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Europas Schuldenkrise : IWF: Griechenland braucht weitere Schuldenerleichterungen

Die Griechenland-Hilfen sind zurück in den Schlagzeilen. Der IWF räumt „bedeutende Misserfolge“ ein. Bild: AFP

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält es für nötig, dass die Euro-Staaten Griechenland Schuldenerleichterungen von mindestens 7 Prozent der Wirtschaftsleistung geben. Sonst sei die Schuldentragfähigkeit des Krisenstaates nicht gegeben.

          Damit Griechenland seine Schuldenlast dauerhaft tragen kann, müssen die Eurostaaten dem Land bis 2022 Schuldenerleichterungen in Höhe von mindestens 7 Prozent der Wirtschaftsleistung gewähren. Das geht aus einem von mehren Berichten des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu Griechenland hervor, den der IWF in der Nacht zum Donnerstag veröffentlicht hat.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Eine Erleichterung von 4 Prozent des BIP bis 2020 hatten die Finanzminister der Euro-Staaten im Dezember schon zugesichert, ohne diese konkret zu spezifizieren. Bis 2022 würden dann weitere Erleichterungen von mindestens 3 Prozent des Bruttoinlandproduktes fällig, heißt es in dem Bericht der IWF-Ökonomen. Die Schätzung beruht auf der aktuellen Schuldentragfähigkeitsanalyse des Währungsfonds und kann sich je nach Entwicklung des Anpassungsprogramms noch ändern.

          Die Zusage der Eurostaaten, Griechenland notfalls weitere Erleichterungen zu gewähren, war für den IWF im vergangenen Jahr eine notwendige Bedingung dafür, dass er sich an der Neuauflage des Reformprogramms überhaupt noch weiter beteiligte. Erst vergangene Woche hatte die geschäftsführende Direktorin des IWF, Christine Lagarde, die Europäer an diese Zusage ausdrücklich erinnert. Das Direktorium des IWF hatte vergangene Woche nach einer Diskussion über die Berichte der Auszahlung einer weiteren Kredittranche an Griechenland von 1,7 Milliarden Euro zugestimmt. 

          Schuldentragfähigkeit nicht gesichert

          Ohne die zugesagten Forderungsverzichte der Europäer ist die Schuldentragfähigkeit Griechenlands nicht gesichert. Ziel ist es, den Schuldenstand Griechenlands bis 2020 auf 124 Prozent des BIP und bis 2022 auf „deutlich weniger als“ 110 Prozent des BIP zu senken.

          Nach der aktuellen Analyse des IWF wird der Schuldenstand in diesem Jahr 175,8 Prozent des BIP erreichen. Von 2015 an würde er sinken und einschließlich der Finanzzusage der Euro-Finanzminister 2020 rund 124 Prozent erreichen. Die IWF-Ökonomen betonen in der Schuldentragfähigkeitsanalyse freilich die signifikanten Risiken des Programms. Ohne eine entschiedene Verringerung der griechischen Schulden ließen sich diese Risiken nicht glaubwürdig verringern, heißt es. In einem alternativen Szenario, in dem die Sanierung des Staatshaushalts in Athen nur verzögert gelingt und das Wachstum schwächer wäre, stiege die Staatsschuld zunächst auf mehr als 180 Prozent des BIP und läge 2020 immer noch bei fast 150 Prozent des BIP.

          Die Schulden Griechenlands hängen nach Einschätzung des IWF bedrohlich über dem Programm, dem der IWF an anderer Stelle gute Fortschritte bescheinigte. Die Wachstumsrisiken der hohen Staatsschuld könnten es erforderlich machen, dass die Europäer die Erleichterungen früher als bisher geplant leisten müssten, warnen die IWF-Ökonomen in dem Bericht. „Falls Sorgen über die Schuldentragfähigkeit die Stimmung von Investoren belasteten, müsste eine vorzeitige Schuldenerleichterung erwogen werden“, heißt es. Sonst gefährde dies das Wachstum und den Erfolg des Programms. Poul Thomsen, der Missionschef des IWF für Griechenland, redete vor Journalisten dieses Risiko indes klein. Seine Gespräche mit Investoren zeigten ihm, dass die Schuldenhöhe derzeit weniger als Risiko wahrgenommen werde.

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