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Schuldenstreit mit Athen : Bringen Sie Ihr Land auf die Beine, Herr Tsipras!

Kämpferisch: Alexis Tsipras während seiner Regierungserklärung am Sonntag im Parlament in Athen. Bild: AP

Die jüngsten Verhandlungen mit Griechenland sind gescheitert. Alexis Tsipras kann sein Land auf die Beine bringen - aber er muss es richtig machen. Ein offener Brief.

          Lieber Herr Tsipras,

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          heute Morgen haben Sie wieder Verhandlungen über ein Hilfsprogramm mit Ihrem Land scheitern lassen. Heute Nachmittag treffen Sie selbst Angela Merkel und die übrigen EU-Regierungschefs. Jetzt kommt es drauf an. Sie müssen Ihr Land aus dem Schlamassel herausführen, gerade Sie. Innerhalb von zwei Wochen haben Sie sich öffentlich mit den Regierungen in halb Europa angelegt und laut ausgesprochen, was viele Griechen denken: So geht es nicht weiter. Damit treffen Sie die griechische Stimmung. Frei nach unserem früheren Wirtschaftsminister Ludwig Erhard ist nicht nur Wirtschaft, sondern auch Politik zu 50 Prozent Psychologie. Ihre Zustimmungswerte steigen, und Sie verschaffen Sie sich gerade den Rückhalt dafür, Griechenland auf den richtigen Weg zu bringen - den Weg, den Ihr Land eigentlich braucht: schmerzhafte, aber notwendige Reformen.

          Sie stellen gerade große Forderungen. Sie wollen einen weiteren Schuldenschnitt, Sie wollen die Troika abschaffen, und Sie wollen mehr Geld. Ihrem Volk versprechen Sie große Wohltaten. Das machen Wahlsieger oft. Vom Athener Philosophie-Professor Aristides Hatzis habe ich gelernt, dass gerade Sie die Konfrontation auch mit meinem Land suchen müssen. Er sagt: Das Wort Kompromiss ist in Ihrem Land nicht gut gelitten. Wer Kompromisse sucht, gilt als Weichei, zuweilen sogar als Verräter. Das macht Ihre Forderungen verständlich. Wenn Sie in den anstehenden Verhandlungen mit Deutschland und den anderen Kreditgebern hart zeigen, können Sie auch kleine Zugeständnisse zuhause als großen Sieg verkaufen.

          Dann haben Sie hoffentlich genug Kredit in Ihrem Land, um Ihren Bürgern all die unangenehmen Wahrheiten zu offenbaren, die Sie im Wahlkampf unter den Teppich gekehrt haben. Sie müssen Ihren Wählern bald klarmachen, dass Sie viele Versprechen nicht umsetzen können. Etwas anderes bleibt Ihnen gar nicht übrig: Um Tausende neue Beamte einzustellen, bräuchten Sie Milliarden. Die haben Sie genauso wenig wie das Geld für saftige Rentenerhöhungen oder kostenlosen Strom.

          Ihnen steht es natürlich frei, Investoren nach weiteren Krediten zu fragen. Einfach wird das aber nicht. Private Geldgeber verlangen sehr hohe Zinsen, je nach Laufzeit bis zu 20 Prozent - viel zu viel dafür, dass Sie selbst ja die Schuldenlast verringern wollen. Ihr Verteidigungsminister provoziert damit, sich in Russland, in den Vereinigten Staaten oder in China Geld zu leihen. Aber auch die werden Ihnen keine nennenswerten Mittel bereitstellen. Sie könnten natürlich eigenes neues Geld drucken, neue Drachmen, und damit Gehälter und Stromrechnungen zahlen. Aber den Euro abgeben, das will die Mehrheit Ihres Volkes nicht - Sie sehen ja selbst, wie viele Menschen schon jetzt zur Bank gehen und ihre Euros abheben.

          Hören Sie auf mit Nazi-Vergleichen

          Am Ende werden Sie den Euroländern wahrscheinlich irgendeine Erleichterung abtrotzen. Sicher ist: Einen formalen Schuldenschnitt akzeptieren auch die Italiener und Spanier nicht. So oder so: Ihre Regierung muss harte Reformen beschließen. Vielleicht verzichtet Europa auf das Wort „Troika“, aber die Reform-Prüfungen kann keiner aufgeben. Seien Sie mal ehrlich: Sie würden das doch genauso machen. Sie würden doch auch niemandem Ihr sauer verdientes Geld leihen, ohne sicherzustellen, dass es nicht verprasst wird.

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