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Früherer EZB-Präsident : Trichet warnt vor dem Grexit

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Gegen den Grexit: Jean-Claude Trichet war von 2003 bis 2011 Präsident der EZB. Bild: AFP

Ein Austritts Griechenlands käme sehr teuer, prophezeit der ehemalige Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet. Im Gespräch mit der F.A.Z. warnt er: Auch das „Risiko einer geopolitischen Ansteckung“ werde unterschätzt.

          Jean-Claude Trichet, der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor einem Grexit gewarnt. Eine Destabilisierung Griechenlands könne weitreichende Folgen haben, die etwa auch die Balkanstaaten beträfen. „Europa hat eine historische Verantwortung dafür, die Länder aus dem früheren kommunistischen Block fest zu verankern“, sagte Trichet.

          Auch an die „kulturelle Nähe der Griechen zur Ukraine und Russland über die Verbindung der orthodoxen Religion“ sei zu denken. Zusätzlich verschärfe die geographische Nähe zum Nahen Osten und Nordafrika mit seinen Kriegen und Flüchtlingsströmen die Lage. Trichet spricht vom „Risiko einer geopolitischen Ansteckung“ - „dieses wird in Europa unterschätzt, nicht zuletzt in Deutschland“.

          Die Ansteckungsgefahr durch Zinsanstiege und Spekulationen auf weitere Austritte hält der Franzose für begrenzt. „Doch es wäre naiv zu denken, dass sie gar nicht existiere“. In jedem Fall käme der Grexit sehr teuer - nicht nur für die Griechen, die vor einem „schrecklich schmerzhaften Umbruch“ stünden: „Die Gläubiger müssten auf fast die Gesamtheit ihrer Schulden verzichten“, sagt der ehemalige Notenbankier.

          Kein Vertrauen in die griechische Regierung

          Der 72 Jahre alte Franzose, der die EZB zwischen 2003 und 2011 leitete, kritisiert indes auch die griechische Regierung scharf: „Leider hat ihr Verhalten dafür gesorgt, dass viele europäische Länder praktisch kein Vertrauen mehr in diese Regierung haben.“ Glaubwürdigkeit könne sie jetzt nur noch durch einen äußerst belastbaren Reformplan zurückgewinnen.

          „Ein Plan, dessen Inhalt und dessen Umsetzungschancen vom Währungsfonds und den Europäern als glaubwürdig angesehen wird, ist die absolute Voraussetzung“. Andernfalls könnten die Griechen nicht im Euro bleiben. „Wenn bis zum Wochenende kein glaubwürdiger Plan auf dem Tisch liegt, ist ein Grexit sehr wahrscheinlich.“

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