https://www.faz.net/-gqu-8531r

Kein Chaos an den Märkten : Griechenland schreckt den Euro nicht

  • Aktualisiert am

Nachdenklichkeit, aber keine Panik Bild: AP

Die Situation in Griechenland lässt die Aktienkurse fallen. Doch der Euro holt seinen anfänglichen Kursrutsch am Ende auf und notiert fester.

          Die Zuspitzung der Griechenland-Krise und die Angst vor einem Grexit sollten die Sorgen rund um den Euro eigentlich deutlich zunehmen lassen. Sollte man meinen. Ist aber nicht so.

          In der Nacht war der Dollarkurs der Gemeinschaftswährung an den asiatischen Märkten gegenüber Freitagabend noch in der Spitze um 2 amerikanische Cents auf 1,0952 Dollar gefallen. Doch Europäer und am Ende auch die Amerikaner scheinen die Greichenlandkrise nicht als Währungskrise zu begreifen. Der Euro wertete den Tag über stetig auf und kletterte mit aktuell 1,1185 Dollar sogar über das Niveau des Freitagnachmittags, bevor sich die Lage in Brüssel verdüstert hatte. Auch die Erklärung Griechenlands am Abend, dass es die am Dienstag fällige Zahlung an den Internationalen Währungsfonds nicht leisten werde, änderte nichts.

          Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sah schon in der  „moderat negativen Reaktion“ in Asien einen Beleg, dass die dortigen Märkte keine systemischen Risiken für die Währungsunion sähen. Zur positiven Reaktion hätten auch Stützungskäufe der Schweizer Notenbank beigetragen, die damit eine Aufwertung des Franken zum Euro bremsen will. Womöglich stehe damit die Bewährungsprobe für den Euro noch aus, sagte ein Börsianer.

          In schwererm Fahrwasser befanden sich die Aktienmärkte. Zwar erholte sich der Dax von anfänglich herben Kursverlusten von  4,4 Prozent. Als aber die amerikansichen Börsen schwächer eröffneten, gab der Index wieder deutlich nach. Am Ende des Tages stand damit ein Minus von 3,6 Prozent und ein Schlusstsand von 11.083 Punkten zu Buche.

          In Deutschland waren die Papiere des hiesigen Branchenprimus Deutsche Bank mit einem Minus von 5,8 Prozent größter Dax-Verlierer. Sie belastete zudem ein Bericht der „Financial Times“, demzufolge die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) dem scheidenden Co-Chef Anshu Jain im Zusammenhang mit den Untersuchungen des Libor-Skandals Irreführung vorwirft. Der europäische Aktienindex Eurostoxx 50 verlor zum Handelsstart 4,7 Prozent und schloss 4,2 Prozent tiefer bei 3469 Zählern.

          Die Unsicherheit um die Auswirkungen der Griechenlandkrise belasten auch die amerikanischen Börsen. Der Dow-Jones-Index verliert 1,1 Prozent auf 17.748 Punkte. Der marktbreite S&P-500-Index verliert ebenso stark auf 2078 Punkte, für den Auswahlindex Nasdaq 100 geht es um 1,25 Prozent auf 4428 Punkte bergab.

          Die Stimmung unter den Anlegern halte sich ganz gut, sagte Carl Weinberg, Geschäftsführer des Forschungsinstituts High Frequency Economics der New York Times. Wenn Griechenland am Dienstag die fällige Rate beim Internationalen Währungsfonds nicht leiste, könnte das Land für in Zahlungsverzug oder als säumig erklärt werden, wobei dies einige Tage dauern werde. In letzterem Fall beginne für die Kreditgeber zu ticken und diese bloße Unsicherheit werde den Markt belasten. Wenn dann die großen Vermögensverwalter anfingen umzuschichten, werde man die großen Bewegungen sehen.

          Angesichts der Schuldenkrise bleibt in Griechenland neben den Banken auch die Börse in Athen bis in die kommende Woche hinein geschlossen. Wie am Montag offiziell mitgeteilt wurde, soll der Handelsplatz frühestens am Dienstag kommender Woche wieder öffnen.

          Alle Entwicklungen rund um Griechenland in unserem Liveblog.

          Weitere Themen

          Kommt eine große Koalition? Video-Seite öffnen

          Israel wählt das Patt : Kommt eine große Koalition?

          Die Wahl in Israel hat zu einer Patt-Situation im Parlament geführt: Prognosen zufolge liegen die Parteien von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seines Herausforderers Benny Gantz fast gleichauf. Kann es schließlich doch zu einer großen Koalition kommen?

          Topmeldungen

          Ein Sicherheitsmann vor der Öl-Raffinerie im Abqaiq

          Angriff auf Ölanlagen : Saudische Verwundbarkeit

          Riad investiert Milliarden in Waffen. Wieso konnte das Königreich die Attacke auf das Herz seiner Ölindustrie nicht verhindern?
          Massentourismus vom Wasser kommend: Zwei Kreuzfahrtschiffen liegen im Geirangerfjord.

          Umstrittene Kreuzfahrtschiffe : Norwegen macht die Fjorde langsam dicht

          Es ist ein Geldsegen und ein Öko-Fluch: Seit kurzem gelten in fünf norwegischen Fjorden für Kreuzfahrtschiffe strenge Umweltauflagen, die die Luftverschmutzung begrenzen sollen. Glücklich sind die Menschen in der Urlauberhochburg Geiranger damit nicht.
          Kanzlerin Angela Merkel stellt mit ihrem Klimakabinett die Ergebnisse eines Kompromisses zum Klimapaket vor.

          Klimakabinett : Das deutsche Klima-Experiment

          Deutschland allein kann das Klima nicht retten. Aber andere Länder schauen genau darauf, wie Kanzlerin Merkel versucht, die Emissionen zu senken. Kann Deutschland Vorbild sein oder muss es über den Ärmelkanal schauen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.