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Schuldenkrise : Griechische Banken als Geiseln der Politik

Bankautomaten in Athen Bild: AFP

In der griechischen Schuldenkrise mussten schon zwölf Banken in Hellas abgewickelt werden. Geblieben sind noch vier große Banken. Sie stehen nun mitten im politischen Gezerre um Griechenlands Zukunft.

          Ab sofort entfällt für die griechischen Banken die Möglichkeit, gegen die Hinterlegung griechischer Staatstitel von der EZB Bargeld zu erhalten. Der Grund: Die neue griechische Regierung des linken Regierungschefs Alexis Tsipras hat das Trokia-Programm für gescheitert und beendet erklärt. Griechenlands Banken können zwar nun auf Mittel aus der Liquiditätshilfe für Notfälle zugreifen. Doch statt bisher 0,05 Prozent an Zinsen müssen sie künftig etwa 1,55 Prozent für liquide Mittel bezahlen. Auf dem vor drei Jahren eingeschlagenen Weg der Sanierung des griechischen Bankensystems stellt diese Entwicklung einen deutichen Rückschlag dar. Zweifel an der Solidität der gerade erst geretteten Institute keimen wieder auf.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Die griechischen Banken finanzierten sich nach der letzten Statistik der griechischen Zentralbank Ende Dezember 2014 mit 56 Milliarden Euro aus Zentralbankmitteln und mit 208 Milliarden Euro aus Einlagen, darunter 160 Milliarden Euro an Einlagen von privaten Kunden und Unternehmen. Damit trugen im Dezember die regulären Mittel der Zentralbank zu 15 Prozent zur Finanzierung des griechischen Bankensystems mit einer Bilanzsumme von rund 400 Milliarden Euro bei. Für den Januar rechnen Fachleute aus der Bankenbranche mit einem kräftig zugenommenen Finanzbedarf der griechischen Institute. Die Finanzagentur Bloomberg beruft sich auf Schätzungen des Kapitalabflusses von 11 Milliarden Euro. Dennoch ist dieser Abfluss bisher nicht so groß wie der Verlust von 78 Milliarden Euro vom Sommer 2009 bis zum Sommer 2012.

          Die Großanleger haben damit ihre Einlagen längst außer Landes gebracht, Normalbürger würden immer mehr bei Steuerbehörden auffallen, wenn sie große Beträge auf einmal ins Ausland transferieren. Sicher ist jedoch, dass die Griechen viel mehr Bargeld in ihren Häusern und Tresoren halten, allein schon, um im Krisenfall nicht vor geschlossenen Banken und abgeschalteten Geldautomaten zu stehen.

          Griechenlands Bankensystem sah sich für 2015 auf dem Weg zu neu gewonnener Rentabilität. Geblieben sind noch vier große Banken: National Bank of Greece, Alpha Bank, Piraeus Bank und Eurobank, während in der Krise zwölf Banken abgewickelt wurden und die Reste in die verbliebenen integriert wurden. Für den Zusammenbruch des griechischen Bankensystems hatte 2012 der Schuldenschnitt des griechischen Staates gegenüber Privatgläubigern gesorgt. Die griechischen Banken mussten damit mehr als die Hälfte des Wertes von griechischen Staatstiteln abschreiben. Zudem hat ein Teil von ihnen auch noch mit zyprischen Staatsanleihen spekuliert, die dann ebenfalls entwertet wurden.

          Zur Rettung und Rekapitalisierung des griechischen Bankensystems bürgt die Europäische Union für insgesamt 50 Milliarden Euro, die an den „Hellenic Financial Stability Fund“ ausgeliehen wurden, einen unabhängigen Fonds zur Stabilisierung der griechischen Bankenbranche. Die Verwaltung dieses Fonds ist unabhängig von der Regierung. Bisher hat sie 38,5 Milliarden Euro in die Sanierung der griechischen Bankenbranche gesteckt. Für 13,5 Milliarden wurden zwölf kleinere Banken in Schieflage abgewickelt. Die übrigen Mittel wurden dazu verwendet, die weiter existierenden vier Großbanken mit frischem Kapital auszustatten. Drei Banken – National Bank of Greece, Alpha Bank und Piraeus Bank – waren dabei in der Lage, im Jahr 2013 auch noch private Investoren aufzutreiben, die mehr als 10 Prozent des neuen Aktienkapitals übernahmen. Damit durften sie als private Institutionen ohne direkten Einfluss des griechischen Bankenrettungsfonds weitergeführt werden.

          Eurobank war dagegen zu Beginn zu 95 Prozent in der Hand des Bankenrettungsfonds, doch gelang 2014 eine Privatisierung. Private Investoren, unter anderem aus Qatar, übernahmen bei einer Kapitalerhöhung rund 60 Prozent des Kapitals an Eurobank. Ziel des Bankenrettungsprogrammes ist es, den Börsenwert der Banken zu steigern und dann bei der endgültigen Privatisierung die zur Bankenrettung eingesetzten Mittel zurückzugewinnen. 2022 muss Griechenland nach den bisherigen Vereinbarungen die Kredite für die Bankenrettung zurückbezahlen. Zwar haben die rekapitalisierten Institute 2014 zum größten Teil positive Quartalsergebnisse ausgewiesen. Sie leiden jedoch unter hohen Quoten von notleidenden Krediten, die zwischen 23 und 33 Prozent liegen. Die neue Regierung kann nun zusätzliche Schwierigkeiten bereiten, weil sie versprochen hat, dass selbstbewohnte Immobilien nicht mehr versteigert werden dürfen, auch wenn die Bewohner die Hypotheken nicht mehr bezahlen. Zum anderen würde die Regierung gern die 11,5 Milliarden Euro, die noch in der Kasse des Bankenrettungsfonds liegen, für eigene Zwecke nutzen.

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