https://www.faz.net/-gqu-84yjq

Griechenland-Krise : Griechen bleiben hart - die Geldgeber auch

Weinen oder lachen? Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras, sein italienischer Amtskollege Matteo Renzi und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Brüssel. Bild: dpa

Die Eurogruppe hat ihre Griechenland-Gespräche schon wieder unterbrochen. Vor dem Wochenende gibt es wohl kein Ergebnis. Und was passiert, wenn eine Einigung zu spät für Griechenland kommt?

          3 Min.

          Die Finanzminister des Euroraums kommen in ihren Verhandlungen mit der griechischen Regierung auf keinen grünen Zweig. Auf ihrem vierten Treffen binnen einer Woche brachen sie ihre Gespräche am Donnerstag nach rund zweieinhalbstündigen Beratungen abermals ab. Der Chef der Eurogruppe, der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem, berief ein weiteres Treffen für diesen Samstag ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) strebt dem Vernehmen nach eine Einigung bis zur Öffnung der asiatischen Börsen am Montagmorgen an. Dijsselbloem konnte den parallel tagenden Staats- und Regierungschefs von keinen Fortschritten in den Gesprächen berichten.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, hätten die Staats- und Regierungschefs in Brüssel lediglich klargemacht, dass Athen in den Verhandlungen zur Abwendung einer Staatspleite absolut keinen Spielraum mehr habe. Die Debatte dazu habe rund zwei Stunden gedauert. Die Runde habe jedoch von Tsipras verlangt, das neue Angebot der Geldgeber für ein Reform- und Sparpaket zu akzeptieren. Sonst müsse über einen „Plan B“ gesprochen werden - wie üblicherweise eine Pleite oder ein Euro-Austritt Griechenlands umschrieben wird. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, der die Staats- und Regierungschefs über den Stand der Verhandlungen informierte, sagte: „Die Tür ist immer noch offen für die griechische Regierung, die Vorschläge anzunehmen, die die (Geldgeber)-Institutionen auf den Tisch gelegt haben.

          Im nun verbleibenden Zeitraum sollen die drei Gläubiger-Institutionen – Internationaler Währungsfonds (IWF), Europäische Zentralbank (EZB) und EU-Kommission – noch einmal ausloten, ob sie in ihren Reform- und Sparforderungen an Athen einigen griechischen Wünschen entgegenkommen können. Die Regierung Tsipras soll in diese Gespräche nicht eingebunden werden, sondern am Samstag einen letzten Vorschlag vorgelegt bekommen, den sie akzeptieren oder ablehnen kann. Der maltesische Finanzminister Edward Scicluna sagte, wenn es dann zu keiner Einigung komme, müsse ein Alternativplan greifen.

          Vor dem Ministertreffen hatten die Chefs der drei Institutionen in stundenlangen Gesprächen mit Ministerpräsident Alexis Tsipras versucht, einen Kompromiss auszuloten. Die Gespräche blieben ergebnislos, so dass den Finanzministern am Mittag zwei unterschiedliche Papiere vorlagen. EU-Währungskommissar Pierre Moscovici sagte, er habe mit der Geschäftsführenden Direktorin des IWF, Christine Lagarde, und EZB-Präsident Mario Draghi ein unter den Institutionen abgestimmtes Papier erarbeitet. Dieses Papier war zur Diskussion vorgesehen. Da aber auch der griechische Ressortchef Giannis Varoufakis neue eigene Vorschläge präsentierte, machten die Minister keine Fortschritte.

          Weitere Themen

          Unerwarteter Durchbruch beim Brexit

          Abkommen steht : Unerwarteter Durchbruch beim Brexit

          Die Unterhändler der EU und Großbritanniens haben sich auf einen Brexit-Vertrag geeinigt. Das bestätigen Jean-Claude Juncker und Boris Johnson auf Twitter. Ein Scheitern des Abkommens ist aber immer noch möglich.

          Topmeldungen

          Trump hat sich Erdogan gegenüber benommen wie ein hysterischer Liebhaber.

          Trumps Syrien-Politik : Härte und Liebe

          Trump hat eine Feuerpause für Syrien aushandeln lassen und feiert sich nun als Friedensstifter. Doch seine Siegerpose wirkt lächerlich. Erdogan hat von Amerika alles bekommen, was er wollte.
          Bestens gefüllt – auch am Wochenende: Das britische Parlament am „Super Saturday“.

          „Super Saturday“ : Britische Regierung will Brexit-Verschiebung beantragen

          Das britische Parlament hat eine Entscheidung über den Brexit-Deal verschoben. Premierminister Boris Johnson kündigt an, er werde „weiterhin alles tun, damit wir am 31. Oktober die EU verlassen.“ Trotzdem muss er Brüssel um einen Aufschub bitten.
          Die „People’s Vote“- Bewegung verlangt eine zweite Volksabstimmung über den Verbleib der Briten in der Europäischen Union.

          Protestmarsch in London : „Wir wurden von Anfang an belogen“

          Zum „Super Saturday“ sind auch Hunderttausende Demonstranten nach London gekommen. Viele fühlen sich belogen, wollen Boris Johnson die Zukunft nicht anvertrauen – sondern selbst ein zweites Mal abstimmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.