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Griechenland-Verhandlungen : Das ist der Gipfel

Der Traum, dass alles vorbei ist: Nacht für Nacht warteten Journalisten im Brüsseler Pressesaal auf Verhandlungsergebnisse. Bild: dpa

Nur für einen Moment gab es in Brüssel die Illusion, mit den Griechenland-Verhandlungen hätte es endlich ein Ende. Doch wir schleppen die Krise weiter. Der Kopf ist leer und Müdigkeit der Dauerzustand. Wann wird alles gut? Eine Brüsseler Innenansicht.

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          Selbst Alexander Stubb hat an diesem Montagmorgen Schwierigkeiten, sein bleckendes Dauerlächeln rechtzeitig einzuschalten. Zwar sitzt der akkurat gezogene Seitenscheitel wie immer perfekt, als der finnische Finanzminister nach dem Griechenland-Dauerverhandlungswochenende das Brüsseler Justus-Lipsius-Gebäude verlässt. Aber die tiefen Falten in seinem Gesicht kann auch der passionierte Marathonläufer und Triathlet Stubb nicht verbergen.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Die Konditionsprobleme verschwinden allerdings schnell: Sobald das Lächeln wieder angeknipst ist, verkündet Stubb den übermüdeten Journalisten fröhlich, die Eurofinanzminister würden sich an diesem Nachmittag wieder treffen. Die Staats- und Regierungschefs hätten noch nicht alles geklärt, die Verhandlungen über die Brückenfinanzierung Griechenlands würden sehr schwierig. Er erwarte eine „weitere lange Nacht“, grinst Stubb.

          Alexander Stubb und Wolfgang Schäuble am Montag in Brüssel. Bilderstrecke

          Spätestens da ist sie vorbei, die kurzzeitig aufgekommene Illusion, es sei nun endlich geschafft. Die Illusion, wir Journalisten müssten uns nur noch einmal mit umfangreicher Griechenland-Gipfelberichterstattung durch den Tag kämpfen und könnten es dann gut sein lassen. Die Illusion, die zeitraubenden, nächtelangen Ministertreffen und Sondergipfel lägen jetzt hinter uns und die gequälten Europolitiker seien in nächster Zeit nicht gezwungen, das hässliche Ratsgebäude immer und immer wieder von innen zu sehen. Die Illusion, wir könnten Griechenland einfach einmal vergessen.

          Nein, die Sondertreffen liegen nicht nur hinter, sie liegen auch vor uns. Griechenland, der Brüsseler Dauerbrenner seit 2009, bleibt uns erhalten. EU-Ratspräsident Donald Tusk hat am Freitag vorsorglich angekündigt, er schließe weitere Sondergipfel im August nicht aus. Es wird in nächster Zeit nicht so extrem werden wie in den vergangenen vier Wochen mit vier Eurogipfeln und neun Eurogruppen-Treffen. Aber wir werden die griechische Krise weiterschleppen, über den Sommer, in den Herbst, in die kommenden Jahre.

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          Die Zeit läuft ab – Athen bekommt eine letzte Frist

          Wir kennen diese Krise nun schon einige Zeit. Die ökonomischen Ingredienzien haben sich nicht geändert und die politischen auch nur teilweise. Und doch ist seit dem Amtsantritt der Syriza-Regierung fast alles anders. Die Athener Links-rechts-Koalition hat die bisherige Rettungsroutine gesprengt. Bis fast ganz zuletzt wollte sie sich auf diese Routine gar nicht einlassen, wollte keine Reformen, keine Troika, kein neues Hilfsprogramm, ja manchmal auch gar kein Geld. Sie wollte ganz Europa auf den Kopf stellen, wollte Reparationen von Deutschland, irgendwie Revolution, eine „politische“ Lösung. Zum Schluss wusste sie selbst nicht mehr, was sie wollte.

          Die griechische Routineverweigerung überforderte Brüsseler Politiker, Beamte und Journalisten gleichermaßen. Schon nach der Parlamentswahl im Januar waren vier Finanzministertreffen nötig, nur um mit Athen einen Reformfahrplan auszuhandeln. Trotz vieler weiterer Treffen passierte von Februar bis Juni in der Substanz gar nichts. Die griechische Regierung ließ Fristen verstreichen und bekam neue gesetzt. Sie reichte Reformlisten ein, die keine waren. Ministertreffen endeten mit immer ähnlicheren Formulierungen: Die Zeit läuft ab. Athen bekommt eine letzte Frist. Die Zeit läuft endgültig ab. Athen bekommt eine allerletzte Frist. Im Juni gab es in zehn Tagen fünf Eurogruppen-Treffen, um den Fahrplan noch zu retten, bevor das Hilfsprogramm abläuft. Alle waren sie erfolglos.

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