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Schelte von Ökonomen : Es ist ja nicht Washingtons Geld

Verständnis für Tsipras: Paul Krugman (rechts; hier bei einem Athen-Besuch im April) Bild: dpa

In der Griechenland-Debatte prügeln Amerikas Ökonomen gnadenlos auf die Deutschen ein. Dafür gibt es kulturelle Gründe – und ganz praktische.

          Eine wirkungsmächtige Erzählung macht die Runde. Es ist die Erzählung von den Deutschen und ihren nordeuropäischen Spießgesellen. Sie haben, so geht die Narration, mit ihren Entscheidungen Griechenland in Elend und Tumult gestürzt. Deutschlands Motive sind dabei durchaus vielschichtig. Sie wollen die unbotmäßige linksradikale Regierung wegputschen und nehmen dafür den Zusammenbruch der griechischen Volkswirtschaft in Kauf oder, in der verschärften Variante, sie beschleunigen ihn bewusst. Ferner leiden die Deutschen unter einer Obsession: Sie sind austeritätsversessen. Sparen ist die Tugend, der nicht nur die schwäbische Hausfrau zu folgen hat, sondern die ganz Welt.  

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Damit aber noch nicht genug der psychologischen Defekte, die Deutschen durchs Leben tragen. Sie sind in selbstzerstörerischer Weise auf die Einhaltung von Regeln selbst dann fixiert, wenn daraus ein allgemeiner Ruin resultiert. Und schließlich ist da noch die bedenkliche Eigentümlichkeit, dass die Deutschen Kredit gerne mit „Schulden“ übersetzen, einem mit Schuld verwandten Wort. Die semantische Verwandtschaft gibt den schlagenden Hinweis auf den deutschen Nationalcharakter: Die Deutschen finden Schulden böse.

          Das Putsch-Motiv

          Die Erzählung ist unbehaglich, aber sie zu ignorieren hilft gar nichts. Denn ausnehmend kluge Männer tragen sie weit in die Welt hinaus. Der kraftvollste Erzähler ist der mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Ökonom Paul Krugman, der für die große Zeitung New York Times Woche für Woche die einflussreichste Kolumne der Vereinigten Staaten verfasst. In einer älteren stand zum Beispiel der Satz: „Fast jeder, der die Entwicklung verfolgt, erkennt, dass Deutschlands Austeritäts-Obsession Europa an den Rand einer Katastrophe geführt hat – fast jeder, abgesehen von den Deutschen selbst.“ In einer anderen Woche schreibt der Ökonom, dass Deutschland das Rezept für ein „Desaster in Zeitlupe“ geschrieben habe, weil sie auf Sparsamkeit beharrt. Über Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte Krugman in einem Vortrag in Brüssel im April dieses Jahres, seine Position sei „niederschmetternd“. Der Mann habe in fünf Jahren nichts dazugelernt. In einer ganz frischen Kolumne schreibt Krugman, dass Griechenlands Volkswirtschaft kollabiert sei wegen der Austeritäts-Maßnahmen. Griechenland sei dann mit einem „Friß oder stirb“- Sparpaket der Kreditgeber konfrontiert worden, das die verheerende Sparpolitik der letzten fünf Jahre fortgesetzt hätte. „Dies war ein vermutlich mit Absicht so angelegtes Angebot, dass es Alexis Tsipras, der griechische Premierminister, nicht annehmen konnte, weil es seine politische Existenz vernichten würde. Die Absicht musste es sein, ihn aus dem Amt zu jagen, was wahrscheinlich passiert, wenn die Griechen die Troika genug fürchten, um mit „Ja“ zu stimmen.“

          Hier taucht es auf, das Putsch-Motiv. Im Kern sagt Krugman, die Kreditgeber einschließlich des mächtigen Deutschland befördern den demokratisch legitimierten Regierungschef aus dem Amt, weil er die ökonomisch verheerenden Sparmaßnahmen nicht hinnehmen will. 

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