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Kommentar : Späte Kapitalkontrollen

In Griechenland biegt und dehnt die EZB die Regeln so weit, dass es kracht. Jetzt müssen Kapitalverkehrskontrollen kommen.

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          Als vor gut zwei Jahren auf Zypern ein Ende des Hilfsprogramms drohte, war die Europäische Zentralbank nicht zimperlich. Sie setzte der Regierung und dem Parlament die Pistole auf die Brust und kündigte ein Ende der Ela-Hilfskredite an. Nicht so in Griechenland.

          Trotz der brüsken Wende der Athener Regierung lässt die EZB die Notkredite für die Banken weiterlaufen. Mittlerweile biegt und dehnt sie die Regeln so weit, dass es kracht. Immerhin hat der EZB-Rat, wohl auf Drängen der Kritiker, keine weitere Ela-Aufstockung gewährt.

          Die griechischen Banken haben zuletzt in so atemberaubendem Tempo Geld verloren, dass sie am Montag dem Ansturm der Kunden nicht mehr gewachsen gewesen wären. Viel zu spät wurden jetzt Kapitalverkehrskontrollen und Limits für Abhebungen eingeführt – so wie damals in Zypern.

          Indirekt finanziert die EZB über Ela und das Target-System die Kapitalflucht reicher Griechen. Es ist unverständlich, warum sie der lavierenden Syriza-Regierung kein lautes „Stopp“ zuruft. Wenn Griechenland aus dem Euro austritt, was nun sehr wahrscheinlich ist, wird man die Target-Schulden der griechischen Notenbank, die durch Ela anschwellen, wohl abschreiben müssen.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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