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Euro-Krise : Athen streitet mit Geldgebern über seine Banken

  • Aktualisiert am

Griechen demonstrieren immer wieder gegen den harten Sparkurs ihrer Regierung. Bild: AP

Wie stabil sind Griechenlands Banken? Das Land selbst hat ihre Anfälligkeit untersuchen lassen und kommt angeblich auf eine viel kleinere Summe als der Internationale Währungsfonds. Dahinter steckt aber mehr.

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          Zwischen der Regierung in Athen und den internationalen Geldgebern herrscht offenbar großer Streit über den Zustand der griechischen Banken. Die Führung des klammen Staates geht angeblich von einem zusätzlichen möglichen Kapitalbedarf von weniger als 6 Milliarden Euro aus, während die Prüfer der „Troika“ eine rund dreimal so große Summe schätzen, berichtet die „Financial Times“.

          Die griechische Schätzung ergibt sich demnach aus einer Berechnung der griechischen Zentralbank, die wiederum auf einem Bilanz-Stresstest des größten Vermögensverwalters der Welt, Blackrock, beruht. Die Griechen habe die Prognose der „Troika“ weitergeleitet - an diesem Montag kehren die Programm-Prüfer der Geldgeber nach Athen zurück, um die Reformfortschritte zu kontrollieren.

          Hinter dem Streit über über die Stärke des griechischen Finanzsystems dürfte allerdings auch eine schon länger laufende Auseinandersetzung Griechenlands mit seinen Gläubigern stecken: die über den Zustand der Staatsfinanzen und die Frage, ob das Land ein weiteres Hilfspaket braucht.

          Die griechische Regierung würde gerne für die Bankenrettung vorgesehenes Geld, das in einem eigens dafür eingerichteten Fonds liegt, auch für den allgemeinen Staatshaushalt verwenden dürfen. Angeblich sind in dem Fonds derzeit zehn Milliarden Euro (übrig). Die Geldgeber wollen das nicht, heißt es, und den Fonds als Sicherheitsnetz für die griechischen Banken erhalten - wohl auch angesichts des bevorstehenden Bankenstresstests durch die Europäische Zentralbank. Ob die Mittel (theoretisch) überhaupt für andere Staatsausgaben verfügbar sind, hängt nicht zuletzt am geschätzten Kapitalbedarf der Banken, der je nach getroffenen Annahmen stark variieren kann.

          Nach Angaben der „Financial Times“, die sich auf einen hochrangigen Troika-Mitarbeiter beruft, geht der IWF von einem Kapitalbedarf in der Nähe von 20 Milliarden Euro aus. Weiterhin soll der Währungsfonds gedroht haben, seine Schätzung zu veröffentlichen, wenn Griechenland an seiner 6-Milliarden-Euro-Schätzung festhält. In der Eurogruppe wurde der Zeitungsbericht indes zurückgewiesen. „Wenn es so große Unterschiede gäbe, wäre die Troika erst gar nicht wieder nach Athen gefahren“, sagte ein EU-Beamter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die griechische Zentralbank will die Resultate des von Blackrock für sie durchgeführten Stresstests angeblich Ende Februar vorstellen - und damit drei Monate später als ursprünglich geplant. Grund dafür sei, dass die Notenbank noch die Investmentbank NM Rothschild und die Unternehmensberatung Ernst&Young um Einschätzungen gebeten habe.

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