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Bankabhebungen im März : Griechen bringen weiter Geld in Sicherheit  

  • Aktualisiert am

Ein Mann hebt Geld an einem Automaten im Zentrum von Athen ab. Bild: AFP

Während Griechenland mit seinen Geldgebern um die Auszahlung weiterer Finanzhilfen ringt, holen die Bankkunden ihr Geld von den Konten. Die Einlagen sind auf den wohl niedrigsten Stand seit Ausbruch der Krise gesunken.

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          Die Griechen heben angesichts der schweren Finanzkrise immer mehr Geld von ihren Konten ab. Die Einlagen sanken nach Angaben von Geldinstituten auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der schweren Schuldenkrise. Dies berichtete am Samstag die konservative Zeitung „Kathimerini“. Auch andere griechische Medien berichteten, das „Verbluten“ gehe weiter.

          Im März hätten die Griechen bislang weitere drei Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben, heißt es. Im Dezember 2014 seien es vier Milliarden Euro gewesen, im Januar 12,2 und im Februar 7,6 Milliarden Euro. Daten der griechischen Nationalbank bestätigen die Zahlen für Februar.

          Seit Ausbruch der Krise im Dezember 2009 sanken die privaten Geldeinlagen nach Angaben des Blattes um knapp 100 Milliarden Euro. Hintergrund sei die Angst der Menschen vor einer schlagartigen Verschlechterung der Finanzlage wegen der Unstimmigkeiten zwischen Athen und der EU über den Abbau des griechischen Schuldenberges.

          Die Regierung Tsipras ist unter Druck

          Der Geldabfluss setzt die Regierung unter Druck, denn für die Banken sind solche Situationen gefährlich. Sie haben das Geld weiterverliehen, das ihre Kunden auf die Konten eingezahlt hatten. Wenn die Griechen zu viel Geld auf einmal abheben, können die Banken kippen. Würden die Banken dagegen kein Geld mehr auszahlen, entstünde erst richtige Panik.

          Schlechte Nachrichten gibt es auch zur Finanzlage Griechenlands: Sie hat sich einem Magazinbericht zufolge weiter verschlechtert. Entgegen ursprünglichen Erwartungen rechneten die Institutionen der früheren Troika inzwischen für das laufende Jahr nicht mehr mit einem Überschuss im Staatshaushalt ohne Berücksichtigung von Zinszahlungen, berichtete der „Spiegel“. Ursprünglich war von einem Plus von drei Prozent der Wirtschaftsleistung ausgegangen worden. Allerdings war die neue Regierung in Athen von dem Ziel abgerückt, Primärüberschüsse in dieser Höhe zu erzielen.

          Darüber hinaus habe der Stopp einer Reihe von bereits eingeleiteten Reformen die Staatsfinanzen zusätzlich belastet, berichtete das Magazin. Inzwischen rechneten Experten mit einer zusätzlichen Finanzlücke von zehn bis 20 Milliarden Euro. Ausgeglichen werden könne das nur mit einem dritten Hilfspaket für Griechenland, das einen Umfang von 30 Milliarden Euro und mehr haben könnte. Allerdings hatte Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras während seines Deutschland-Besuchs noch einmal deutlich gemacht, dass er ein solches neues Hilfspaket vermeiden will, wie Spitzenpolitiker der Grünen nach einem Treffen mit ihm sagten.

          Reformliste eingereicht

          Griechenland hat nach eigenen Angaben bei seinen Geldgebern die angeforderte Reformliste eingereicht, mit der die Regierung die Voraussetzung für kurzfristige Hilfszahlungen schaffen will. Von einem positiven Votum von Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission - der früheren Troika - hängt ab, ob die Euro-Gruppe grünes Licht dafür gibt. In diesem Falle könnte Griechenland kurzfristig mit insgesamt 7,2 Milliarden Euro aus verschiedenen Quellen rechnen.

          Das Büro von Tsipras hatte zudem mitgeteilt mit, in Brüssel werde es am Samstag ein Treffen der sogenannten „Brussels Group“ geben. Diese besteht aus den Experten der Geldgeber. Entscheidungen werden bei deren Treffen nicht getroffen.

          Beim Privatisierungsprojekt Hafen von Piräus (OLP) hat Griechenland unterdessen eine Kehrtwende gemacht. Seine Regierung sei bereit, die Mehrheit an dem Hafen binnen Wochen zu verkaufen, zitierte die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag den stellvertretenden griechischen Ministerpräsidenten Giannis Dragasakis. Nach ihrem Amtsantritt hatte die neue Regierung unter Führung der linken Syriza-Partei im Januar noch erklärt, sie werde Schluss machen mit der Spar- und Privatisierungspolitik der Vorgängerregierungen. Stoppen wollte sie zunächst auch den Verkauf der Mehrheit von 67 Prozent am Hafen von Piräus. Auf der Fünfer-Liste der aussichtsreichen Bewerber für diese Beteiligung stand bis dato auch die chinesische Cosco Group.

          Die Privatisierung des größten griechischen Hafens war eines der Vorhaben, zu denen sich die Regierung des damaligen Regierungschef Antonis Samaras im Gegenzug zu Finanzhilfen verpflichtet hatte. Dass die neue Regierung nun wieder darauf zurückkommt, hängt offenbar mit dem akute Finanzbedarf des Landes zusammen. Cosco und seine Mitbewerber seien eingeladen, ein wettbewerbsfähiges Angebot für den Hafen vorzulegen, sagte Dragasakis nach einem Bericht der chinesischen Agentur zufolge bei einem Besuch in der Volksrepublik. Die Transaktion könne dann in kurzer Zeit abgeschlossen werden. Der Politiker signalisierte, dass sich das chinesische Unternehmen Hoffnungen auf das Geschäft machen kann.

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