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Nach dem Referendum : Der Grexit scheint kaum noch vermeidbar

Optimisten in der Minderheit

Indes hält die DZ-Bank einen „Grexit“ auch noch für aufhaltbar oder gegebenenfalls für umkehrbar. Nach dem Szenario der Analysten scheint der „Einstieg in den Ausstieg“ allerdings kaum noch vermeidbar. So bräuchte etwa Bundesfinanzminister Schäuble erst einmal ein Verhandlungsmandat des Bundestages. Einem Abkommen müssten die weiteren nationalen Parlamente auch erst noch zustimmen. Das könne sich daher über mehrere Wochen hinziehen. Dies kritisiert auch Nielsen: Syriza verstehe nicht, dass auch die Verhandlungspartner demokratische Mandate zu honorieren hätten.

Ganz anders kommt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe, daher. Die Fronten seien zwar härter denn je, aber solange Verhandlungen liefen, werde die EZB ihre Notkredite für Griechenland aufrecht erhalten. Es sei somit nicht unmittelbar mit einem Euro-Austritt zu rechnen. Der „Grexit“ sei noch nicht abgemacht, doch mittlerweile vorstellbar. An den Finanzmärkten gehe das Nervenspiel in eine neue Runde.

Auch die Analysten der DZ-Bank gehen davon aus, dass die EU wird weiter verhandeln wollen. Die Sorge vor einer Depression und der wachsende Unmut der griechischen Bevölkerung werde noch dafür sorgen, dass das Land im letzten Moment die Reißleine ziehen werde. Es besteht daher die Chance auf ein Rumpfabkommen bis zum 20. Juli.

Es sei aber sehr schwer ersichtlich, wie Verhandlungen jetzt noch konstruktiv geführt werden könnten, so Moryson. Tsipras müsse sich noch bestimmter gegen die Austeritätspolitik stellen, um das Referendum nicht als Farce erscheinen zu lassen. Auf der anderen Seite könnten auch die EWU-Partner nicht wesentlich von ihren Positionen abweichen. Alles laufe auf eine Konfrontation hinaus. Ein ähnlich zäher Verhandlungsprozess wie in den vergangenen Monaten sei nicht zu erwarten.

Appell an alle

Dabei wäre ein neues Abkommen auch unter anderen Gesichtspunkten begrüßenswert. Ein „Grexit“ sei rechtlich extrem schwierig und nur möglich, wenn beide Parteien diesen vereinbarten, schreibt Cavalier von Oddo & Cie. Dazu sei aber guter Wille notwendig, der bisher stark gefehlt habe. Eine monetäre Scheidung werde ein langer und qualvoller Prozess. Zudem werde ein „Grexit“ Griechenland nicht helfen. Die Volkswirtschaft sei übermäßig geschlossen, so dass eine Abwertung wenig bringen werde. Außerdem komme mit dem „Grexit“ keine fiskalische Disziplin. Er rechne daher mit einer Hyperinflation.

Fast schon appellativ liest sich der Kommentar von Hans Bevers, Ökonom bei der belgischen Fondsgesellschaft Petercam. Er plädiert weiter für einen Verbleib Griechenlands im Euro, auch mit einem höheren Haushaltsdefizit. Für eine Einigung sei es auch jetzt noch nicht zu spät. Mehr Nachgiebigkeit auf Seiten der Eurozone sei in ihrem eigenen Interesse.

Vorsicht regiert in der Geldanlage

Es sei nicht überraschend, dass die Risikovermeidung auf den Finanzmärkten gestiegen sei, schreibt O’Connor von Henderson. Indes sei die Reaktion zurückhaltend gewesen. Insofern sei das Referendum nur als einmaliger Schock zu betrachten.

Krämer von der Commerzbank rechnet nicht mit einem Einbruch der Finanzmärkte. Nielsen von der Unicredit Bank geht davon aus, dass noch ein größerer Abverkauf in den Märkten folgen werde, sobald sich abzeichne, dass Griechenland tatsächlich den Euro verlasse. Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank, rechnet mit einem Kursverlust des Dax‘ von zehn Prozent in den kommenden Wochen, sofern EZB und Fed nicht eingriffen.

Die relative Rendite von Staatsanleihen aus Peripherieländern, aber auch aus Bulgarien, Kroatien und Rumänien werde in den kommenden Wochen um 20 bis 50 Basispunkte steigen. Sollte Griechenland die Eurozone verlassen, werde der Euro wieder aufwerten. Allerdings lag Jakobsen schon am Montag daneben, für den er eine Eröffnung des Dax‘ mit 5 Prozent im Minus prognostizierte.

Robeco bleibt in europäischen Aktien untergewichtet, ebenso im Euro gegenüber dem Dollar. Ein Nachgeben der europäischen Aktienmärkte sei eine Kaufgelegenheit.

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