https://www.faz.net/-gqu-85b98

Interview mit Giannis Varoufakis : „Schäuble wollte den Grexit schon 2012“

  • Aktualisiert am

Giannis Varoufakis bleibt optimistisch Bild: AFP

Der deutsche Finanzminister wolle Griechenland schon länger nicht mehr in der Währungsunion haben, sagt Athens Kassenwart Giannis Varoufakis im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Eine Einigung mit Gläubigern erwartet er Anfang kommender Woche.

          2 Min.

          Der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis wirft seinem deutschen Kollegen Wolfgang Schäuble vor, schon lange Griechenlands Austritt aus dem Euro anzustreben. „Schon 2012 hat Herr Schäuble deutlich gemacht, dass er einen Grexit bevorzugen würde“, sagte Varoufakis der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Schäuble verfolgt zumindest öffentlich unter den Gläubigervertretern den härtesten Kurs im Schuldenstreit mit Athen. In Deutschland bringt ihm das mittlerweile so hohe Zustimmungswerte ein wie noch nie - in Griechenland ist sein Gesicht auf unzählige Plakate gedruckt derjenigen, die in der anstehenden Volksbefragung für ein „Nein“ werben.

          Varoufakis zeigte sich im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wiederum sicher, dass die Griechen an diesem Sonntag mehrheitlich mit „Nein“ stimmen werden. Und dass es seine Regierung auch nach dem Referendum noch geben werde. „Ich weiß, dass die deutsche Regierung es gerne anders hätte, aber die Griechen wahrscheinlich nicht. Sie vertrauen uns.“

          Egal wie das Referendum ausgehe, werde es aber zu Beginn der kommenden Woche eine Einigung zwischen Griechenland und den Gläubigern geben. „Ich erwarte, dass wir am Montag eine Einigung haben werden“, sagte er, „und zwar unabhängig davon, ob bei dem Referendum mehrheitlich mit ,Ja‘ oder mit ,Nein‘ gestimmt wird.“ Auf ein mehrheitliches „Ja“ würde eine Vereinbarung nach den Wünschen der Institutionen (früher Troika) folgen. „Hören Sie nicht auf diejenigen, die sagen, das Angebot sei vom Tisch – natürlich ist es noch da, denn das ist es ja, was sie wollen.“

          Rettungsfonds-Chef lobt Griechenland

          Varoufakis behält dabei auch einen Tag vor dem Referendum sein gewohnt umfangreiches internationales Interview-Pensum bei. Und teilt dabei auch mit harten Worten gegen die Geldgeber aus. „Was sie mit Griechenland machen, hat einen Namen - Terrorismus“, sagte Varoufakis der spanischen Zeitung „El Mundo“: „Was Brüssel und die Troika heute wollen, ist, dass das ’Ja’ gewinnt, damit sie die Griechen weiter erniedrigen können.“ Und weiter: „Warum haben sie uns gezwungen, die Banken zu schließen? Um Angst unter den Leuten zu schüren.“

          Derweil sagte Euro-Rettungsfonds-Chef Klaus Regling in einem bemerkenswert ausführlichen Interview der griechischen Zeitung Kathimerini (zum Original geht's hier), dass ein neues Hilfsprogramm für Griechenland seiner Ansicht nach nicht härter als vergangene Programme sein wird. “Griechenland muss seine Reformen fortsetzen, aber die erforderlichen Maßnahmen auf der fiskalischen Seite und im Bereich der Wettbewerbsfähigkeit sind viel kleiner als in der Vergangenheit.“

          Die griechische Bevölkerung stimmt am Sonntag über Vorschläge der Gläubiger ab im Gegenzug für weitere Finanzhilfe, die formal freilich nie beschlossen und unterbreitet worden sind. Die Führung in Athen um Alexis Tsipas und Varoufakis wirbt für ein „Nein“, pro-europäische Oppositionsparteien für ein „Ja“. Umfragen signalisieren ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mehr als zehn Millionen Griechen dürften am Sonntag ihre Stimme abgeben - mindestens vier Millionen müssen sich beteiligen, damit das Referendum gültig ist.

          Weitere Themen

          DNA-Chips und Europa ohne Croissants Video-Seite öffnen

          Digitalkonferenz DLD : DNA-Chips und Europa ohne Croissants

          Das F.A.Z.-Digitec-Podcast-Team auf der Digitalkonferenz DLD in München: Alexander Armbruster und Carsten Knop sprechen über die Möglichkeiten von Quantencomputern, die Grenzen von Moore’s Law - und warum es irgendwann DNA-Chips geben muss.

          Topmeldungen

          Mietwohnungen sollen in Zukunft erschwinglicher werden.

          Entwicklung in den Städten : Neue Hoffnung für Mieter

          Es zeichnet sich ein Wandel ab: Der Zuzug in die Städte lässt nach. Die Mieten steigen kaum noch und die Löhne wachsen. Wer hätte das gedacht! Trotzdem profitieren längst nicht alle davon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.