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Schuldenkrise : Griechischen Sparern droht Zwangsabgabe von 30 Prozent

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Schlange an einem Geldautomaten in Athen: Wie sicher sind die Bankeinlagen? Bild: AP

Die Griechen müssen angeblich um ihre Ersparnisse fürchten. Um die Banken zu retten, verlieren sie laut einem Bericht womöglich große Teile ihrer Einlagen. Finanzminister Varoufakis spricht von einem „bösartigen Gerücht“.

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          Die griechischen Banken bereiten einer Zeitung zufolge Notfallpläne vor, um mit einem Zugriff auf Kundenkonten ihren Zusammenbruch abzuwenden. Wie die „Financial Times“ (FT) unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Banker und Geschäftsleute berichtet, sind Abschläge von mindestens 30 Prozent auf Einlagen von mehr als 8000 Euro geplant. Für mindestens eine Bank sei dies ein „zunehmend wahrscheinliches Szenario“, heißt es. Unter Berufung auf einen Insider schreibt die Zeitung, die Maßnahme sei Teil einer umfassenden Umstrukturierung des griechischen Bankenwesens, nachdem das Land wieder an einem Hilfsprogramm teilnehme. „Das ist nicht etwas, das sofort passiert“, sagte die Person.

          Der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis nannte den Bericht ein „bösartiges Gerücht“. Die Vorsitzende der griechischen Bankenvereinigung, Louka Katseli, sagte dem Sender Skai TV, etwas Derartiges gebe es „nur im Reich der Phantasie“. Solche Szenarien fänden sich bei keiner griechischen Bank - „nicht mal als Übung auf dem Papier“.

          Die griechische Regierung hat wiederholt die Möglichkeit zurückgewiesen, dass sie auf das Geld der Bankkunden zurückgreifen könnte, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Um einen Kollaps angesichts der Schuldenkrise zu verhindern, haben die griechischen Geldhäuser seit Montag geschlossen. Zudem hat die Regierung Kapitalverkehrskontrollen eingeführt.

          Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht durch die Krise in Griechenland unterdessen keine Bedrohung für andere Geldhäuser in Europa. „Selbst wenn es zum Zusammenbruch einzelner Banken kommen würde, ist die 'Ansteckungsgefahr' vergleichsweise gering“, sagte er der „Bild“-Zeitung vom Samstag. „Die Märkte haben schon in den vergangenen Tagen sehr zurückhaltend reagiert. Das zeigt, dass das Problem beherrschbar ist.“

          Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone schließt Schäuble nicht aus. „Ob mit Euro oder vorübergehend ohne: Diese Frage können nur die Griechen selbst beantworten“, sagte er der Zeitung. Klar sei aber auch im Falle eines Ausstiegs aus dem Euro: „Wir werden die Menschen in Griechenland nicht im Stich lassen.“ Auf die Frage, welche Lehren er aus der Griechen-Krise ziehe, sagte Schäuble, eine Gemeinschaft könne nur funktionieren, wenn sich die Mitglieder an die Regeln hielten. Er erinnerte „selbstkritisch“ daran, dass Deutschland und Frankreich im Jahr 2003 als erste die Stabilitätsregeln des Euro gebrochen hätten. „Das war der Sündenfall.“

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