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Griechenland : Neue Debatte über Schuldenschnitt

  • Aktualisiert am

Neue Forderungen nach einem weiteren Schuldenschnitt werden laut. Bild: dpa

In der Finanzwirtschaft gibt es neue Zweifel, ob Griechenland ohne einen zweiten Schuldenschnitt finanziell wieder auf Kurs zu bringen ist. Commerzbank-Chef Martin Blessing heizte eine entsprechende Diskussion an. 

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          Eine abschließende Einigung zwischen dem hoch verschuldeten Griechenland und den internationalen Geldgebern über das Milliarden-Sparpaket könnte sich verzögern. Das Team der Troika aus Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank habe beim Besuch in Athen einige der von der Regierung vorgeschlagenen Einsparungen abgelehnt, sagte ein hochrangiger griechischer Vertreter. Die Inspektoren könnten am Samstag ohne eine Übereinkunft abreisen. Erst bei ihrer Rückkehr in der nächsten Woche sei dann mit einer Vereinbarung zu rechnen. Die Nachrichtenagentur Reuter berichtete, bei den jüngsten Gesprächen zwischen Griechenlands Regierung und der Troika sei es zu Streit über Reformen im überdimensionierten öffentlichen Dienst gekommen.

          Die Regierung des konservativen Regierungschefs Antonis Samaras verhandelt seit Tagen mit Troika-Experten darüber, mit welchen konkreten Maßnahmen sich die angestrebte Einsparsumme von knapp zwölf Milliarden erreichen lässt. Eine Einigung dazu ist die Voraussetzung, damit dringend benötigte Milliardenhilfen von rund 31 Milliarden Euro freigegeben werden.

          Zweiter Schuldenschnitt im Gespräch

          Ungeachtet dessen halten sich in der Finanzwirtschaft Zweifel, ob das aktuelle Hilfepaket für Griechenland und die damit dafür geforderten Reformen und Einsparungen ausreichen, um das Land finanziell wieder auf Kurs zu bringen. Commerzbank-Chef Martin Blessing brachte einen zweiten Schuldenschnitt für das Land abermals ins Gespräch. „Wir werden am Schluß noch mal einen Schuldenschnitt in Griechenland sehen, an dem sich alle Gläubiger beteiligen werden“, sagte Blessing am Donnerstag in Frankfurt.

          Erst im März hatten die privaten Gläubiger des Landes einem Anleihentausch zugestimmt, mit dem das Land um Schulden im Umfang von rund 100 Milliarden Euro entlastet worden war. Die EZB hatte damals mit der Begründung nicht teilgenommen, dass sie kein privater Gläubiger sei. Sie hatte am Markt rund 38 Milliarden Euro für griechische Staatsanleihen ausgegeben, die einen Nennwert von 50 Milliarden Euro haben. Zudem halten die Notenbanken der Euro-Länder noch griechische Anleihen. Die Schätzungen liegen bei rund zwölf Milliarden Euro.

          Inzwischen heißt es, die damalige Aktion reiche nicht aus, um die Gesamtverschuldung des Landes bis 2020 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Schon im Juli war deshalb in EU-Kreisen die Notwendigkeit eines weiteren Schuldenschnitts ins Gespräch gekommen, der dann auch die EZB und die nationalen Notenbanken treffen könnte.

          Die „Financial Times Deutschland“ berichtete vorab aus ihrer Freitag-Ausgabe, im Mittelpunkt der Überlegungen für einen zweiten Schnitt stünden die bilateralen Kredite an Griechenland aus dem ersten Hilfsprogramm von Mai 2010 bis Ende 2011 im Volumen von 53 Milliarden Euro. „Die Diskussion gibt es“ zitierte die Zeitung einen nicht näher genannten Insider. Der IWF dränge auf einen Schuldenschnitt der öffentlichen Geldgeber. Weder IWF noch EZB würden sich selbst daran beteiligen: der IWF bestehe auf seinem Status als vorrangiger Geldgeber und die EZB argumentiere intern, dass ein Schuldenerlass direkte Staatsfinanzierung sei.

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