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Griechenlands Finanzminister : Was wird aus Giannis Varoufakis?

  • Aktualisiert am

Varoufakis am Samstag auf einer Konferenz in Italien - und nicht in Athen Bild: dpa

Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis verliert auch in der eigenen Regierung Freunde. Jetzt machen Gerüchte über eine Entmachtung des Politikers die Runde. 

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          Wenn die griechische Regierung an diesem Samstag versucht, ihre drängendsten Finanzprobleme zu lösen, dann passiert das möglicherweise ohne den Finanzminister. In Athen war für den Nachmittag ein neues Krisentreffen angesetzt - aber ohne Giannis Varoufakis, wie die „Bild“-Zeitung und die Deutsche Presse-Agentur übereinstimmend berichten.

          Tatsächlich hat Varoufakis in Italien an einer Konferenz teilgenommen, die bis zum Samstagmittag angesetzt war. Offiziell war das der einzige Grund für seine Abwesenheit bei dem Treffen. Doch andere lasen seine Abwesenheit als Zeichen dafür, dass der Minister an Macht verloren habe, hieß es.

          Tatsächlich haben Unstimmigkeiten zwischen Varoufakis und Regierungschef Alexis Tsipras schon häufiger zu Schwierigkeiten in den Verhandlungen zwischen Griechenland und den anderen europäischen Ländern geführt.

          Nach einem Finanzministertreffen im Februar musste Varoufakis seine Zustimmung zu einem schon gefundenen Kompromiss zurücknehmen, weil Athen widersprochen hatte. Als einige Tage später die Euro-Finanzminister das Hilfsprogramm für Griechenland beschlossen, sickerte durch, die eigentliche Einigung sei nicht mit Varoufakis abgemacht worden, sondern mit Tsipras. Vor rund zwei Wochen berichtete die „Bild“-Zeitung, der Regierungschef habe seinen Minister angewiesen, künftig weniger Interviews zu geben. Nicht verifizieren ließ sich dagegen eine „Bild“-Meldung, Varoufakis habe einen wichtigen Brief der griechischen Regierung an die Eurogruppe verfälscht.

          Verhältnis zu anderen Krisen-Akteuren immer schlechter

          Sicher ist: In den vergangenen Tagen hat sich das Verhältnis zwischen Varoufakis und einigen anderen Akteuren in der Griechenland-Krise weiter verschlechtert. Stets belastet war die Atmosphäre zwischen Varoufakis und Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble. Zusätzlich belastet wurde das Verhältnis, als die griechische Regierung Schäuble vorwarf, Varoufakis als „trottelig naiv“ beleidigt zu haben.

          Ihre Wähler hat die Regierung dadurch düpiert, dass Varoufakis die Reformkontrolleure der „Troika“ wieder ins Land lassen muss, auch wenn sie jetzt unter neuem Namen im Athener Hilton-Hotel arbeiten - obwohl er sie kurz nach der Wahl öffentlich aus dem Land geworfen hatte. Auf einer Konferenz am Comer See kündigte Varoufakis am Freitagabend zudem an, die Regierung werde weitere Wahlversprechen einkassieren, wenn das Geld dafür nicht reiche.

          Noch mehr Kritik erntete Varoufakis vor allem außerhalb Griechenlands für eine Fotostrecke im französischen Magazin „Paris Match“, für das er sich mit seiner Frau in seiner Athener Wohnung fotografieren ließ.

          In dem neuen Bericht heißt es jetzt auch, Varoufakis fehle nicht nur bei dem Krisentreffen. Er müsse sich zudem künftig in der Öffentlichkeit zurückhalten. Zum Beispiel dürfe er nicht mehr mit dem Motorrad ins Ministerium fahren, sondern müsse sich in einem Toyota Avensis chauffieren lassen.

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