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Schuldenkrise : Banken bleiben bis zum 6. Juli geschlossen

  • Aktualisiert am

Griechen warten vor einem Bankautomaten Bild: dpa

Die Banken in Griechenland bleiben bis zum 6. Juli geschlossen, an Automaten können Griechen nur noch 60 Euro täglich abheben. Der Euro gibt nach, in Japan brechen die Kurse ein. Der amerikanische Finanzminister Lew redet Tsipras ins Gewissen.

          Angesichts der akuten Schuldenkrise Griechenlands bleiben die Banken des Landes bis zum 6. Juli geschlossen. Das wurde in einer in der Nacht zum Montag in Athen veröffentlichten amtlichen Mitteilung festgelegt. Die Bankenschließung gilt damit bis nach dem Referendum über die Vorschläge der internationalen Geldgeber Griechenlands am kommenden Sonntag.  Online-Überweisungen innerhalb Griechenlands seien weiterhin erlaubt, nicht aber ins Ausland.

          Die täglichen Barabhebungen an Geldautomaten werden der Mitteilung zufolge für Griechen auf 60 Euro pro Tag beschränkt.  Berichten griechischer Medien zufolge soll auch die Börse in Athen am Montag geschlossen bleiben.

          „Extreme Dringlichkeit“

          Unterzeichnet wurden die Verfügungen von Griechenlands Staatschef Prokopis Pavlopoulos und Regierungschef Alexis Tsipras. Es handele sich um Maßnahmen „von extremer Dringlichkeit“. Sie sollten „das griechische Finanzsystem und die griechische Wirtschaft wegen des Mangels an Liquidität schützen, der durch die Entscheidung der Eurogruppe vom 27. Juni gegen die Ausweitung des Abkommens über die Kredite für Griechenland herbeigeführt“ worden sei, heißt es in der amtlichen Mitteilung.

          Touristen dürften weniger unter den Kontrollen leiden. Mit einer im Ausland ausgestellten Kreditkarte könnte weiterhin Geld unbegrenzt Geld abgehoben werden, teilte die Regierung mit. Allerdings waren einige Geldautomaten in Griechenland wegen des Ansturms der Kunden bereits leer.

          Tsipras hatte am Sonntagabend in einer Fernsehansprache angekündigt, dass die Banken in Griechenland am Montag vorerst geschlossen blieben, jedoch keine Dauer der Maßnahme genannt. Der Bankensektor solle mit Kapitalverkehrskontrollen vor dem Zusammenbruch bewahrt werden.

          Die Lage in Griechenland hatte sich am Wochenende drastisch verschärft: Aus Sorge um ihre Ersparnisse versuchten zahlreiche Griechen, ihr Geld abzuheben. Vor Geldautomaten bildeten sich lange Schlangen.

          Finanzmärkte verunsichert

          Sorgen um eine mögliche Staatspleite Griechenlands haben Anleger verunsichert. Die Börsen in Japan wurden am Montag tief ins Minus gezogen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte rutschte zeitweise um 2,14 Prozent auf den Zwischenstand von 20 262,87 Zählern ab. Auch der Euro verlor gegenüber dem Dollar kurzzeitig zwei Prozent, konnte sich dann aber wieder etwas stabilisieren. Derzeit liegt der Kurs bei 1,10 Dollar, im späten Handel am Freitag notierte er noch bei etwa 1,115 Dollar.

          Angesichts der Turbulenzen drängen die Vereinigten Staaten auf eine rasche Lösung der Schuldenkrise. Finanzminister Jack Lew telefonierte mit Tsipras. Einem Lew-Sprecher zufolge muss vor dem am kommenden Sonntag geplanten Referendum zu den Reformauflagen der internationalen Geldgeber weiter eine Lösung im Schuldenstreit gesucht werden. Athen müsse sich zu Reformen bekennen und alle Seiten über Schuldenerleichterungen für das Krisenland diskutieren.

          Griechenland steuert auf einen Bankrott zu; es droht Finanzchaos. Tsipras hatte in der Nacht zum Samstag überraschend ein Referendum über die Vorschläge der Geldgeber für den kommenden Sonntag angekündigt.

          Die Finanzminister der Eurozone warfen Tsipras daraufhin vor, einseitig die Verhandlungen abgebrochen zu haben, und entschieden, das am Dienstag auslaufende Hilfsprogramm nicht zu verlängern. Ohne frisches Geld droht Griechenland binnen weniger Tage die Pleite.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Mittag
          (13.30 Uhr) mit den Spitzen der im Bundestag vertretenen Parteien
          über die jüngsten Entwicklungen in Griechenland beraten.

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