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Schuldenkrise : IWF: Griechenland braucht weitere 50 Milliarden Euro

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IWF-Chefin Christine Lagarde und Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis (Aufnahme vom 18. Juni) Bild: AFP

Griechenland benötigt in den nächsten drei Jahren zusätzlich 50 Milliarden Euro. Diese stolze Summe hat der Internationale Währungsfonds ausgerechnet. Und die jüngste Entwicklung hat er dabei noch nicht mal berücksichtigt.

          Griechenland hat nach einer vorläufigen Einschätzung aus dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bis Ende 2018 einen zusätzlichen Finanzbedarf von 50 Milliarden Euro. Davon müssten 36 Milliarden Euro von den Euro-Partnern kommen, heißt es in einem ersten IWF-Entwurf über die Bewertung der Schuldentragfähigkeit des Landes. Alleine zwischen Oktober 2015 bis Oktober 2016 würden 29 Milliarden Euro benötigt, heißt es weiter.

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          Ausdrücklich heißt es in dem Papier, die jüngste dramatische Entwicklung in Griechenland sei dabei noch nicht berücksichtigt. Das Papier mit Berechnungen der Experten ist auch mit der IWF-Führung noch nicht abschließend abgestimmt. Es wurde am Donnerstag veröffentlicht, stammt aber vom 26. Juni, also dem vergangenen Freitag. Es zeigt also den Stand an dem Tag, als sich die Gläubiger-Institutionen auf einen Vorschlag an Griechenland geeinigt haben.

          In dem Papier fordert der IWF deutliche Schuldenerleichterungen für Griechenland. "Zumindest müssen die Fälligkeiten der bestehenden europäischen Kredite weit in die Zukunft geschoben werden“. Außerdem müsse „eine neue europäische Finanzierung den Finanzbedarf der folgenden Jahre zu ähnlich freundlichen Bedingungen decken“ muss, heißt es. Je tiefer die Haushaltsziele für Griechenland sinken, umso eher fordert der IWF einen Schuldenschnitt für Griechenland – den die griechische Regierung schon seit ihrer Wahl fordert. Der englische "Guardian" zitiert IWF-Mitarbeiter mit dem Satz, sie könnten nicht zu ihrem Direktorium gehen ohne eine Position der EU in Sachen Schuldenerleichterungen.

          Die IWF-Mitarbeiter sehen auch einen Grund dafür, dass der Finanzbedarf so gestiegen ist: „Sehr signifikante Änderungen der Politik und im Ausblick seit Jahresbeginn haben den Finanzbedarf deutlich erhöht“ – die Verschlechterung trat also nach Ansicht des IWF mit dem Wahlsieg von Ministerpräsident Alexis Tsipras ein.

          Athen fühlt sich bestätigt

          Die griechische Regierung reagierte am Donnerstagsabend öffentlich auf den Bericht des Internationalen Währungsfonds: Der Report „bestätigt voll die griechische Regierung“, sagte deren Sprecher Gabriel Sakellaridis in Athen. Das gelte für die mangelnde Nachhaltigkeit der griechischen Schulden ebenso wie für die griechische Forderung, dass jede neue Vereinbarung mit den Geldgebern eine Restrukturierung oder einen Schuldenschnitt enthalten müsse.

          Athen konnte jüngst eine Kreditrate in Höhe von 1,5 Milliarden Euro an den IWF nicht zurückzahlen und ist damit derzeit ohnehin von weiteren Hilfen abgeschnitten. Die EU will mit weiteren Beratungen über mögliche Hilfen das Ergebnis eines Referendums am Sonntag in Griechenland abwarten.

          Varoufakis droht mit Rücktritt

          Unterdessen hat der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis mit seinem Rücktritt gedroht: Auf die Frage, ob er im Falle einer Niederlage beim anstehenden Referendum am Sonntag weiterhin Finanzminister sein werde, antwortete er: „Ich werde es nicht mehr sein.“

          Eine Niederlage für Varoufakis, das würde bedeuten, dass die Griechen in dem Referendum mehrheitlich mit „Ja“ stimmen, also für die Vorschläge der internationalen Gläubiger. Bei dem Votum gehe es darum, wie Griechenland im Euro gehalten werden solle, sagte Varoufakis am Donnerstag dem Nachrichtensender Bloomberg TV. Zugleich betonte der Minister, sein Land wolle unbedingt Mitglied in der Währungsunion bleiben.

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