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Treffen in Moskau : Putin bietet Griechenland Kredite für Großprojekte an

  • Aktualisiert am

Alexis Tsipras und Wladimir Putin am Mittwoch im Moskauer Kreml Bild: Reuters

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras ist zu Besuch in Moskau. Um Finanzhilfen hat er offenbar nicht gebeten – Russlands Präsident Wladimir Putin hat aber dennoch Unterstützung für Athen in Aussicht gestellt. 

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          Kremlchef Wladimir Putin hat dem schuldengeplagten Griechenland Kredite für große Infrastrukturprojekte in Aussicht gestellt. Zwar habe die Regierung in Athen keine Finanzhilfe bei Russland beantragt, doch seien Kredite für konkrete Projekte möglich, sagte Putin nach einem Treffen mit dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras am Mittwoch in Moskau.

          „Die griechische Seite hat uns nicht um Finanzhilfe gebeten“, sagte Putin. Allerdings sei die russische Wirtschaft an „Großprojekten“ in Griechenland insbesondere im Energiebereich interessiert. Sollten diese realisiert werden und Gewinn bringen, könne dies dem griechischen Staat helfen.

          Tsipras weist Kritik an Besuch in Moskau zurück

          Unter anderem sprachen die beiden über eine Beteiligung Griechenlands an der geplanten russischen Gaspipeline Turkish Stream, die russisches Gas durch das Schwarze Meer nach Südosteuropa pumpen soll. Sollte sich Athen an der Pipeline beteiligen, winkten dem Land Hunderte Millionen Euro Einnahmen, sagte Putin. Tsipras äußerte die Hoffnung, Griechenland könne durch den Bau von Turkish Stream zu einem Energieknotenpunkt in Südeuropa werden.

          Russland hat nach dem Stopp der geplanten Gaspipeline South Stream durch Bulgarien im Januar eine neue Verbindung durch die Türkei angekündigt, die bis Ende 2016 in Betrieb gehen soll. Damit auch die EU darüber versorgt werden könnte, müsste ein Anschluss durch Griechenland gebaut werden.

          Putin lehnte es allerdings ab, für griechische Lebensmittelexporte den russischen Einfuhrstopp zu lockern, den er im August 2014 zur Vergeltung der westlichen Sanktionen unter anderem gegen die EU erlassen hatte: „Wir verstehen, dass Griechenland diesen Sanktionen unter Druck zugestimmt hat. Aber das war nicht unsere Schuld, und wir können für einzelne Länder keine Ausnahmen machen“, sagte der Präsident.

          Tsipras betonte, er sei nicht nach Moskau gekommen, um eine Lösung für die Schuldenkrise in seinem Land zu erwarten. „Das ist ein europäisches Problem, das eine europäische Lösung braucht“, sagte er. Zugleich wies er die heftige Kritik einiger EU-Politiker an seinem Besuch in Moskau zurück. Sein Land sei souverän und dürfe Vereinbarungen mit Russland treffen, die der Stabilisierung der eigenen Wirtschaft dienten.

          Der Gast aus Athen sprach sich zugleich dafür aus, den „Teufelskreis der Sanktionen gegen Russland aufzugeben“. Ein „Wirtschaftskrieg“ sei keine gute Lösung. Sein Land arbeite daran, eine diplomatische Lösung zu finden. Die „Gegensanktionen“, die Moskau als Reaktion auf die Strafmaßnahmen der EU verhängt habe, hätten der griechischen Landwirtschaft eine große Wunde zugefügt, sagte Tsipras.

          Der griechische Ministerpräsident war anlässlich des Gedenkens an den 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs nach Moskau gereist. Seine Visite wird in der EU mit Skepsis begleitet. Hinter der Reise wurde der Versuch Athens vermutet, sich finanzielle Unterstützung Russlands in der Schuldenmisere zu sichern - und im Gegenzug einen Keil in die EU-Politik gegenüber Russland zu treiben.

          Putin wies Befürchtungen zurück, Russland könne mit guten Beziehungen zu Griechenland die Europäische Union spalten wollen. Sein Land habe nicht vor, ein einzelnes Mitglied der EU auszunutzen, sagte Putin nach dem Gespräch mit Tsipras. Russland sei für eine offene und vertrauliche Zusammenarbeit mit der ganzen Europäischen Union.

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