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Nach dem Referendum : Der Grexit scheint kaum noch vermeidbar

Ein Prost auf den Sieg: Der Kater könnte aber bald kommen. Bild: Reuters

Finanzmarkt-Analysten halten nach dem griechischen Referendum den Austritt aus dem Euro für nahezu unausweichlich, sogar wenn es noch eine Einigung geben sollte. Eine Katastrophe für Europa sieht niemand, außer für Griechenland.

          Die Finanzmärkte haben das Ergebnis des griechischen Referendums nicht erfreut, aber keineswegs schockiert aufgenommen. Die Rezeption ist eher ungläubig, dass sich die Dinge tatsächlich so ereignen, weil es gegen jede Vernunft zu sein scheint.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In den Worten von Erik Nielsen, Chefvolkswirt der Unicredit Bank, ist ein gewisser Zorn nicht zu überlesen. Wenn Tsipras behaupte, binnen 24 Stunden ein neues Hilfspaket aushandeln zu können, bleibe er die Antwort schuldig, warum er denn glaube, dass die Kreditgeber ihm jetzt das Geld ihrer Steuerzahler gegen weniger Reformen geben wollten – nur weil eine Mehrheit der empfangenden Griechen das für eine gute Idee halte. Die griechische Regierung habe offenkundig Schwierigkeiten zu verstehen, dass andere europäische Regierungen auch demokratischen Mandaten verpflichtet sei.

          Grexit - vor dem Anfang oder schon im Gang

          Die Zukunftsszenarien vieler Analysten sind pessimistisch. Die Mehrheit ist der Ansicht, der „Grexit“ sei nun das wahrscheinlichste Szenario. Ohne neue Kredite werde Griechenland am 20. Juli seine von der EZB gehaltenen Staatsanleihen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro nicht zurückzahlen können, schreibt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Deswegen sei schwer vorstellbar, dass die EZB die Obergrenze für die Notkredite an die griechischen Banken (ELA) anhebe. Dies käme einem faktischen Ausschluss aus der Währungsunion gleich, schreibt Martin Moryson, Chefvolkswirt bei Sal. Oppenheim. Insgesamt falle der EZB einmal mehr die Schlüsselrolle zu, so die Meinung der meisten Analysten.

          Spätestens Ende Juli werde der griechische Staat wohl nicht mehr über genügend Mittel verfügen, um die nächste Runde an Gehalts- und Rentenzahlungen zu leisten. Tatsächlich habe angesichts der Lage der Banken der „Grexit“ schon begonnen, schreibt Bruno Cavalier, Chefvolkswirt von Oddo & Cie, der dem griechischen Bankensystem etwa zehn Tage gibt, bevor es nach Einstellung der ELA-Hilfen zusammenbrechen werde. Valentijn van Nieuwenhuijzen von der Fondsgesellschaft NNIP ist nicht der einzige, der es für möglich hält, dass die Syriza-Regierung den Wert der Ersparnisse herabsetzen werde. Damit werde die Regierung jedoch genau denjenigen Menschen schaden, die sie eigentlich beschützen wolle.

          Wenig Chancen für Parallelwährung

          Wie die meisten Analysten rechnet auch die DZ-Bank aufgrund der fehlenden Liquiditätskredite nicht mit der von der Regierung angekündigten kurzfristigen Öffnung der Banken. Bald werde es zu einem Bargeldmangel kommen, mit der Folge eines vollständigen Stopps der Auszahlungen an den Geldautomaten. Das könne schon am Montag geschehen, schreibt Stefan Mitropoulos von der Helaba. Rentner könnten dann auch ihre monatlichen Bezüge nicht mehr erhalten. Das werde die Regierung zur Einführung einer Parallelwährung zwingen, so die DZ-Bank.

          Dieser geben die meisten Analysten aber wenig Chancen. Nielsen hält die Regierung Tsipras gar für unfähig, eine solche Währung einzuführen, noch viel weniger, ihr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Niemand wolle mit „funny-money” bezahlt werden und so gehe es nicht ohne Kapital-, Grenz- und Preiskontrollen. Doch auch das werde kurzlebig sein, schreibt Nielsen und erinnert an Simbabwe, das am Ende die eigene Währung aufgeben musste.

          Die DZ-Bank glaubt zwar, dass eine Verzinsung der Schuldscheine deren Attraktivität stärken könne, sieht aber den Devisenmangel als Problem. Schon jetzt gebe es Mangelerscheinungen bei Nahrungsmitteln und Medikamenten, so Paul O’Connor, von der britischen Fondsgesellschaft Henderson. „Wenn die Hybris kommt, ist die Nemesis nicht weit entfernt”, zitiert Léon Cornelissen, Chefökonom der niederländischen Fondsgesellschaft Robeco ein Sprichwort mit Blick auf das Referendum und den von ihm für wahrscheinlich gehaltenen „Grexit“.

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