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Schuldenkrise : Die griechische Privatisierungsliste

Der staatliche Stromerzeuger Public Power Corporation (PPC)  entstand 1956, als mit Verstaatlichungen ein Monopolist geschaffen wurde. 2014 erzeugte das Unternehmen rund 67 Prozent des griechischen Strombedarfs von 57 Gigawattstunden. Der Umsatz von 6 Milliarden Euro und der Nettogewinn von 91 Millionen Euro wurde mit 18.600 Mitarbeitern erwirtschaftet. Allerdings gibt es Athener Zeitungsberichten zufolge in der Bilanz Forderungen von 2 Milliarden Euro, von denen mindestens die Hälfte abgeschrieben werden muss, weil arbeitslose Griechen nicht zahlen können oder Firmenkunden in Konkurs gegangen sind. Zugleich stellt sich heraus, dass der Stromlieferant auch nicht in der Lage ist, sich die Stromrechnungen von gut laufenden Luxushotels bezahlen zu lassen.

Als Monopolist war PPC ein bevorzugtes Betätigungsfeld von Gewerkschaften, nunmehr wurde es zu einer besonderen Machtbasis für den linken Flügel der Regierungspartei Syriza. Der sorgte sogar in den aktuellen Krisenzeiten für eine verdeckte Gehaltserhöhung in Form eines Essensbonus von 6 Euro am Tag, ein mittlerer Skandal in einem Land, in dem viele Büroangestellte nur noch 800 Euro im Monat verdienen. Für eine Schwächung sorgt nun allerdings ein Prozess gegen die Gewerkschaftsführung wegen angeblichen Missbrauchs von Gewerkschaftsmitteln, bezahlt vom Stromkonzern.

Eigentlich sollte von PPC ein kleiner Teil abgespalten und privatisiert worden, um damit Konkurrenz auf dem Strommarkt zu schaffen, doch dies will der linke Flügel von Syriza auf jeden Fall vermeiden. PPC ist selbst seit 2001 an der Athener Börse notiert. 51,1 Prozent der Aktien ist in der Hand des Staates, 3,8 Prozent im Besitz der Rentenkasse. Ende Juni betrug die Börsenkapitalisierung 1 Milliarde Euro.

Zum Verkauf gezwungen : Athen und die Privatisierung des Hafens von Piräus

„Admie“ ist das Kürzel für das griechische Stromnetz, das 2011 vom Strommonopolisten PPC abgetrennt und zur Privatisierung ausgeschrieben wurde. Als Umsatz für 2014 werden 312 Millionen Euro angegeben, das Betriebsergebnis (Ebitda) mit 174 Millionen Euro, die Gesamtschulden mit 448 Millionen Euro. Während des Bieterverfahrens wurde eine Kandidatenliste von vier Käufern ausgewählt, danach das Privatisierungsverfahren gestoppt. Der kommunistische Energieminister Panos Lafazanis war gegen jede Privatisierung. Sein Nachfolger Panos Skourletis sagte vergangene Woche, sowohl der Stromproduzent als auch das Netz seien unbezahlbar.

Der neue Athener Flughafen, gebaut für die Olympischen Spiele 2004, gehört zu den wachsenden Unternehmen des Landes. 2014 verzeichnete er 154.000 Flugbewegungen (plus zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr) und 15,2 Millionen Passagiere (plus 21 Prozent). Bei einem Umsatz von 316 Millionen Euro wurde 2014 ein Nettogewinn von 92 Millionen Euro erzielt, die Mitarbeiterzahl liegt unter 700. Der Flughafen wird von privaten Investoren verwaltet, die zu 45 Prozent am Unternehmen beteiligt sind. 55 Prozent gehört dem Staat. Das 1996 gegründete Gemeinschaftsunternehmen hat das Recht, den Flughafen 30 Jahre lang zu verwalten.

Trainose ist die Tochtergesellschaft der griechischen Staatseisenbahn, die den Personen- und Frachtverkehr betreibt. Für 2013 wird ein Umsatz von 76 Millionen Euro und ein Betriebsverlust von 43 Millionen Euro angegeben. Das Privatisierungsverfahren war dennoch nicht über die ersten Hürden hinausgekommen, mit den russischen und rumänischen Eisenbahnen als Interessenten. Über die österreichische Bahn kursierte die Nachricht, sie würde die griechischen Bahnen übernehmen, aber nur geschenkt.

Zu den eher schwer zu privatisierenden Unternehmen gehört auch der Athener Wasserversorger Eydap, der seit 2000 an der Börse gehandelt wird, allerdings zu 94 Prozent in öffentlichem Besitz ist. Für 2014 wies das Unternehmen einen Umsatz von 326 Millionen Euro und einen Nettogewinn von 42 Millionen Euro aus. Ein Sechstel der Bilanzsumme besteht aber aus Forderungen, und ein wichtiger Teil der Bilanz wird von der Begründung von Abschreibungen auf uneinbringliche Forderungen eingenommen. 23 Prozent des gelieferten Wassers werde nicht bezahlt, schreibt das Unternehmen. Mit seinen 2350 Mitarbeitern gehört es ebenso wie andere Versorger zu den Bastionen der Gewerkschaften, offenbar auch zum Einflussbereich von Syriza. Der Lebensgefährte der von Syriza gestellten Ministerpräsidentin der Region Attika – der Region rund um Athen – wurde kürzlich in die Führungsriege des Unternehmens aufgenommen.

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