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Griechenland-Krise : Alarm im Währungsfonds

Logo des Internationalen Währungsfonds (IWF) Bild: AFP

Griechenland stellt seine Zahlungen an den IWF ein - und reiht sich damit neben Simbabwe, Sudan und Somalia ein. Für den Währungsfond ist das eine Katastrophe. Seine weltwirtschaftliche Bedeutung steht auf dem Spiel.

          Griechenland ist das erste Industrieland, das seine Zahlungsverpflichtungen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht eingehalten hat – vorausgesetzt allerdings, es ist überhaupt ein Industrieland. Der amerikanische Indexanbieter MSCI hat das Land jedenfalls unter großer öffentlicher Anteilnahme jüngst zum Schwellenland herabgestuft. Über Worte muss man aber nicht streiten, an der Schwelle steht das Land. Neben Griechenland sind noch Simbabwe, der Sudan und Somalia längst fällige Zahlungen schuldig.

          Das andere Wort, das herumgereicht wird, heißt Staatsbankrott. Hat die griechische Regierung diesen ausgelöst, als sie die am Dienstag fällige Kreditrate an den Währungsfonds nicht überwies? Der IWF sagt im Moment lieber, die Griechen seien im Verzug, weil ein Staatsbankrott so endgültig klingt, als ob das Geld nie mehr komme. Das aber wird der Währungsfonds mit allen Mitteln zu vermeiden trachten. Seine Arbeitsfähigkeit und Glaubwürdigkeit hängen davon ab, dass Programm-Länder, die Geld vom Währungsfonds geliehen haben, kooperieren und die Kredite bedienen. Wird das Nicht-Zahlen zur Option, kann der Fonds einpacken. Der Währungsfonds wird Griechenland daher keine Ruhe geben. Die 188 Länder, die ihn stützen, akzeptieren, dass der IWF immer zuerst bezahlt werden muss, bevor Kreditnehmer Schulden gegenüber anderen Ländern oder Institutionen, etwa der Europäischen Zentralbank, zu begleichen beginnen: Griechenland wird deshalb von den Kapitalmärkten ausgestoßen bleiben, bis der Währungsfonds seinen Daumen zur Entlastung hebt.

          Das zeigt, wie schwer die Zahlungsverweigerung für Griechenland wiegt. Doch auch für den IWF wiegt sie schwer. Um Griechenland, der Eurozone sowie französischen und deutschen Banken zu helfen, hatte der Fonds die alten Vergaberichtlinien in den Wind geschrieben und einen der größten Kredite seiner Geschichte vergeben. Dominique Strauss-Kahn, damals IWF-Chef mit politischen Ambitionen für das höchste Amt in Frankreich, machte sich dafür stark. Auch Angela Merkel wollte den Währungsfonds gerne dabei haben und wies ihren Finanzminister Wolfgang Schäuble, der eine europäische Lösung wollte, in die Schranken. Ganz nüchtern muss man ergänzen: Auch die Krisenexperten des IWF, die seit fünf Jahren in Griechenland sind, haben nicht geliefert. Jetzt steht der Währungsfonds vor einem Scherbenhaufen, während sich in Asien neue internationale Finanzinstitutionen bilden, die der alten Institution den Rang abzulaufen drohen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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