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Kommentar : Juncker bizarr

Jean-Claude Juncker Bild: dpa

Will die „angelsächsische Welt“ die Währungsunion zerstören? EU-Kommissionchef Jean-Claude Juncker sorgt mit einer Verschwörungstheorie für Schlagzeilen.

          Was nun mit Griechenland? Die aus der belgischen Provinz kolportierte Antwort des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker ist so bizarr, dass sie eine weitere Debatte fast unmöglich macht. Bei einem Grexit werde die „angelsächsische Welt“ versuchen, die Währungsunion zu „zerstören“, hat Juncker offenbar gesagt. Solche Verschwörungstheorien haben in den Verhandlungen mit Athen gerade noch gefehlt.

          Wahrscheinlich zählt Juncker auch den Internationalen Währungsfonds (IWF) zur angelsächsischen Welt, und wahrscheinlich hält er es schon für einen Zerstörungsversuch, wenn der Fonds daran erinnert, dass es Regeln für Hilfsprogramme gibt.

          Zu diesem Muster passt, dass die EU-Kommission in ihrer Frühjahrsprognose ein viel rosigeres Bild malt als der IWF. Dass Griechenland 2015 noch einen Primärüberschuss von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung erzielt, glaubt niemand. Aber was sind schon falsche Prognosen, wenn sie dazu dienen, angelsächsische Angriffe abzuwehren?

          Griechenlands Gläubiger – das sind vor allem die Eurostaaten – haben andere Sorgen. Sie sollten sich in den Verhandlungen mit Athen nicht an die Kommission, sondern an den IWF halten.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

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