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Schuldenkrise : Die griechische Privatisierungsliste

Südlich von Athen, an der Meeresküste, liegt auch der ehemalige Flughafen Athen, Hellinikon. Seit 2004 liegt das Grundstück brach, weil es keine Einigung über die Verwendung gab: Für 600 Hektar mit mehr als 3 Kilometern Küstenstreifen und Yachthafen, gab es viele Interessenten. Ende 2014 wurde das Privatisierungsverfahren vorerst abgeschlossen, mit einem Konsortium aus Griechenland, dem Nahen Osten und China als einzigem am Schluss verbliebenem Bieter, der sofort mehr als 900 Millionen Euro auf den Tisch legen sollte und Milliardeninvestitionen versprach. Der kommunistische Flügel der neuen Regierung torpedierte jedoch das Projekt. Die ehemalige Staatssekretärin im Finanzministerium, Nadia Valavani, kündigte an, dass auf dem eigentlich wertvollen Gelände auch eine Mülldeponie untergebracht werde und stoppte damit endgültig alle konkreten Pläne für einen Abschluss der Verträge.

Nicht alle Privatisierungsobjekte regen die Phantasie so an wie der Gedanken von Inseln in der Ägäis. Was unter dem Namen von „Boutique Hotels“ angeboten wird, sind kleine, teils halb verfallene Immobilien, die in den Siebziger Jahren die staatliche Kette „Xenia Hotels“ darstellten. Zudem gibt es noch ehemalige Sanatorien im Landesinneren. Weil aber eben keine attraktiven Grundstücke dazugehören, nannte man die Liste kurzerhand Boutique Hotels, auch wenn vom Luxus einer Boutique nichts dabei ist.

Begehrlichkeiten weckt dagegen das Gelände von Afantou auf Rhodos, mit 185 Hektar einschließlich einem Golfplatz von 45 Hektar und 7 Kilometern Küstenlinie. Das Grundstück wurde in zwei Teilen versteigert, die höchste Bietersumme für beide zusammen belief sich 2014 auf insgesamt 41 Millionen Euro. Vor einem endgültigen Zuschlag wollten die griechischen Behörden aber noch einmal die Bieter genauer untersuchen und seither kamen sie nicht weiter.

Ein weiteres Grundstück für touristische Investitionen läuft unter dem Namen Kassiopi, auf der Insel Korfu. Dazu gehören 50 Hektar Land und 700 Meter Küstenlinie. Einschließlich der Investitionen in Neubauten soll das Projekt 100 Millionen Euro nach Griechenland bringen. Die Privatisierungsagentur hat dazu 2013 das Bieterverfahren abgeschlossen. Weiteres wurde nicht mitgeteilt.

Attraktiv, zumindest von außen, wirkt das „Castello Bibelli“ auf der Insel Korfu, erbaut als neogotischer Komplex von einem italienischen Admiral. In der Anlage mit etwa 25 Hektar Grund soll ein Luxushotel entstehen. Vom Ergebnis der im Herbst 2014 abgelaufenen Ausschreibung ist allerdings nichts berichtet worden.

Streunende Hunde auf dem Vorfeld des alten Athener Flughafens Bilderstrecke
Streunende Hunde auf dem Vorfeld des alten Athener Flughafens :

Auf der Liste der zu privatisierenden Objekte steht auch der bei Athen gelegene Hafen von Piräus. Dort hat bisher der staatliche chinesische Logistikkonzern Cosco das Containerterminal gemietet und wachsenden Erfolg. Nun soll der gesamte Hafen privatisiert werden. Ausgeschrieben wird dabei die Verpachtung der gesamten Hafenbehörde von Piräus. Dieses Vorhaben stößt aber auf erbitterten Widerstand der Gewerkschaften, die bisher die Hafenarbeiter vertraten. Bis zur Ankunft der Chinesen hatten die Hafenarbeiter so viele Auflagen für Bezahlung und Sozialabgaben durchgesetzt, dass andererseits kaum mehr jemand den Hafen Piräus benutzen wollte. Mit Antritt der neuen Linksregierung stemmte sich daher der kommunistische Flügel der Regierungspartei sofort gegen die Privatisierung des Hafens. Doch eine Intervention aus China soll das Privatisierungsprojekt seither wieder flottbekommen haben.

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