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Griechenland-Krise : Deutsche Professoren für Härte gegenüber Athen

  • Aktualisiert am

Noch werden griechische Flaggen in Athen gegen Euro verkauft. Bild: dpa

Lieber den Grexit als neue Kredite: Deutsche Wirtschaftsexperten drängen die Bundesregierung zu einem harten Kurs gegen Griechenland. Der nächste Krisengipfel findet frühestens kommende Woche statt - die G 7 gehen vor.

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          Deutsche Wirtschaftsexperten haben die Bundesregierung im Schuldenstreit mit Griechenland vor weiteren Zugeständnissen gewarnt. Die griechische Regierung um Ministerpräsident Alexis Tsipras werde sich auch an neu vereinbarte Reformauflagen nicht halten, sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Clemens Fuest, der „Bild“-Zeitung. Deshalb sollte Deutschland keinesfalls neue Kredite vergaben. Über schon vergebene Kredite und die Konditionen sollte Berlin allerdings verhandlungsbereit sein.

          Der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, Christoph Schmidt, sagte der Zeitung, ein Nachgeben der Gläubiger wäre auch für die europäische Integration insgesamt schädlich, weil eine Transferunion in den Geberländern keine breit Akzeptanz hätte,

          Der Präsident das Wirtschaftsforschungsinstituts ifo, Hans-Werner Sinn, bekräftigte Forderungen nach einem Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone. Nur ein Austritt und eine Abwertung der Währung könne das Land wieder flott machen. Schließlich habe Griechenland 325 Milliarden Euro öffentliche Gelder von der Staatengemeinschaft erhalten, was aber nicht geholfen habe. Die Arbeitslosigkeit sei heute mehr als doppelt so hoch wie vor fünf Jahren, als die Hilfsprogramme begannen.

          Griechenland hatte am Donnerstag eine Fristverlängerung zur Rückzahlung von Geldern an den Internationalen Währungsfonds (IWF) erhalten und will lehnt viele Forderungen ab, die die EU-Länder, der IWF und die Europäische Zentralbank (EZB) zur Bedingung für frisches Geld machen.

          Kein Treffen mehr vor dem G-7-Gipfel

          Nach einer monatelangen Hängepartie wollten Griechenlands Geldgeber den Schuldenstreit eigentlich möglichst vor dem G-7-Gipfel am Sonntag beilegen. Ein für Freitag anvisiertes Spitzentreffen auf EU-Ebene werde es aber nun doch nicht geben, heißt es in EU-Kreisen. Es werde jetzt schwierig. Eine Einigung ist Voraussetzung für die Auszahlung weiterer Milliardenhilfen an das akut pleitebedrohte Land.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor erklärt, die Verhandlungen seien „noch längst nicht an einem Schlusspunkt angekommen“. Sie gehe davon aus, dass IWF, EZB und EU-Kommission gemeinsam auf jeden Staat ein Höchstmaß an Überzeugungskraft hätten, sagte Merkel am Donnerstag in Meseberg. Allerdings drängen die Vereinigten Staaten darauf, dass die Europäer die griechische Finanzkrise bald lösen und damit Gefahren für die Weltwirtschaft abwenden.

          EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hatten in der Nacht zum Donnerstag mit Griechenlands Ministerpräsidenten Alexis Tsipras Kompromisslinien ausgelotet. Die nächste Möglichkeit für ein Spitzentreffen gibt es laut EU-Diplomaten jetzt erst wieder Mitte nächster Woche.

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