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Schuldenkrise : IWF-Vertreter kehren zu Gesprächen mit Griechenland zurück

  • Aktualisiert am

IWF-Chefin Christine Lagarde schickt Vertreter zu den Verhandlungen mit Griechenland. Bild: AFP

Bei den heutigen Verhandlungen mit Griechenland werden wieder Vertreter des Währungsfonds am Tisch sitzen. Kürzungen bei Renten und Gehältern lehnen die Griechen weiterhin ab. Die deutsche Industrie sowie der Wirtschaftsflügel der Union sehen einen Grexit nicht mehr skeptisch.

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          Im Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen Geldgebern kehrt der Internationale Währungsfonds (IWF) einem Medienbericht zufolge an den Gesprächstisch zurück. Der IWF werde bei den angekündigten Unterredungen mit der griechischen Regierung am Samstag in Brüssel vertreten sein, meldete die "Welt" unter Berufung auf zwei unmittelbar mit den Verhandlungen befasste Personen. Der Fonds werde zudem das gesamte Team zurückbringen, „falls die technischen Gespräche nach dem Treffen am Samstag wieder aufgenommen werden“.

          Am Donnerstag war das IWF-Verhandlungsteam überraschend aus Brüssel abgereist und hatte dies mit großen Differenzen in wesentlichen Punkten begründet. Der Schritt sorgte für Nervosität an den Finanzmärkten.

          Eine griechische Regierungsdelegation will sich am Samstag um Bewegung im festgefahrenen Schuldenstreit bemühen. „Die griechische Seite ist bereit, Gegenvorschläge vorzulegen, damit die übriggebliebenen Unterschiede überbrückt werden“, hieß es am Freitagabend aus Regierungskreisen in Athen.

          18. Juni wird Schicksalstag

          Die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und der IWF verhandeln mit der Athener Regierung über ein verbindliches Reformprogramm. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass Griechenland bisher blockierte Hilfsgelder in Höhe von 7,2 Milliarden Euro erhalten kann, um es vor der Pleite zu retten. Das Gezerre um eine Rettung belastete am Freitag auch die amerikanischen Börsen.

          Die Euro-Finanzminister beraten am 18. Juni in Luxemburg über die Finanzkrise; dann wird auch die IWF-Chefin Christine Lagarde wieder mit am Tisch sitzen. Die griechische Regierung hält eine Verständigung bis dahin für möglich. „Es wird eine Einigung geben, weil eine Pleite Griechenlands weder zugunsten von uns noch unseren Gläubigern wäre“, sagte Staatsminister Alekos Flambouraris am Freitag im Staatssender ERT.

          Die Regierung in Athen ist bereit, die Unterredungen mit den Gläubigern anzukurbeln, damit es bald zu einem Abkommen kommt. Renten- und Lohnkürzungen jedoch werde Griechenland nicht akzeptieren, verlautete aus Regierungskreisen. Athen verhandle lediglich über eine Umstrukturierung der Schulden sowie niedrige primäre Überschüsse, damit die Wirtschaft wieder angekurbelt werden kann. Griechenland bleibt damit hinter grundsätzlichen Forderungen der Gläubiger zurück.

          Die mangelnde Reformbereitschaft hat mittlerweile zu einem Umdenken in der deutschen Wirtschaft geführt. In einem Gastbeitrag für die F.A.Z. fordert der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Ulrich Grillo, Griechenland nicht um jeden Preis im Euro zu halten. Auch aus dem Wirtschaftsflügel der Union heißt es nun, dass Griechenland den Euro verlassen sollte, wenn sich die griechische Regierung weiterhin nicht bewegt.  „Wenn wir uns weiter durchwursteln wie bisher, besteht die Gefahr eines Dominoeffekts“, warnte der Chef der CDU/CSU Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann, in der „Rheinischen Post“. Auch andere Ländern könnten dann in ihren Reformanstrengungen nachlassen. „Am Ende würde eine Insolvenzordnung, selbst wenn sie den Euro-Austritt Griechenlands bedeutet,  die Währungsgemeinschaft stärken“.  Ein Euro-Austritt sei verkraftbar. Die Bundesbank warnt dagegen weiterhin vor den unüberschaubaren Konsequenzen eines „Grexits“.

          Bonität der Banken sinkt

          Angesichts stockender Verhandlungen hat die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) unterdessen die Kreditwürdigkeit vier großer Banken in Griechenland herabgestuft. Die Bonitätseinstufung sei um eine Note auf das Ramschniveau „CCC“ gesenkt worden, teilte die Agentur mit. Dies betreffe die Alpha Bank, die Eurobank, die National Bank of Greece und die Piraeus Bank.

          Die Geldinstitute steuerten in den kommenden zwölf Monaten voraussichtlich auf eine Pleite zu, sollte es nicht zu einer Einigung im griechischen Schuldenstreit kommen, erklärte S&P. Die Kunden hätten zwischen November und Ende April 30 Prozent ihrer gesamten Einlagen aus den Banken abgezogen. Standard & Poor’s hatte am Mittwoch bereits die Kreditwürdigkeit Griechenlands um eine Stufe auf „CCC“ herabgesetzt. Diese Note kennzeichnet ein Land kurz vor der Zahlungsunfähigkeit.

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