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Giannis Varoufakis : Liebling, ich habe die Banken geschrumpft

Die Geschichte klingt abenteuerlich, doch die Quelle ist: Giannis Varoufakis. Bild: dpa

Die Opposition in Griechenland will den ehemaligen Finanzminister Giannis Varoufakis vor Gericht bringen. Der wollte das Land im Geheimen und mit sehr unkonventionellen Mitteln auf die Wiedereinführung der Drachme vorbereiten - sagt er selbst.

          Giannis Varoufakis ist nicht mehr Finanzminister Griechenlands, doch wenn es nach der griechischen Opposition geht, wird er noch eine ganze Weile die Schlagzeilen bestimmen. Der seriöse griechische Fernsehsender Skai TV berichtete am Montag, mehrere Abgeordnete der vormaligen Regierungspartei „Nea Dimokratia“ strebten danach, eine parlamentarische Untersuchungskommission einzuberufen, deren Arbeit wiederum zur Aufnahme von Ermittlungen gegen den Anfang Juli zurückgetretenen ehemaligen Minister führen könnte. In einer Mitteilung der im Januar abgewählten Partei ist von „Enthüllungen“ die Rede, die das Kabinett von Ministerpräsident Alexis Tsipras mit „wichtigen politischen, wirtschaftlichen und moralischen“ Fragen konfrontiere und einer umfassenden Untersuchung bedürfen. „Ist es wahr“, wird in der Mitteilung gefragt, dass es eine geheime Arbeitsgruppe gegeben habe, die für Griechenland „eine Parallelwährung vorbereitet hat, indem sie die Steuerregistrierungsnummer der Steuerzahler geknackt hat?“.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Die Opposition in Athen forderte „eine schnelle Klärung“ der Berichte, laut denen Varoufakis zu seiner Zeit als Minister einen mit ihm befreundeten Fachmann damit beauftragt hat, sich in das Datensystem des Finanzministeriums einzuhacken und die Angaben zu allen griechischen Steuerzahlern auf einen privaten Rechner zu übertragen. Der Datenklau sollte dann dazu dienen, für den Fall eines Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro und einer Schließung der Banken ein paralleles Zahlungssystem aufzubauen, das zur Not per Knopfdruck von Euro auf Drachme hätte umgestellt werden können.

          Die Geschichte klingt abenteuerlich, und ob man die Quelle für vertrauenswürdig hält oder nicht, ist Ansichtssache, denn es ist – Giannis Varoufakis. Am Montag stellte ein in London beheimatetes Institut („Official Monetary and Financial Institutions Forum“) den Mitschnitt einer Telefonkonferenz ins Internet, auf der Varoufakis Mitte Juli, als er schon etwa zehn Tage nicht mehr Minister war, Hedgefonds-Managern seine Sicht der Lage Griechenlands und der Eurozone erläutert. Laut Angaben des Instituts erfolgte die Veröffentlichung des Mitschnitts mit Varoufakis’ Billigung, um „weitere Transparenz“ und einen „Dialog“ zu ermöglichen.

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          Es gibt eine Stelle in diesem Mitschnitt, an dem Varoufakis seine Zuhörer warnt, dass das, was er nun gleich sagen werde, absolut vertraulich sei. An dieser Stelle wird er von einem Gesprächsteilnehmer unterbrochen – die zu hörende Stimme soll die des konservativen britischen Politikers und ehemaligen Schatzkanzlers Norman Lamont sein – mit der Warnung, dass „mit Sicherheit“ auch andere noch zuhören. Varoufakis schlägt die Warnung lachend in den Wind und sagt, wenn ihn jemand zitieren sollte mit dem, was er nun gleich sagen werde, „werde ich bestreiten, dass ich es gesagt habe“. Und dann sagt Varoufakis, unbestritten: „Wir beschlossen, uns in das Softwareprogramm meines Ministeriums einzuhacken, um es aufzubrechen zu können und den Code der Seite mit dem Steuersystem auf einen großen Computer in seinem Büro (gemeint ist ein vorher in dem Gespräch erwähnter Freund von Varoufakis) zu überspielen, damit er daran arbeiten kann, wie man dieses parallele Bezahlungssystem entwerfen und implementieren kann.“ Der Satz klingt etwas kompliziert und verwirrend, doch aus dem Kontext von Varoufakis’ Schilderungen heraus ist er durchaus schlüssig.

          Zuvor hatte Varoufakis nämlich bestätigt, dass es zwischen ihm und Tsipras im Juni und Juli grundlegend verschiedene Ansichten zum Umgang mit der Krise gegeben habe. Varoufakis interpretierte den Wahlsieg von Syriza demnach als Mandat, die Eurozone notfalls auch zu verlassen, sofern die Geldgeber Griechenland keine „lebensfähige“ Vereinbarung zur Regelung der Schuldenfrage anbieten sollten. Eine solche Möglichkeit scheint zumindest Ende 2014 auch Tsipras erwogen zu haben. Damals war Tsipras noch Oppositionsführer, doch legten alle Umfragen einen Sieg seines „Bündnisses der radikalen Linken“ bei der nahenden Parlamentswahl nahe. Tsipras habe ihm noch vor der Parlamentswahl „grünes Licht für einen Plan B“ gegeben, so Varoufakis. Er habe daraufhin ein „sehr fähiges“, aus Geheimhaltungsgründen zudem kleines Team von fünf Leuten zusammengestellt, das Ende Dezember die Arbeit aufgenommen und auch tatsächlich einen „Plan B“ entwickelt habe.

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