https://www.faz.net/-gqu-85vka

Griechenland : Krugman ist von Tsipras enttäuscht

  • Aktualisiert am

Paul Krugman bei einem Treffen mit Alexis Tsipras im April Bild: dpa

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman war unter Ökonomen bislang ein Verbündeter von Alexis Tsipras. Nun geht er auf Distanz: Er habe die Kompetenz der griechischen Regierung vielleicht überschätzt.

          1 Min.

          Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hat die linksgeführte griechische Regierung in ihrem Kampf gegen die von den internationalen Gläubigern geforderten Sparmaßnahmen lange unterstützt - inzwischen ist er von Athen enttäuscht. Er habe die Kompetenz der griechischen Regierung vielleicht überschätzt, sagte Krugman am Sonntag in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN. Das Referendum gegen ein weiteres Spar- und Reformpaket habe die regierende Syriza-Partei angesetzt, ohne einen Plan B in der Tasche zu haben für den Fall, dass die Finanzhilfen ausblieben.

          „Sie haben erstaunlicherweise geglaubt, dass sie bessere Bedingungen verlangen können, ganz ohne einen Notfallplan in der Tasche zu haben“, sagte Krugman. Mit dem dritten Hilfspaket habe sich Griechenland nun „deutlich schlechtere Bedingungen“ eingehandelt. „Das ist natürlich ein Schock.“ Krugman hatte in seinen Kolumnen in der „New York Times“ und in seinem Blog immer wieder die von den meisten Euro-Staaten und den Kreditgebern geforderten Sparmaßnahmen für Griechenland scharf kritisiert. Er argumentierte, dass eine radikale Sparpolitik eine rezessionsgeplagte Volkswirtschaft nicht gesunden, sondern noch tiefer in die Krise rutschen lasse.

          Bei der Volksabstimmung am 5. Juli waren mehr als 60 Prozent der Griechen dem Aufruf ihrer Regierung gefolgt und votierten gegen ein mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgehandeltes Spar- und Reformprogramm. In der Folge stimmte die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras im Gegenzug für ein weiteres Hilfspaket aber dennoch weitreichenden Steuererhöhungen, Privatisierungen und Sozialreformen zu.

          Finanzkrise : Tsipras bildet Kabinett um

          Weitere Themen

          Merz fürchtet beachtliche Geldentwertung in 2022

          Inflation : Merz fürchtet beachtliche Geldentwertung in 2022

          Der CDU-Politiker und Wirtschaftsfachmann Friedrich Merz fordert von der Bundesregierung und der Europäischen Zentralbank Maßnahmen gegen die Inflation. Ein Kritiker dagegen betont die Unabhängigkeit der EZB.

          Die Kliniken wappnen sich für die Omikron-Welle

          Corona-Krise : Die Kliniken wappnen sich für die Omikron-Welle

          In ersten Bundesländern gibt es mehr Fälle auf den Normalstationen, aber noch wissen die Kliniken nicht genau, was auf sie zukommen wird. Und da ist noch die Frage: Wie viel Personal fällt infiziert aus?

          Topmeldungen

          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve

          Inflation : Warum die Notenbanken um höhere Zinsen streiten

          Verschiedene Einschätzungen der Inflation: Die amerikanische Notenbank will zügig die Zinsen anheben, die EZB dagegen ist noch nicht bereit dazu. Das sorgt für Unruhe an den Börsen.

          Livestream : Wie lief das Treffen zwischen Baerbock und Lawrow?

          In Moskau trifft Außenministerin Annalena Baerbock erstmals auf ihren russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Was haben die beiden zur Ukraine-Krise zu sagen? Sehen Sie die Pressekonferenz im Livestream.
          Die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste: Novak Djokovic

          Djokovic und Kimmich : Woher kommt die Wut gegen ungeimpfte Sportstars?

          Die Fälle Djokovic und Kimmich zeigen: Niemand steht in der Pandemie so sehr im Fokus wie ungeimpfte Sportstars. Für ihre Haltung bekommen sie den Furor einer erdrückenden Mehrheit zu spüren – bis zur Ausgrenzung.