wissenschaftler Lüder Gerken und Matthias Kullas. Sie halten die erzielte Verzinsung von weniger als fünf Prozent für die Anleihe angesichts der „weiterhin desolaten Lage des Landes“ nicht für dem Risiko angemessen.

          Irlands, Spanien und Portugal machen Fortschritte

          Wenn Griechenland die Anleihe nicht aus eigener Kraft bedienen könne, werde der Europäische Rettungsfonds ESM oder die Europäische Zentralbank eintreten müssen. Der Zins von knapp 5 Prozent für die Anleihe führe jedoch dazu, dass dann mehr Geld gezahlt werden müsse als für einen Kredit des ESM.

          Das CEP untersucht die Kreditfähigkeit der Euro-Krisenländer regelmäßig an Hand eines selbst entwickelten „Default-Index“. Dieser misst die Fähigkeit einer Volkswirtschaft, ihre Auslandskredite zurückzuzahlen. Sie hängt vor allem an der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf den Weltmärkten. Nach diesem Index ist Griechenland immer weniger in der Lage, seine Kredite zu bedienen, während sich Irland, Portugal und Spanien, die ebenfalls Finanzhilfen bekommen haben, deutlich verbesserten.

          Griechenland verarme zunehmend. Da Investitionen fehlten, schrumpfe der griechische Kapitalstock immer stärker. Damit entferne sich das Land immer weiter von der Möglichkeit, über Wirtschaftswachstum zu gesunden und die Krise zu überwinden. Die Konsumquote sei die höchste in der Europäischen Union: Sie liege seit 2002 ausnahmslos über dem verfügbaren Einkommen, 2013 habe sie den Rekordwert von 119 Prozent erreicht.

          „Eine Wiedererlangung der Kreditfähigkeit ist nur möglich, wenn die Konsumquote drastisch sinkt. Dafür gibt es keine Anzeichen,“ heißt es in der Studie. Das ernüchternde CEP-Fazit lautet: „Angesichts dieser Entwicklung gibt es keine Hoffnung und kein Anzeichen, dass Griechenland in absehbarer Zeit wieder kreditfähig werden könnte.“

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