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Griechenlands Finanzminister im Gespräch : „Wir sind aus dem Schlimmsten heraus“

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Der griechische Finanzminister Yannis Stournaras Bild: picture alliance / landov

Mit der Sanierung des Haushalts sei eine wichtige Wende geschafft worden, sagt Griechenlands Finanzminister Yannis Stournaras. Er fordert, dass Länder, die Vorteile aus der Krise haben, ihren Gewinn mit den anderen teilen.

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          Professor Stournaras, wie ist die Lage in Griechenland?

          Vor kurzem hat die Arbeitsgruppe für Griechenland einer weiteren Kreditrate von 2,8 Milliarden Euro zugestimmt. Wir rechnen auch damit, dass Griechenland beim Treffen der Eurogruppe am 13. Mai noch eine Tranche von 6 Milliarden Euro erhalten wird. Alles ist gut gelaufen, weil wir am vergangenen Sonntag vom Parlament die Zustimmung für ein weiteres Paket von Reformgesetzen erhalten haben. In diesem Moment bin ich ganz zufrieden.

          Den Fernsehbildern zufolge gab es auch vor den letzten Abstimmungen im Parlament wieder Proteste. Lassen Sie sich davon beeindrucken?

          Im Gegenteil, es ist inzwischen ziemlich ruhig geworden. Ich habe von meinem Schreibtisch den Syntagma-Platz und das Parlament im Blick. Ich kann hier keine Demonstranten sehen. Selbst bei der Parlamentsdebatte über das letzte Reformpaket gab es nur 500 Demonstranten. Es war im Parlament und auf dem Platz so ruhig wie schon lange nicht mehr. Die Leute zeigen inzwischen viel Geduld und schätzen das, was wir tun.

          Ist die soziale Lage noch schwierig, noch explosiv?

          Wir sind in keiner Weise nahe an einer Explosion. Aber natürlich ist die soziale Lage schwierig. Denn die Löhne und die Renten sind kräftig reduziert worden, die Steuern sind stark gestiegen.

          Und was haben Sie damit bisher erreicht?

          Mehr als zwei Drittel der vorgegebenen Haushaltskorrekturen haben wir schon geschafft und zugleich all die Wettbewerbsnachteile durch hohe Lohnstückkosten wieder beseitigt. Wir haben sehr gute Ergebnisse vorzuzeigen.

          Gibt es denn erste Anzeichen dafür, dass sich die Lage Griechenlands nun bessert?

          Wir sind aus dem Schlimmsten heraus. Zwar haben wir noch einen langen Weg vor uns. Dennoch haben wir in den vergangenen sechs, sieben Monaten eine wichtige Wende geschafft. Wir haben die Haushaltssanierung auf den richtigen Pfad zurückgebracht. Nun habe ich alle Spezialisten, alle Statistiker gebeten, nach ersten Zeichen einer Wende der Wirtschaftslage Ausschau zu halten.

          Was ist bisher dabei herausgekommen?

          Aus der griechischen Zentralbank habe ich zum Beispiel gehört, dass sich die Industrieproduktion stabilisiert habe. Sie fällt nicht mehr, und wir sind wohl am tiefsten Punkt angekommen.

          Braucht Griechenland nun eine Art Auslöser für eine wirtschaftliche Erholung?

          Ich denke, der Tourismus könnte einen solchen Auslöser für einen Aufschwung zum Jahresende darstellen. Wenn sich die Tourismussaison so entwickelt, wie wir sie nach den derzeitigen Informationen aus den europäischen Hauptstädten einschätzen, dann könnten wir in der realen Wirtschaft bald eine Wende schaffen.

          Welche Voraussetzungen müssen noch erfüllt sein, damit Griechenlands Wirtschaft eine positive Wende erlebt?

          Die Banken müssen nach der bevorstehenden Rekapitalisierung wieder die reale Wirtschaft unterstützen. Die Einlagen fließen aber schon wieder zurück in die Banken, mit nur einer kleinen Unterbrechung wegen der Zypern-Krise. Doch inzwischen geht die Tendenz zur Erholung der Bankeinlagen weiter.

          Wie sind die politischen Voraussetzungen für die Fortsetzung der Sanierung Griechenlands in Ihrer Drei-Parteien-Koalition?

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