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Grexit : Sollten wir noch Urlaub in Griechenland machen?

Einsame Kapelle vor Korfu: Was passiert wenn Griechenland vom Euro abgeschnitten wird? Bild: Kirsten Panzer-Gunkel

Kreta, Korfu, Santorini: Im Sommer kommen die Touristen nach Griechenland und bringen Geld mit. Doch was passiert, wenn auf einmal wieder mit der Drachme bezahlt werden muss?

          Nur noch eine Woche: Dann beginnen im ersten Bundesland die Schulferien. Mit den Urlaubern aus Nordrhein-Westfalen startet die Hochphase der Reiseindustrie. Gleichzeitig wächst die Verunsicherung deutscher Reisender, ob sie in Griechenland die erhoffte Erholung finden oder ob ein möglicher Staatsbankrott und ein mögliches Ausscheiden des Landes aus der Eurozone chaotische Momente bereiten können.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für die Branche kommt die Diskussion zur Unzeit. Die Urlaubsveranstalter hatten sich darauf eingestellt, 2015 so viele deutsche Urlauber nach Kreta, Rhodos und Korfu zu bringen wie nie zuvor. Dieses Ziel, für das noch Buchungen Kurzentschlossener nötig sind, gerät in Gefahr.

          Umso deutlicher legt sich der Deutsche Reiseverband (DRV) fest. Ob Staatsbankrott oder Rückkehr der Drachme – egal, was in Griechenland passiere, „für Urlauber hätte dies nur geringe Auswirkungen“, teilt der Verband mit.

          Kein Bargeld im Urlaub

          Mehr noch: Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, seien komplett auf der sicheren Seite. „Gerade Gäste von Reiseveranstaltern haben keine Konsequenzen zu fürchten.“ Selten gab es derartig prägnante Beteuerungen, dass in einem Land kein Ungemach drohe – noch seltener, wenn dieses Reiseziel bislang auf Rekordkurs war. Gelassen klingen die Formulierungen nicht.

          Denn eine Restunsicherheit bleibt, obwohl sich Reiseveranstalter stark abgesichert haben. TUI, Thomas Cook und Co. haben früh Hotelkapazitäten eingekauft und im Winter Vorauszahlungen an Hoteliers geleistet. Auch Urlauberflüge und Transferfahrten von Flughäfen zu Hotels sind gesichert. Pauschalreisekunden sind somit im Vorteil, sie haben nach deutschem Recht einen Reisevertrag mit einem Anbieter geschlossen, der für einen geregelten Ablauf der Reise haftet. Wer hingegen individuell unterwegs ist, muss sich um jede Unwägbarkeit selbst kümmern.

          Für Pauschalurlauber beginnt die Ungewissheit erst bei Dingen, die nicht zum Leistungspaket der Veranstalter gehören. So ist nicht ausgeschlossen, dass nach einem Scheitern der Verhandlungen mit der Athener Regierung nicht mehr in gewohntem Maße Bargeld an Automaten abgehoben werden kann, weil Griechen in einem Ansturm auf Banken versuchen, ihre Anlagen abzuheben. Laut griechischer Zentralbank haben sie in den ersten fünf Monaten des Jahres bereits mehr als 29 Milliarden Euro von ihren Konten geholt.

          Erholung – auch für die Wirtschaft?

          Und dass jede Tankstelle, die im Urlaub mit einem Mietwagen angesteuert wird, im Ernstfall noch Kraftstoff parat hätte, mag keiner garantieren. Benzin muss nach Griechenland eingeführt werden, Importe würden nach einer Abwertung einer neuen Landeswährung teurer. Die Transferbusse der Reisekonzerne rollten aber trotzdem. „Die Busbetriebe haben meist Reserven in eigenen Tanklagern“, erklärt eine DRV-Sprecherin.

          Nachdem 2012 die Zahl der Griechenland-Urlauber aus Deutschland eingebrochen war, befand sich das Land bislang auf Erholungskurs. Innerhalb von zwei Jahren stieg die Zahl der Ankünfte aus Deutschland um 25 Prozent auf 2,5 Millionen Gäste.

          TUI, Marktführer für Griechenland-Urlaube deutscher Kunden, meldet abermals ein „leichtes Plus“ gegenüber dem Vorjahresniveau. Für den Konkurrenten Alltours hatte Geschäftsführer Markus Daldrup jüngst von einem Zuwachs um mehr als 10 Prozent gesprochen.

          Mix aus Zahlungsmitteln

          Gleichwohl gibt es wenig Erfahrungswerte, wie sich ein Staatsbankrott auswirken könnte. Als Zypern 2013 dem knapp entkam, traten dort Beschränkungen im Kapitalverkehr in Kraft. So sollte verhindert werden, dass Zyprer ihr Vermögen ins Ausland bringen.

          Banken waren tagelang geschlossen. Urlauber mussten hinnehmen, dass sie an Geldautomaten nur 300 Euro am Tag abheben konnten. Kreditkartenzahlungen waren auf 5000 Euro begrenzt. Urlauber vor Ort arrangierten sich jedoch klaglos damit.

          Vorsorglich rät die Reisebranche nun, sich nicht darauf zu verlassen, auf Kreta oder Kos immer problemlos an Bargeld zu kommen. „Jeder Urlauber sollte einen Mix an Zahlungsmitteln parat haben“, rät die DRV-Sprecherin. Dazu gehörten mitgebrachte Euroscheine, EC- und Kreditkarte.

          Streiks nur noch in der Stadt

          Auch TUI empfiehlt, „ein bisschen mehr Bargeld“ mitzunehmen. Für den Krisenstab des Konzerns sei die Lage in Griechenland bislang kein Thema. Man beobachte das Geschehen aufmerksam. „Unser Krisenstab wird erst aktiv, wenn wir eine Krise haben, das ist aktuell nicht der Fall“, sagt ein TUI-Sprecher. Das deckt sich mit Einschätzungen des Auswärtigen Amtes, das alle Urlaubsländer der Welt beobachtet.

          In den seit Ostern unveränderten Griechenland-Hinweisen heißt es, Demonstrationen und Streiks hätten unter der Regierung von Alexis Tsipras „stark nachgelassen“. Ohnehin konzentrierten sich frühere Proteste auf Festlandsstädte statt auf die Urlaubsinseln. Die größten Risiken seien Taschendiebstähle in Großstädten und die allsommerliche Waldbrandgefahr.

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